Diese zwei Waschbären wollten an das Vogelfutter in dem Mühlheimer Garten gelangen. Foto:  

In Sulzer Stadtteil Mühlheim wurden Waschbären gesichtet. Welche Voraussetzungen für einen Abschuss der Tiere gelten, erklärt Andrea Schmider vom Landratsamt Rottweil.

Kürzlich zeichnete eine Kamera in einem Mühlheimer Garten zwei „maskierte Räuber“ beim nächtlichen Versuch, an Vogelfutter zu gelangen, auf. Bei den „Tätern“ handelte es sich um Waschbären.

 

Im März waren einige der meist nachtaktiven Raubtiere in Oberndorf an der Boller Steige gesichtet worden, auch in Aistaig wurden Artgenossen entdeckt. Die Tiere machen ebenfalls im benachbarten Landkreis Freudenstadt von sich reden.

Mülleimer, gelbe Säcke, Kompost

„Auch in Horb gibt es immer mehr Sichtungen des Waschbären. Rexingen, Dettingen, Dießen, Mühlen. Selbst in der Kernstadt Horb wird der Waschbär gesehen“, hatte der dortige Wildtierbeauftragte Peter Daiker erklärt.

Doch was bringt die nordamerikanischen Waldbewohner in die Nähe der Menschen? Wenn der Waschbär im Garten auftauche, sei er in der Regel auf Futtersuche. Er erkunde Gärten, Mülleimer, gelbe Säcke und Komposthaufen, heißt es dazu aus dem Rottweiler Landratsamt.

Garten unattraktiv gestalten

„Deshalb raten wir, den Kompost abzudecken, Gelbe Säcke erst morgens an die Straße zu stellen und Fallobst einzusammeln, denn das alles lockt die Waschbären an“, sagt Sprecherin Andrea Schmider.

Auch Katzenfutter, das draußen stehe, sei für Waschbären höchst verlockend. Außerdem sollte man im Winter Meisenknödel so anbringen, dass Waschbären sie nicht erreichten. „Je weniger Futter sie finden, umso weniger attraktiv ist der Garten der Menschen“, stellt sie fest.

Kommt der Jäger?

Dabei sind solche nächtlichen Besuche kein neues Phänomen. „Waschbären leben seit den 1960er-Jahren in Baden-Württemberg – seit dieser Zeit vermehren sie sich“, gibt Schmider einen kurzen geschichtlichen Abriss. Doch hätte die Population in den vergangenen zehn Jahren spürbar zugenommen und damit begonnen, den menschlichen Lebensraum als ihren eigenen zu erobern.

„Inzwischen sind die Waschbären hier heimisch und werden zunehmen“, zieht sie Bilanz. Allerdings: „Man muss sagen, dass einzelne Waschbären in der Regel noch kein Anlass sind, einen Jäger einzuschalten“, beruhigt die Pressesprecherin. Im Forstamt habe man momentan einige Anfragen zu dem Thema – „ meist von Haus- und Gartenbesitzern, die Waschbären im Garten haben“, erläutert sie.

Im eigenen Revier erlegen

Doch handele es sich bei Hausgärten um befriedete Bezirke, so dass dort die Jagd prinzipiell nicht zulässig sei. Würden Beeinträchtigungen durch Waschbären im Garten jedoch überhand nehmen, müsste der Grundstückseigentümer einen Antrag bei der Unteren Jagdbehörde stellen, damit auf seinem Grund und Boden gejagt werden dürfe.

„Ist die Genehmigung erteilt, darf ein Jäger mit entsprechender Ausbildung dort die Fallenjagd ausüben, das heißt, mit den auf ihn registrierten, zugelassenen Fallen die Waschbären fangen und dann im Revier später erlegen“, erklärt sie.

Dem Waschbär das Fell gerben

Ausgewachsene Waschbären können von 1. Juli bis 15. Februar bejagt werden, Jungtiere sogar ganzjährig. Und was passiert, wenn das Tier „eins auf den Pelz“ bekommen hat?

Wie der Waschbär verwertet wird, könne der Jäger individuell entscheiden. „Das Fell des Waschbären kann gegerbt und weiterverarbeitet werden, und theoretisch kann auch sein Fleisch gegessen werden – allerdings erst nach einer vorher erfolgten Trichinenschau“, hält Schmider fest. Die Trichinenschau ist bei Schweinen, Pferden und allen fleisch- beziehungsweise aasfressenden Wildtieren, deren Fleisch für den Verzehr vorgesehen ist, wegen der Gefahr einer Übertragung Pflicht.

Und verweist auf ein Interview des Landesjagdverbands mit dem Tierarzt Thomas Stegmanns. Auf die Frage, ob ein Verzehr trotz möglicher Risiken, wie etwa dem Waschbärspulwurm, dem das Augenmerk der Trichinenschau in diesem Falle auch gilt, möglich sei, antwortete er: „Nur gut durchgebraten.“

Tier und Mensch

Die Jagd
Jungtiere dürfen ganzjährig, ausgewachsene Tier nur zu bestimmten Zeiten gejagt werden. 2023 sind in Deutschland laut Wild-Jagdbericht mehr als 203 000 Waschbären getötet worden.

Die Mode
Im 19. Jahrhundert fand das Waschbärenfell vor allem als Pelzfutter bei Herrenmänteln oder als Muff Verwendung. In die Pop-Kultur schaffte es die einer Trapper-Mütze nachempfundene Waschbären-Mütze des „Fähnlein Fieselschweif“ und dessen drei Pfadfindern Tick, Trick und Track.