Im Kreis Calw macht man sich Gedanken, wie die Schafhaltung neben einem Wolfsrevier funktionieren kann. Foto: Salome Menzler

Der Wolf ist längst ein fester Mitbewohner im Nordschwarzwald. Nachdem im Kreis Calw bereits vermehrt Tiere gerissen wurden, ging es in Egenhausen nun darum, wie Nutztiere geschützt werden können.

Der Wolf ist in Egenhausen vorbeigekommen und hat gefressen. Nun stellt sich auch für die Menschen vor Ort die Frage: Wie mit dem vierbeinigen Nachbarn umgehen? Bei einem Treffen in Egenhausen haben sich Schafhalter, Jäger und Fachleute darüber unterhalten.

 

Direkt vorweg: Gefährlich für den Menschen ist der Wolf eigentlich nicht. Seit 1950 sind europaweit bei 20.000 Wölfen gerade mal acht tödliche Zusammentreffen mit Menschen dokumentiert. Bei vieren davon war Tollwut im Spiel.

„Können nicht alles abknallen, was das Leben schwerer macht“

Ziegen, Schafe und Rinder sind da sehr viel mehr in Gefahr. Das macht vielen Tierhaltern Sorgen. Bettina Klußmann, Schaf- und Ziegenhalterin aus Altensteig, zeigte sich dennoch deutlich pro Wolf.

„Ich bin der Meinung, wir können nicht alles abknallen, was das Leben schwerer macht“, erklärt sie. Mit dem Wolf im Umkreis müssten Tierhalter allerdings das Gelände anders ansehen – und entsprechend einzäunen. „Ich möchte es auf jeden Fall probieren, mit dem Wolf zusammenzuleben“, erklärte sie.

Aber können Wölfe nicht einfach über die Zäune springen? Wichtiger als die Höhe sei der Bodenabschluss des Zauns, erklärt Michael Herdtfelder von der Forstwirtschaftlichen Versuchsanstalt Freiburg, die unter anderem für das Wolfsmonitoring zuständig ist. Denn erst einmal würden Hunde und Wölfe versuchen, sich durchzugraben. Und gut installierte elektrische Zäune würden von Wölfen in der Regel nicht überwunden. Aber manche lernten auch das. „Wenn man dann den Schaden verhindern will, muss er geschossen werden.“

Ist er einmal drin, reißt er auch Tiere – leider auch häufig mehr, als er braucht. Die Nutztiere haben kaum einen Fluchtinstinkt, der Zaun verhindert das Weglaufen sowieso. Gute Erfahrungen gebe es mit Herdenschutzhunden – das müssen die Tierhalter aber wiederum ebenfalls wollen. Grundsätzlich: „Einen 100-prozentigen Schutz gibt es nie, aber man kann das Risiko senken.“

Wehrhafte Beutetiere

In der Regel bedienen sich Wölfe aber an Rehen, Hirsch und Wildschwein. „Man kann nicht per se sagen, wenn der Wolf zurückkommt, dann geht der Wildbestand zugrunde oder dann passiert gar nichts mit dem Wildbestand“, erklärt Herdtfelder. Es komme etwa auch darauf an, wie viele Welpen es gebe oder wie hart der Winter ist. Auch suche sich der Wolf vor allem junge, schwache oder alte Tiere – damit sei er sogar eine Art „Gesundheitspolizei“ der Natur.

Schafe auf einer Weide: Sie können zum Beispiel durch elektrische Zäune geschützt werden. (Symbolfoto) Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Die Beutetiere sind auch nicht komplett hilflos. Klußmann berichtet, dass ihre Krainer Steinschafe „sehr wehrhaft“ seien. „Die gehen drauf los, gnadenlos.“ Auch in der freien Natur, berichtet Herdtfelder, lassen sich etwa Wildschweine auch nicht einfach den Angriff gefallen – zum häufigen Leidwesen des Wolfs.

Der wirtschaftliche Schaden wird aus einem Ausgleichsfond ersetzt – „aber das ist natürlich nicht der emotionale Schaden“, erklärt Herdtfelder.

Fünf Wölfe leben in Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg gibt es wenig Wölfe. Anders als in Norddeutschland – also Brandenburg, Sachsen, Niedersachsen – haben sich hierzulande „nur“ fünf niedergelassen. Der Wolf am Schluchsee, der Enztalwolf – laut Herdtfelder auch ein häufiger Verantwortlicher für Nutztier-Risse, der immer wieder Lücken auch in Zäunungen finde – der Hornisgrinde-Wolf und ein weiterer an der Ostbaar.

Vielleicht auch bald im Nordschwarzwald: Wolfswelpen (Symbolfoto) Foto: Oliver Dietze/dpa

Neu dazu gekommen ist das Weibchen, das jetzt mit dem Enztalwolf zusammen ist. „Wir rechnen mit Rudelbildung im Enztal“, erklärt Herdtfelder. Ein Wolfspaar bleibt ein Leben lang zusammen. Jedes Frühjahr gibt es Nachwuchs: Zwei bis sechs Welpen. Die älteren Geschwister ziehen diese mit auf, bevor sie mit etwa zwei Jahren fortziehen – und sich ihr eigenes Revier suchen. In dieser Zeit können sie Hunderte von Kilometern zurücklegen. Ein durchschnittliches Territorium hat etwa die Fläche von Stuttgart, manchmal noch größer.

Michael Gues, Wildtierbeauftragter vom Landratsamt Calw, hat noch einen Pluspunkt für die grauen Gesellen im Gepäck: Es gebe Hinweise, dass die Anwesenheit des Wolfs Wildunfälle reduziere. Läuft er an den Straßen entlang, riechen die Beutetiere das – und meiden die Pfade des Jägers.

Wer eine Wolfssichtung oder einen Wolfsriss vermutet, kann sich bei Michael Gues, Telefon 0175/222 79 20, E-Mail michael.gues@kreis-calw.de, oder bei der FVA, Telefon 0761/401 82 74, E-Mail info@wildtiermonitoring.de, melden.

Woher kommt eigentlich die Angst vorm „bösen Wolf“?

Wölfe haben früher Tollwut übertragen – der Wolf wurde damit zur Lebensgefahr, berichtet Michael Herdtfelder von der FVA beim Treffen in Egenhausen. Daher stamme auch der Werwolfmythos: Ein vom Wolf gebissener Mensch wird „toll“, also „wahnsinnig“. Der Wolf wurde daraufhin auch mit dem Teufel in Verbindung gebracht.

Sehr viel irdischer war dann der Konflikt mit dem Menschen.  „Und dann war natürlich auch eine Zeit, als die natürliche Nahrungsgrundlage für die Wölfe zurückgedrängt wurde“, sagte Herdtfelder. In der Not wurde auch der Mensch zur Beute. Und dann kommt auch noch die Märchenwelt dazu. 

Bundesweiter Tag des Wolfes

"Der Nabu begleitet seit 2005 die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland. Um Ängste und Sorgen in der Bevölkerung abzubauen und um für mehr Akzeptanz für den Wolf zu werben, hat der Nabu deshalb den 30. April zum "Tag des Wolfes" ausgerufen", ist auf der Webseite des Naturschutzbundes nachzulesen. Zahlreichen bundesweite Aktionen sollen laut Nabu ein öffentliches Bewusstsein für den notwendigen Schutz der Tiere schaffen, das bereits durch menschliche Hand einmal ausgerottet wurde.

Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel erschien erstmals am 16. April 2026 und wurde aufgrund der aktuellen Relevanz aktualisiert.