Tütenspender und Einwurfboxen sollen dazu beitragen, Verschmutzungen durch Hundekot in Grenzen zu halten. Doch auch Bellen und Jaulen von Hunden stört anscheinend einige Anwohner zunehmend. Foto: Hopp

Der Facebook-Post der Stadt Horb zur Hundehaltung löst unter den Hundehaltern Verärgerung aus. Unser Autor kann das verstehen. Er warnt vor Polarisierung.

Ich bin Hundebesitzer. Und ja, auch ich ärgere mich über andere Hundebesitzer. Genauer gesagt: über die, die den Kot ihres Hundes einfach liegen lassen. Die so tun, als hätten sie nichts bemerkt. Die in die andere Richtung schauen oder den Beutel gar nicht erst dabeihaben.

 

Aber ich ärgere mich genauso über die wachsende Pauschalverurteilung, die mittlerweile mit Hundehaltung einhergeht. Denn ich bin auch einer von denen, die sofort den Beutel zücken – ohne Diskussion. Ich lasse nichts liegen. Und trotzdem bin ich schon angefeindet worden. Mit Blicken. Mit Kommentaren. Mit Androhung von Prügel. Manchmal reicht es schon, dass man einen Hund an der Leine führt.

Was mir außerdem auffällt: Inzwischen steht gefühlt an jedem zugänglichen Rasenstreifen, jeder Hecke ein Schild mit durchgestrichenem Hund und dem Hinweis, dass der Hund hier bitte nicht hinmachen soll. Natürlich: niemand möchte fremde Hinterlassenschaften auf seinem Grundstück. Aber vielleicht sollte man dann auch konsequent einzäunen. Oder Hausmittel nutzen, die die Hunde vom Geschäft abhalten. Wer seinen Vorgarten oder Grünstreifen offen zugänglich lässt, kann nicht erwarten, dass alle Hunde im Vorbeigehen die Beschilderung lesen. Passiert ein „Geschäft“, dann muss der Hundebesitzer die Hinterlassenschaften sofort entfernen. Das sollte eigentlich selbstverständlich sein. Die Debatte, wie sie zuletzt durch die Stadtverwaltung Horb angestoßen wurde, ist nicht neu.

Aber sie trifft einen Nerv – und sie trifft leider nicht immer gerecht. Ja, Hundekot ist ein Problem. Ja, es braucht klare Regeln. Und ja, Hundehaltung bringt Verantwortung mit sich. Aber wer sie übernimmt, wer aufpasst, wer sich Mühe gibt, sollte nicht ständig mit dem Generalverdacht leben müssen.

Was mich besonders stört: Die Debatte ist oft einseitig. Hundehalter zahlen nicht nur Hundesteuer, sie tragen auch mit viel Einsatz zu einem funktionierenden Miteinander bei. Viele von uns tun das gern, weil wir unsere Tiere lieben – und Rücksicht für uns selbstverständlich ist. Aber Rücksicht funktioniert nicht nur in eine Richtung. Es braucht auch Respekt. Und ein bisschen Vertrauen.

Wer sich an Hunden stört, weil sie bellen, sollte sich vielleicht auch fragen, warum er den Lärm eines Rasenmähers, Autos oder feiernder Menschen hinnimmt – aber Tierlaute zur Belästigung erklärt.

Ein Hund ist kein leiser Schatten, sondern ein Lebewesen mit Charakter, mit Stimme, mit Bedürfnissen. (Dabei ist mein Hund manchmal ein eher lauteres Exemplar. Ich entschuldige mich bei meinen Nachbarn!). Die meisten von uns tun alles, damit genau das nicht stört. Aber ganz lautlos funktioniert Zusammenleben nicht – egal ob mit oder ohne Hund.

Es wäre wünschenswert, dass die Diskussion nicht weiter in eine Konfrontation abrutscht. Dass nicht jede Mahnung wie eine Anklage klingt. Und dass man sich gegenseitig wieder mehr zutraut, statt sich gegenseitig in Schubladen zu stecken.

Ich bin Hundebesitzer. Ich übernehme Verantwortung. Ich wünsche mir, dass das zählt – und nicht der Verdacht, der oft schon mitschwingt, sobald ich mit meinem Hund die Straße betrete.