Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln wegen des Verdachts auf Tierquälerei gegen einen Mann aus Bad Wildbad, der mehrfach seinen Hund (Symbolfoto) ins Wasser geworfen haben soll. Foto: Nadine Haase - stock.adobe.com

Wurde in Bad Wildbad ein Hund gequält? Wie die Tierschutzorganisation Peta mitteilt, zeigt ein Video, wie ein Hund mehrfach in die kalte Enz geworfen wurde. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz.

Bad Wildbad - Mitte Januar erreichte die Tierschutzorganisation Peta eine Whistleblower-Meldung samt Videomaterial. Das teilt die Organisation in einer Pressemeldung mit. Auf den Handyvideos sei zu sehen, wie ein Mann einen mittelgroßen Hund an Leine und Halsband hochzieht und wiederholt in die Enz, ein Fließgewässer mit starker Strömung, wirft, heißt es weiter. Der Täter, laut Peta ein Mann aus Bad Wildbad, habe den Vorgang selbst gefilmt, um einer anderen Person zu demonstrieren, was der Hund alles "kann", und bezeichnet das Tier unter anderem als "Arschloch". Der Mann habe den Hund an drei verschiedenen Stellen in den eiskalten Fluss geworfen – auf einem der Videos sogar von einer Brücke herunter. Der Hund hatte deutlich mit der Strömung zu kämpfen und schaffte es kaum an den steilen Böschungen aus dem Gewässer. "Sichtlich erschrocken und verstört" sucht der Hund nach jedem Wurf den Weg aus dem fließenden Gewässer, um an Land in Sicherheit zu gelangen – um erneut gewaltvoll in den Fluss geworfen zu werden, heißt es auf der Internetseite von Peta, wo auch das Video verlinkt ist.

Weiter heißt es dort: "Die Tonaufnahmen im Video lassen darauf schließen, dass der Täter bei seiner selbst aufgezeichneten Videoaufnahme eine unbekannte Person anspricht. Während der Hund um sein Überleben kämpft, ruft der Halter ›Guck, wie der [Hund] kämpft‹ – und dabei die unbekannte Person per Video anspricht." Ob zu dem Zeitpunkt noch jemand anwesend war, sei derzeit nicht bekannt. Die Gewalt, die dem Tier angetan worden sei, scheine vor allem der Profilierung und dem Zweck der Unterhaltung zu dienen. Der Halter nehme dabei bewusst in Kauf, dass der Hund den Sturz nicht überleben oder sich schwer verletzen könnte.

Tier wird schnell beschlagnahmt

Peta wandte sich nach Erhalt des Materials nach eigenen Angaben umgehend an die Polizeibehörde Bad Wildbad sowie das Veterinäramt Kreis Calw mit der Bitte, den Hund schnellstmöglich zu beschlagnahmen. Die Polizeibehörde habe sofort reagiert und eine Spezialeinheit angefordert. Gemeinsam mit dem Veterinäramt sei es dieser dann gelungen, den Hund noch am selben Tag zu retten. Peta hat Strafanzeige wegen "quälerischer Tiermisshandlung" bei der Staatsanwaltschaft Tübingen erstattet und fordert ein Tierhalte- und Betreuungsverbot für den Täter.

"Wir danken den Behörden, dass sie in dem Fall des misshandelten Hundes so schnell und konsequent durchgegriffen haben. Er wurde absichtlich und wiederholt in Lebensgefahr gebracht. Menschen, die Tieren derart Gewalt antun, dürfen nicht länger fühlende Lebewesen in ihrer Obhut haben", so Jana Hoger, Fachreferentin für tierische Mitbewohner bei Peta. "Tierquälerei ist kein Kavaliersdelikt. Wir hoffen, dass der Täter bestraft und das beherzte Eingreifen der Polizei und des Veterinäramtes Signalwirkung für andere Behörden haben wird", so Hoger weiter.

Strafanzeige gestellt

Das Polizeipräsidium Pforzheim bestätigte auf Anfrage unserer Redaktion, dass in diesem Fall Strafanzeige gestellt wurde. Derzeit laufen die Ermittlungen, die die Abteilung Gewerbe und Umwelt der Schutzpolizei in Pforzheim übernommen habe, so ein Sprecher des Präsidiums. Er bestätigte zudem, dass sich das Tier nicht mehr bei dem Hundehalter aufhalte, sondern vom zuständigen Veterinäramt in Obhut genommen und in ein Tierheim gebracht wurde. Gegen den Tatverdächtigen laufen Ermittlungen wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz.

Auch die zuständige Staatsanwaltschaft bestätigte, "dass eine entsprechende Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Tübingen eingegangen ist. Mit den Ermittlungen wurde eine zuständige Polizeidienststelle beauftragt. Ich bitte um Verständnis, dass ich im Übrigen zu den derzeit noch laufenden Ermittlungen keine weiteren Angaben machen kann", teilt Nicolaus Wegele, Erster Staatsanwalt und Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Tübingen auf Anfrage unserer Redaktion mit. Mit einem Abschluss der Ermittlungen rechnet er "allerdings nicht vor März".

Tierquälerei ist eine Straftat

Tierquälerei ist eine Straftat nach Paragraf 17 des Tierschutzgesetzes und kann mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren geahndet werden, teilt Peta mit. Fachleute aus Psychologie und Justiz seien sich mittlerweile einig, dass Vergehen an Tieren "unser aller Aufmerksamkeit verlangen", schreibt die Organisation weiter. Denn der Aggressionsforscher Christoph Paulus von der Universität des Saarlandes wisse zu berichten: "Geschätzte 80 bis 90 Prozent aller extremen Gewalttäter haben vorher bereits Tiere gequält." Über den Zusammenhang von Tierquälerei und Gewalttaten kläre Peta in der Broschüre "Menschen, die Tiere quälen, belassen es selten dabei" auf, die als Informationsquelle für Staatsanwaltschaften, die Richterschaft und Polizei sowie Angestellte im sozialen Bereich diene.