Das Katzenaufkommen bereitet den Tierheim-Verantwortlichen schon seit Jahrzehnten Sorgen. (Symbolfoto) Foto: Natalia - stock.adobe.com

Viele Haustiere, die mal als Weihnachtsgeschenk gedacht waren, landen im Tierheim. Wir fragen, wie angespannt die Lage in Rottweil ist, und welche Sorgen die Verantwortlichen bewegen.

Viele Tierheime stoßen regelmäßig an ihre Belastungsgrenze. Auch in Rottweil war die schon mehrfach erreicht. Eine Rückgabewelle nach Weihnachten kann daher schnell zum Problem führen. Wie die Lage in Rottweil ist, und was den Tierschützern aktuell Kopfzerbrechen bereitet, berichtet uns Katharina Ott, stellvertretende Vorsitzende des Tierschutzvereins Rottweil und Umgebung.

 

Zwei Katzen wurden um die Silvesterzeit neu im Rottweiler Tierheim aufgenommen, darunter eine Fundkatze, berichtet uns Ott – und gibt fürs Erste Entwarnung: „Einen besonderen Zuwachs oder vermehrte Notfälle aufgrund der Feiertage konnten wir zum Glück bisher nicht feststellen.“

Nicht immer erfährt man den wahren Grund

Es könne aber durchaus sein, dass in den Monaten bis zum Sommer „Weihnachts-Tiere“ abgegeben würden. Nicht immer erfahre man dabei den wahren Grund für die Abgabe. „In den meisten Fällen erhalten wir die Aussage, dass ein Tier aufgrund einer Tierhaarallergie abgegeben wird“, erzählt Ott.

Man bitte jeden stets, die Wahrheit für den Abgabegrund zu nennen, „da uns dieses Hintergrundwissen im Umgang mit dem Tier, bezüglich finanziellen Mitteln, zum Beispiel bei Erkrankungen des Tieres, und der weiteren Vermittlung in den meisten Fällen sehr unterstützen würde“, erklärt die stellvertretende Vorsitzende.

Panikreaktion bei adoptierter Hündin

Silvester-Strapazen – Feuerwerkslärm bedeutet für viele Tiere Stress – gab es für die Schützlinge im Tierheim übrigens keine. „Glücklicherweise haben wir am Eckhof in der Hinsicht einen super Ort für unser Tierheim. Aufgrund des Tals und der hügeligen Landschaft ist der Feuerwerkslärm kaum bis gar nicht zu sehen und zu hören“, meint Katharina Ott.

Jedoch gebe es einige Erfahrungsberichte von Vereinsmitgliedern, Ehrenamtlichen und Personen, die Tiere adoptiert haben. „Ein konkreter Fall war zum Beispiel unsere Hündin Luna, die im November im gesunden Zustand adoptiert wurde. Der Feuerwerkslärm hat ihr so sehr zugesetzt, dass sie starkes Herzrasen, Atemaussetzer und auch die Tage danach noch Panikreaktionen, wie Zittern und abruptes Ablegen mit schnellem Hecheln, hatte.“

Katzenschutzverordnung wird weiter gefordert

Wenn Weihnachten und Silvester vom Tierschutzverein Rottweil auch gut bewältigt werden konnten, so ist man doch nicht sorgenfrei. Besonders ein Thema bereitet immer wieder Probleme.

„Das ganze Jahr über, bereits seit vielen Jahrzehnten, stehen Katzen für uns im Fokus, insbesondere die Fundkatzen. Deshalb fordern wir weiterhin eine flächendeckende Katzenschutzverordnung“, sagt Ott. Das Thema werde auch 2026 im Fokus stehen – „bis wir das Ziel einer flächendeckenden Verordnung erreicht haben“.

Rund 500 000 Euro an Kosten

Eine weitere Sorge betrifft die Finanzen. „Aktuell merken wir, dass auch wir von der aktuellen Wirtschaftskrise betroffen sind und sein werden. Zudem verändern sich die Generationen, was sich bereits im Jahr 2024 und 2025 an einer niedrigeren Spendenbereitschaft zeigt“, schildert Katharina Ott.

Der Verein trage inzwischen Kosten von rund 500 000 Euro, die „allein durch die Unterstützung der Stadt Rottweil und der Mitgliedsbeiträge absolut nicht zu stemmen sind“. In der Vergangenheit sei der Verein stark durch Erbschaften getragen worden, wofür man sehr dankbar sei. „Jedoch ist uns auch bewusst, dass durch den Generationswandel und Wandel in der Wirtschaft die Zukunft anders sein wird und somit auch ein Wandel bei uns stattfinden muss.“

Fokus auf Kommunikation und Kooperation

Deshalb habe man 2025 viel Zeit und Engagement in Öffentlichkeitsarbeit und Marketing investiert, um die Reichweite des Vereins zu vergrößern. Somit habe man mehr Menschen aufklären und so manches Mitglied und manchen Spender gewinnen können. Auch in diesem Jahr liege der Fokus auf Kommunikation und Kooperation. So suche man dringend Sponsoren.

Im Dezember sei das erste Vereinsmagazin herausgegeben worden, das es im Tierheim und online gebe. Darin werde nun jährlich über Tierschutz, Tierheim und aktuelle Projekte berichtet, teilt Ott mit.

Eine Voliere für die Stadttauben?

Ein weiteres Thema, das den Tierschutzverein bewegt, sind die Stadttauben. „Da unter anderem in einigen Umlandgemeinden keine Taubenschläge betrieben werden, haben wir aktuell 50 Tauben in unserer Obhut. Der Platz ist bereits jetzt nicht mehr ausreichend“, erklärt Katharina Ott.

Man wolle Tauben, die nicht mehr in einem Taubenschlag leben können, etwa durch Blindheit oder Flugunfähigkeit, eine Unterkunft beziehungsweise eine Art Gnadenplatz bieten. Aufgrund dessen denke man im Rottweiler Tierheim über eine Taubenvoliere nach. Auch dafür seien die Tierschützer über jede helfende Hand und Finanzspritze dankbar.

Brandmeldeanlage auf der Liste

Schon lange in Planung sei eine Brandmeldeanlage. Für eine solche hätten jedoch bislang die finanziellen Mittel gefehlt. „Da unsere Stromversorgung bereits über dem Limit ist und vieles noch im Altbauzustand der 70er-Jahre ist, liegt dieses Thema uns schwer im Magen. Uns ist es ein Anliegen, dies baldmöglichst umzusetzen, um bei einem Brand schnelle Hilfe zu bekommen und Leben von Mensch und Tier retten zu können“, macht Ott deutlich.

Weitere Informationen zum Tierschutzverein und zum Tierheim gibt es unter www.tierschutzverein-rottweil.de.