Ein Wolf wurde auf der Piste im Skigebiet Unterstmatt gesichtet. (Symbolbild) Foto: Jim Cumming - stock.adobe.com/Jim Cumming

Außergewöhnlichen Besuch bekam Heiko Fahrner, Betreiber des Skigebiets Unterstmatt an der Schwarzwaldhochstraße, bei der nächtlichen Pistenpräparierung: Ein Wolf schlenderte über den Skihang. Nicht einmal das Hupen des Pistenbullys konnte das Tier aus der Ruhe bringen.

Heiko Fahrner staunte nicht schlecht, als er Ende Januar auf seiner Piste in Unterstmatt, im Ortenaukreis an der Grenze zum Kreis Rastatt gelegen, einem Wolf begegnete. Nicht die erste Sichtung eines solchen Tiers in der Gegend, und auch nicht das erste Mal, dass sich der Wolf unerschrocken gegenüber Menschen zeigte.

 

Kurz nach 22 Uhr wollte sich der Betreiber der Pistenpflege widmen, als ihm auf halber Höhe des Hangs der Wolf begegnet sei. Dieser kam gerade aus dem Wald gelaufen und spazierte, so Fahrner im Gespräch mit unserer Redaktion, „in aller Ruhe über die Piste“.

Aus seinem Pistenbully heraus beobachtete er das Tier und versuchte es durch Hupen wieder in den Wald zu treiben. Doch davon ließ sich der Wolf scheinbar nicht beirren. „Friedlich wie ein Reh“ überquerte er die Piste, bis er schlussendlich wieder im Wald verschwand, berichtet Fahrner.

Vermutlich handelt es sich um GW2672m

Auf die Frage hin, ob er dennoch Angst vor dem Wolf gehabt habe, sagt Fahrner: In dieser Situation zwar nicht. Wäre er allerdings zu Fuß auf der Piste unterwegs gewesen, wäre es ihm vermutlich schon mulmig geworden, fügt er hinzu, da man ja nie wisse, wie die Tiere reagieren. Hätte er sein Handy dabeigehabt, hätte er auch ein Foto gemacht. Seinem Wissensstand nach sei der Wolf in der Gegend schon häufiger gesichtet worden, so der Liftbetreiber.

Dies bestätigt die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg auf Anfrage. Zwar sei dort noch keine Meldung zu dieser Sichtung eingegangen, jedoch könne man bestätigen, dass es in der Gegend schon häufiger zu Wolfssichtungen kam. Aufgrund der Ortsangabe tippen die Forscher auf den residenten Rüden GW2672m, der zuletzt am 12. November bei Bühl genetisch nachgewiesen werden konnte.

Dieser stammt ursprünglich aus dem Gutenbrunn-Rudel aus Österreich und hat jetzt sein Revier im Territorium Hornisgrinde. Er ist einer von zwei sesshaften Wolfsrüden im Nordschwarzwald.

Sieht er Hündinnen als mögliche Partnerinnen?

Georg Schumann, Leiter der unteren Jagdbehörde beim Landratsamt Rastatt, berichtet, dass dies nicht der erste Fall sei, bei dem der „Herrenwiesen-Wolf“, wie er vor Ort genannt werde, sich dem Menschen gegenüber unerschrocken zeigte. So soll er schon Spaziergänger – auch solche, die mit Hund unterwegs waren – in gewisser Distanz durch den Wald verfolgt haben.

Schumann tippt darauf, dass der Wolf die Hunde entweder als Eindringlinge in sein Revier wahrnimmt oder, da gerade Paarungs- oder auch Ranzzeit ist, Hündinnen vielleicht als mögliche Partnerinnen sieht.

Das neugierige Verhalten des Wolfs erkläre sich vielleicht aber auch durch sein noch recht junges Alter. Mit geschätzten drei Jahren habe er vielleicht einfach noch nicht so viele schlechte Erfahrungen mit Menschen gesammelt und deswegen weniger Scheu vor ihnen, meint Schumann. Daher solle man speziell diesem Wolf durch lautes Rufen, Klatschen und Werfen von Gegenständen zeigen, dass er nicht erwünscht sei.