Rehkitze werden meist in Wiesen mit sehr hohem Gras geboren und verbringen dort die erste Zeit nach der Geburt. Doch sie sind nur schwer zu finden und können durch Mäharbeiten ihr neues Leben direkt wieder verlieren. Foto: Julia Döttling

Wohl niemand will sehen, wie Rehkitze oder auch junge Hasen durch Mäharbeiten verletzt und getötet werden. Die Kreisjägervereinigung ist deswegen aktuell im Kreis Calw unterwegs und durchsucht das hohe Gras mittels Drohnen die Wiesen der Landwirte ab. Doch die gute Tat wird zum Teil sogar kritisiert.

Mit dem Frühling erwacht die ganze Welt. Für Elke Marko, Kreisjägermeisterin aus dem Kreis Calw, ist es eine ganz besondere Zeit. „Da passiert das Beste, was es gibt“, betont sie. Die Zugvögel kehren allmählich zurück, der Winterschlaf oder die Winterruhe der Tiere endet und die Wildtiere kommen aus ihren Quartieren der kühlen Jahreszeit wieder zurück. Und: Die Wildtiere erwarten ihren Nachwuchs.

 

Denn mit dem Frühling beginnt auch die Brut- und Setzzeit. Was der etwas sperrige Begriff bedeutet? Gefahr für den sehr jungen Nachwuchs der Wildtiere. Vor allem für junge Hasen in Hecken und Feldern sowie frischgeborene Rehkitze im hohen Gras der Wiesen. Anstehende Mäharbeiten können diesen das gerade erlangte Leben direkt wieder rauben.

Um dies zu verhindern sind die Jäger der Kreisjägervereinigung in dieser Zeit vermehrt unterwegs. Sie kontrollieren die Felder und Wiesen – und retten dabei viele Leben und den Nachwuchs der Wildtiere.

Landwirte müssen Flächen melden

Seit einigen Jahren setzen sie dabei auf die Überwachung mittels Drohne und Wärmebildkamera. „Ohne die würden wir viele Tiere, besonders Rehkitze, gar nicht finden“, erklärt Elke Marko im Gespräch mit unserer Redaktion. So gut versteckt sind diese im hohen Gras.

Diese Kontrollen finden vor allem ab Mitte Mai bis Mitte Juni statt. Landwirte können im Voraus zwecks Flyer und Flurstücknummer ihre Mäharbeiten bei der Kreisjägervereinigung melden. Diese rücken dann am Tag gegen 4 Uhr morgens aus und klappern die verschiedenen Grundstücke ab, kontrollieren mit Drohne und schaffen den Nachwuchs der Wildtiere außer Reichweite der landwirtschaftlichen Maschinen. Teils bis 22 Uhr sind die Jäger dafür ehrenamtlich unterwegs.

Kreisjägermeisterin Elke Marko pflegt und versorgt auch in ihrem Jagdgebiet in Bad Liebenzell die Wildtiere. Foto: Menzler

Die sechs Drohnen hat die Vereinigung über Spenden finanziert, da die Kitzrettung nicht von Land oder EU gefördert wird, erläutert Marko. Das würde natürlich einiges erleichtern. Aber die sie sei froh, dass so viele Menschen – wenn auch hauptsächlich Mitglieder der Kreisjägervereinigung – ehrenamtlich helfen und auch für den Zweck Geld spenden.

Jäger regulieren Tierbestand

Die gute Aktion hat allerdings auch einen faden Beigeschmack, erläutert Marko: „Uns wird oft vorgeworfen, wir würden die Kitze jetzt doch nur retten, um sie später selbst zu töten.“ Das sei jedoch nicht so. Der Bestand der Wildtiere müsse laut Marko nunmal reguliert werden, natürlich mit Sinn und Verstand. Auch der Wald leidet unter dem Klimawandel und dem vermehrten Schaden durch Wild. Rotwild beispielsweise knabbern gerne an Jungbäumen.

Bei der Kitzrettung gehe es aber einfach darum, Tierleid zu verhindern. Im Gegensatz zur Jagd leiden die Kitze durch Verletzungen von Mähmaschinen unglaublich. Einem Kitz würden beim Mähen alle Beine abgerissen, wodurch es trotzdem überlebe. Dann würde es dazu kommen, dass andere Tiere, Fuchs oder auch Greifvögel, das Kitz am lebendigen Leib fressen. Dieses Leid wollen die Jäger durch die Kitzrettung jedes Jahr verhindern.

Was können Menschen im Kreis Calw aktuell tun?

Hunde an die Leine
Ein Tipp für Hundehalter ist immer: Den Hund an der Leine zu führen. Denn ein freilaufender Hund könne die Elterntiere aufschrecken, sodass diese wegrennen. Der Nachwuchs bleibe allerdings zurück, erklärt die Kreisjägermeisterin. Das ist auch der Grund, warum bei Mäharbeiten Rehkitze ohne ihre Mutter aufgefunden werden.

Auf Wegen bleiben
Wenn Spaziergänger oder Wanderer durch den Wald gehen, sollten die Wege nicht verlassen werden. Die Wildtiere kennen das bereits, sagt die Kreisjägermeisterin, und wissen daher, dass das keine Gefahr darstellt. Wenn die Wege aber verlassen werden, versetzte das die Tiere in Stress und Panik.

Langsam während Dämmerung und Nacht fahren
Besonders während der Dämmerung und in der Nacht sind die Wildtiere aktiv. Dann gelte es besonders Rücksicht zu nehmen. Vor allem Autofahrer sollten langsamer fahren. Denn Wildunfälle häufen sich besonders in der aktuellen Zeit, weiß Marko.