Von Null auf Schildkröte: Unser Autor gerät in eine bizarre Reptilien-Rettungsserie – denn zwei Schildkröten begaben sich auf Wanderschaft durch Nordstetten.
Was ist eigentlich los in Nordstetten? Hat sich unter den Schildkröten herumgesprochen, dass Bewegung gesund ist? Innerhalb kürzester Zeit wurden in diesem Horber Ortsteil gleich zwei wanderlustige Schildkröten auf Abwegen entdeckt.
Der Autor dieser Zeilen – bis vor Kurzem noch völlig ohne Bezug zum Thema Reptilienmobilität – wurde innerhalb weniger Wochen gleich zwei Mal in Rettungsaktionen verwickelt. Schildkröten in Not!
Lulu, die schnelle Marathonläuferin
Lulu, eine circa 50-jährige Schildkröten-Dame mit dem Freiheitsdrang einer Katze und der Ausdauer einer Marathonläuferin (und dazu noch überraschend schnell), war zwei Wochen lang auf Nordstettens Gärten und Bürgersteigen unterwegs. Sie verbuddelte sich heimlich, dann grub sie sich heimlich wieder aus – mit einem Fluchttunnel in Alcatraz-Manier?
Wie findet man Lulus Frauchen oder Herrchen? Zum Glück ganz ohne Zettel an Laternen. Die Facebook-Gruppe „Horber Stadtgeflüster“ ist das perfekte Netzwerk. Innerhalb weniger Minuten meldete sich die Besitzerin. Und nach einer Stunde war Lulu wieder zu Hause. Die alte Schildkröten-Dame hatte nach Beendigung ihres Winterschlafes eine kleine Lücke im Zaun gefunden.
Sammys Nordstetter Abenteuer
Kaum war Lulu gerettet, tauchte wenige Tage später der nächste Ausreißer auf. Sam oder Sammy hatte sich im Garten beim ersten Regentropfen in eine sichere Ecke verkrochen. Und nutzte dann die folgenden vier Tage, um in Nordstetten auf Wanderschaft zu gehen. Bei Freunden des Autors landete sie dann auf der Auffahrt. Sam, 14 Jahre alter Grieche – also griechische Landschildkröte – war fast genau auf der umgekehrten Route wie Lulu unterwegs.
Wieder half das „Stadtgeflüster“. Wieder ein Happy End. Horb – die Stadt, in der verlorene Schildkröten nicht lang verloren bleiben. Man fragt sich natürlich: Was ist da los? Haben die Schildkröten eine eigene Whatsapp-Gruppe? Tauschen sie Fluchtwege aus? „Treffpunkt: Rhododendron, dann über’n Rasen, Richtung Gehweg. Achtung: Gartenzwerg bei Familie Müller ist ein Späher.“
Augen auf beim Rasenschnitt!
Fest steht jedenfalls: Die Nordstetter sollten langsam über ein eigenes Schildkröten-Notrufsystem nachdenken. Oder zumindest über mobile Mini-Zebrastreifen und ein Navigationssystem mit „Langsamste Route wählen“-Funktion. Bis dahin heißt es: Augen auf beim Rasenschnitt. Und immer schön bei „Stadtgeflüster“ mitlesen. Wer weiß, welches gepanzerte Haustier als Nächstes über den Asphalt krabbelt.