Was für Menschen selbstverständlich ist, sollte für Tiere nicht hintenanstehen. Tierarzthelferin Jessica Kaminski erzählt von ihrem ehrenamtlichen Nebenjob als Tierretterin.
Schwarzwald-Baar-Kreis - Schon seit mehr als 15 Jahren sind sie aktiv: Die Tierretter aus Südbaden.
Im Landkreis Konstanz, in Schwarzwald-Baar und im Landkreis Tuttlingen liegen ihre Haupteinsatzstellen, jedoch nehmen sie sich auch Tieren in Not, in angrenzenden Landkreisen, an.
Mit Leiden konfrontiert
Immer wieder werden sie mit akutem Tierleiden konfrontiert und durch die rund um die Uhr erreichbare Notfallhotline werden sie zu Retter in verschiedensten Situationen: Die Katze vom Baum holen, den Hund aus dem Unfallauto befreien, die Kaninchen aus der Messi-Wohnung und das festliegende Pferd aus seinem Missstand holen.
Sie kümmern sich um Erstversorgung, Notfalltransport, Sicherung von entlaufenden Haustieren und vieles mehr. Alles unter dem Motto: Was für Menschen selbstverständlich ist, sollte für Tiere nicht hintenanstehen!
Wie beim Rettungsdienst
Jessica Kaminski arbeitet als Tierretterin im Umkreis von Villingen-Schwenningen und erzählt unserer Redaktion von ihrer aufregenden Arbeit. Sie ist gelernte Tierarzthelferin und von ihrem ehrenamtlichen Nebenjob begeistert. "Es ist im Endeffekt wie der Rettungsdienst", erklärt sie. In dem Moment, in dem Tiere Hilfe erlangen, hilft man auch indirekt den Menschen, beispielsweise den Tierhaltern. Egal ob es sich um den Hund der Nachbarin handelt oder das verletzte Tier aus dem Wald. Wildtiere sind so wie Haustiere in manchen Situationen auf menschliche Hilfe angewiesen.
Beim Notfall werden sie alarmiert
Wenn die Tierretter alarmiert werden, erreicht es für gewöhnlich zuallererst die Ortsgruppe mit etwa fünf Mitgliedern. Jeder ehrenamtliche Tierretter geht selbstverständlich auch seinem gewöhnlichen Beruf nach. Das Teammitglied, welches zur Zeit des Notfalls erreichbar ist, fährt los.
Verletztes Wildtier wird beobachtet
Im besten Fall arbeiten sie im Team, manchmal trifft es einen aber auch allein. "Man weiß nicht, was auf einen zukommt, man hilft einfach", berichtet Kaminski. Anrufer sind meist Passanten, die ein verletztes Wildtier beobachten oder auch Haustierhalter, die Hilfe brauchen.
Fahrzeug gut ausgestattet
Das Fahrzeug der Retter ist für jede mögliche Art von Notfall ausgestattet. Tiere werden in die Tierklinik eingeliefert und auf dem Weg dorthin mit Sauerstoff versorgt oder mit EKG überwacht. Für Wasserrettung oder bissige Hunde oder Katzen – das Auto ist für jede Situation mit technischen Gerätschaften bestückt.
Am häufigsten werden die Tierretter zu Verkehrsunfällen mit beispielsweise Katzen im Unfallauto gerufen. Aber auch "Fundhund" ist ein häufiges Stichwort in der Notfallzentrale.
Von Polizei alarmiert
Jessica Kaminski erzählt von einem Fall vor nicht all zu langer Zeit. Die Polizei alarmierte die Tierretter wegen eines freilaufenden, bissigen Hunds. "Die Polizisten wussten gar nicht, was sie dann machen sollen", erklärt die Tierarzthelferin.
Ebenfalls Aufgabe der Tierretter ist es, Tiere aus den Wohnungen ihrer verstorbenen Halter zu holen. Oft finden sie traumatisierte, verwahrloste oder dehydrierte Haustiere vor. Aufgegriffene Tiere werden meist zunächst zu einem gesundheitlichen Check oder im akuten Fall zur klinischen Hilfe in die Tierklinik gebracht. Danach werden sie weitervermittelt an Pflegestellen.
Arbeit im ganzen Jahr
Egal ob Herbst oder Frühjahr – für die Tierretter gibt es einiges an Arbeit, schätzungsweise 600 Fälle pro Jahr im Landkreis. "Im Herbst kommen die Katzenbabys und im Frühjahr ist Jungtierzeit", erklärt Jessica Kaminski, die bereits seit zwei Jahren dabei ist.
Der gemeinnützige Verein, Tierrettung Südbaden, finanziert sich ausschließlich durch Spenden und Mitgliedsbeiträge und besteht hauptsächlich aus ehrenamtlichen Mitarbeitern, die zuvor an der Tierrettungsakademie ausgebildet wurden. Der Hauptsitz befindet sich in Radolfzell, und mit drei Rettungswägen betreut er drei Landkreise, darunter den Schwarzwald-Baar-Kreis.