Den 11. Januar wird Iris Fischer nie vergessen. An dem Tag holte sie ein Katzenbaby bei der Züchterin. Zuhause der Schock. Sie sagt: „Uns wurden kranke Tiere verkauft.“
Die Aufregung ist Iris Fischer anzuhören. Die Besitzerin von „Kelly“, einer Rassekatze, hat sich mit elf weiteren Besitzern, deren Jungtiere aus der selben Zucht einer Kreisgemeinde stammen, zusammengeschlossen, um auf die vermeintlichen Missstände aufmerksam zu machen. „Was uns passiert ist, ist der Oberklopfer“, sagt Schmidt, die in Dornstetten (Kreis Freudenstadt) lebt.
Was sie damit meint? Schon bei der Abholung bei der Züchterin sei ihr das Kätzchen komisch vorgekommen. „Sie hat komisch geatmet, war komplett verrotzt und hat geniest“, berichtet Fischer. Die Züchterin habe ihr vehement davon abgeraten, zum Tierarzt zu gehen, sondern die Gabe von Sinupret und Ibuprofen empfohlen. „Ich hätte damit das Tier vergiftet“, ist Fischer sich sicher.
Am Folgetag ging sie mit dem Kitten zum Tierarzt. Der habe Pilze bei dem Tier entdeckt, die Katze sei mit Corona infiziert gewesen. 13 Mal sei Fischer mittlerweile mit „Kelly“ beim Arzt gewesen. Bei einem Besuch musste der Katze die Stirn geöffnet werden, sagt die Katzen-Mama. „Es wurde Eiter raus gespült, ich hatte Angst, ‚Kelly‘ erstickt.“
Kostenintensive Behandlungen
Mehr als 3000 Euro habe Fischer für die Behandlungen bislang ausgegeben, der Kaufpreis für das Kätzchen habe bei 1600 Euro gelegen. Fischer habe die Züchterin angerufen. Diese habe auch einen Teil der Rechnungskosten übernommen.
Fischer berichtet von einem jungen Paar, das ein Tier aus der selben Zucht kaufte, dem ein Auge entfernt werden musste. Von einer Familie aus Ulm will sie wissen, dass diese 10 000 Euro für die Behandlung ihrer Katze ausgegeben hätten. Auch dieses Tier sei mit Corona und einem Pilz infiziert gewesen. Diesen hätte sich das Kind der Familie eingefangen. „Das juckt wie Hölle“, sagt Fischer. Eigentlich müsste man die ganze Wohnung sterilisieren.
Fischer und andere Betroffene hätten den Zuchtverband und das Veterinäramt eingeschaltet. Eine von ihnen ist Birgit Lippert-Härter aus Sinsheim. Sie hat zwei Jungtiere bei der betreffenden Züchterin gekauft.
Auch Lippert-Härter berichtet, dass ihre Tiere Pilze gehabt hätten. Dazu seien Katzenschnupfen, Giardien und Corona diagnostiziert worden. Kater „Baileys“ habe es besonders schwer erwischt: „Ihm mussten mit gerade mal acht Monaten 26 Zähne gezogen werden.“ Die Rechnungen für die Sinsheimerin beliefen sich mittlerweile auf 4500 Euro, die Babys hätten die Bestandskatze angesteckt.
Das Veterinäramt ist informiert
Beim Veterinäramt weiß man von derlei Beschwerden. „Der Vorgang ist dem Landratsamt bekannt“, sagt Pressesprecherin Marisa Hahn auf Anfrage unserer Redaktion. Die Katzenzucht wurde 2021 angemeldet und erhielt eine Erlaubnis zur Zucht von Katzen.
Drei Jahre später, im Juni 2024, sei beim Veterinäramt die erste Meldung bezüglich der Erkrankung von Kitten aus der Zucht eingegangen. Hahn: „Noch im Juni 2024 fand eine unangekündigte Kontrolle der Katzenzucht statt.“
„Es gehen Beschwerden, aber auch sehr positive Beurteilungen von Kunden der Katzenzucht ein“, weiß Hahn. Derzeit erhalte das Amt sehr viele Untersuchungsbefunde erkrankter Katzen, die gesichtet und bewertet würden.
2024 gingen zwei Beschwerden bezüglich kranker Kitten ein, sagt Hahn. „Es betraf insgesamt fünf Kitten.“ Dieses Jahr hätten sich beim Veterinäramt neun betroffene Katzenhalter gemeldet, insgesamt 16 Kitten seien erkrankt. Es gingen aber auch seither Meldungen von sieben Tierhaltern ein, die von insgesamt 13 gesunden Kitten berichteten, führt die Sprecherin weiter aus.
Unangekündigte Vor-Ort-Kontrollen
Bereits seit Juni 2024 fanden mehrere unangekündigte Vor-Ort-Kontrollen durch das Veterinäramt statt, erklärt Hahn. „Bezüglich der Haltungseinrichtung der Katzen gab es keine Beanstandungen, jedoch konnten Bedingungen festgestellt werden, die die Ausbreitung von Katzeninfektionskrankheiten nicht einschränken können.“ Aufgrund der örtlichen Bedingungen – die Katzen könnten sich auf den Etagen des Hauses in den Räumen frei bewegen; und sie hätten etliche Versteck- und Rückzugsmöglichkeiten – sei nur eine eingeschränkte Inaugenscheinnahme beziehungsweise allgemeine Untersuchung der Katzen möglich gewesen.
Daraufhin seien Maßnahmen schriftlich vorgegeben worden, die sowohl die Zuchttiere als auch die Kitten bestmöglich vor Erkrankungen schützen sollen, heißt es seitens der Behörde. Hahn: „Dem Amt wurden Gesundheitsdaten sowie Maßnahmenpläne vorgelegt.“
Und die betroffene Züchterin? Das Entsetzen über die Vorwürfe ist ihr am Telefon anzuhören. Gegenüber der Presse äußern will sie sich – vorerst – nicht.