Von den drei Jungstörchen in Rangendingen sind nur zwei übrig geblieben. Foto: Hurm

Konnte unsere Redaktion Anfang der Woche noch ein Foto mit allen drei Jungstörchen zeigen, so ist das bereits Geschichte. Ein Jungstorch, vermutlich der älteste von ihnen, ist tot.

Was war passiert? Ein Rangendinger Bürger entdeckte am Montag auf der Viehweide neben dem Storchennest den leblosen Körper eines Storchs und erreichte schließlich Herbert Fuchs, den Vorstand der NABU-Ortsgruppe Haigerloch-Rangendingen. Fuchs, ein absoluter Vogelexperte, machte sich sogleich auf den Weg zum Horst, fand tatsächlich einen toten Storch im Gras und nahm ihn zur eventuellen Begutachtung durch das Vogelschutzzentrum Mössingen mit.

 

Flügel prallt an Hochspannungsleitung

Es dürfte sich um einen der drei Jungstörche handeln, vermutet Herbert Fuchs aufgrund der noch nicht durchgängig erfolgten Rotfärbung von Beinen und Schnabel und natürlich der Nähe zum Nest . Der tote Vogel habe „gut entwickelt und kräftig gewirkt“. Eine Fahrt nach Mössingen erübrigte sich jedoch, denn die Fotos, die er gemacht und an den Leiter des Zentrums, Daniel Schmidt-Rothmund, geschickte hatte, bestätigten seinen Verdacht: Der Storch war mit einem Flügel gegen ein Leiterseil der Hochspannungsleitung geprallt und abgestürzt.

Flugunfall ereignete sich bereits am Wochenende

Jungvögel sind bei ersten Flügen in großer Gefahr

Das muss aber seiner Einschätzung nach bereits am Wochenende passiert sein. Der Kadaver wies übrigens noch eine blutende Kopfwunde auf und ein paar größere Federn lagen daneben. Herbert Fuchs äußerte sich auf Anfrage gegenüber unserer Redaktion so: „Der Anflug an ein Leiterseil gehört bei Großvögeln zu den häufigeren Unfällen, weil sie diese einfach nicht gut sehen. Wenn dann ein unerfahrener Jungvogel bei seinen ersten Ausflügen in den Bereich einer Leitungstrasse kommt, muss nur ein leichter Wind oder eine anderweitige Störung dazukommen und schon ist es passiert.“

Herbert Hurm hat das Nest entdeckt

Überhaupt liege die Sterbequote bei Vögeln im Schnitt bei um die 70 Prozent. Bis zu 2,8 Millionen Vögel sterben nach NABU-Angaben in Deutschland pro Jahr an Stromleitungen. Naturschutzwart Herbert Hurm aus Haigerloch-Weildorf hat das Rangendinger Nest Anfang Mai entdeckt, als die Störche gerade mit Brüten begannen, was ein relativ später Termin ist. Er hat die Störche seither regelmäßig beobachtet und sie auch unseren Lesern mit etlichen Fotos und Artikeln nähergebracht.

Auch Vogelzug wird noch gefährlich für Jungtiere

Viele Gefahren auf dem Weg ins Überwinterungsgebiet

„Auch wenn ich weiß, dass solche Sachen einfach zur Natur gehören, tut es einem schon leid, zu sehen, wie sie heranwachsen, prächtig gedeihen und dann bei einem der ersten Flüge so kläglich umkommen. Bleibt nur zu hoffen, dass die anderen beiden Jungen ein besseres Schicksal erwartet. Auf dem Weg in die Überwinterungsgebiete warten noch zahlreiche Gefahren auf sie.“