Im April/Mai 2022 wurden, so das PR, keine Spuren des Bibers am Tennenbronner Dorfweiher gefunden. Diese sehen jedoch recht eindeutig aus. Foto: Riesterer

Eindeutige Biss-Spuren an Bäumen und Sträuchern lassen am Dorfweiher in Tennenbronn auf einen Biber als neuen Bewohner des Gewässers vermuten. Nun äußert sich das Regierungspräsidium zu dem Sachverhalt.

Schramberg-Tennenbronn - Brisant ist die Sache vor allem vor dem Hintergrund, dass die Tennenbronner in unmittelbarer Nähe ihre neue Festhalle gebaut haben möchten – torpediert der "Neue" womöglich diese Pläne? Diese wurden aufgrund einer Kostenexplosion ohnehin bereits einen gesamten Planungsdurchgang nach hinten geworfen.

Der stellvertretende Pressesprecher des Regierungspräsidiums Freiburg (RP), Matthias Henrich, holt auf Anfrage unserer Redaktion zu dem Sachverhalt aus: "Der Bebauungsplan ›Mehrzweckhalle Tennenbronn‹ befindet sich derzeit in der Aufstellung." Im April/Mai 2022 habe die frühzeitige Beteiligung stattgefunden, zu der neben den wesentlichen Ämtern im Landratsamt unter anderem auch alle wesentlichen Stellen im RP beteiligt wurden. Aus Sicht der Bauleitplanung beziehungsweise Raumordnung "gab es keine tiefgreifenden Bedenken, sondern eher Anregungen in Bezug auf die Erläuterung der Verfahrensschritte und das Entwicklungsgebot nach dem Baugesetzbuch", so Henrich.

Vor einem Jahr noch nichts zu sehen

Was den Biber angehe, wurde damals im artenschutzrechtlichen Fachbeitrag unter anderem Folgendes ausgeführt: "Der Geltungsbereich befindet sich im Einzugsbereich der Kinzig, an welcher bislang nur vereinzelte Nachweise von Biberspuren im Unterlauf gelangen. Durch die enge Bindung des Bibers an größere Fließgewässer wurde das Vorkommen der Art innerhalb des Wirkraums entlang der Schiltach untersucht. Während der Begehungen gelangen keine Nachweise des Bibers, beispielsweise über das Auffinden arttypischer Fraßspuren (kegelförmige Fällschnitte, Holzspäne, Gebissspuren), Kotspuren oder mit Bibergeil markierte Bereiche eines Territoriums. Aufgrund dessen kann das Vorkommen des Bibers innerhalb des Geltungsbereiches und dessen Wirkraum zurzeit noch ausgeschlossen werden." Das war wie erwähnt Stand April/Mai 2022.

Biber-Experte informiert

"Unser Biber-Experte", so Henrich, habe hierzu Folgendes nach jetzigem Kenntnisstand ergänzt: "Die Ansiedlung des Bibers hat für den Bau der Halle zunächst keine Auswirkungen. Biber sind in der Regel recht störungsresistent, sodass bei einer Eignung des Habitats Baulärm kein Problem für die Tiere darstellt."

Halle eher vor dem Biber schützen

Was allerdings im Blick behalten werden sollte seien etwaige Grabungen des Bibers in die Böschung des Teiches. Dies könne im schlimmsten Fall zu Einbrüchen im von Menschen genutzten Bereich vor der Halle führen. "Hier würde sich eine präventive Absicherung durch eine Vergitterung des Uferbereiches beziehungsweise ein Untergrabeschutz am Uferrand anbieten", so der Experte. Unter Umständen würde auch das Anbieten eines Kunstbaues eine gute Möglichkeit darstellen. Erster Ansprechpartner wäre die untere Naturschutzbehörde.

Immer im Blick behalten

Zudem gebe das RP einen Nachtrag im Generellen: "Es empfiehlt sich, den Biber bei nahe an Gewässern geplanten Bauvorhaben immer im Blick zu haben. Er mag zur Zeit der Planung beziehungsweise Vorhabensumsetzung noch nicht im Gebiet sein – wie hier geschehen –, aber wenn er kommt ist ansonsten gerne mal die Panik groß." Biber seien nicht nur an größere Gewässer gebunden, es gebe genug Ansiedlungen an kleinsten Bächen oder Entwässerungsgräben.