Nachdem die Jungstörche das Nest verlassen haben, bleiben sie weiterhin zusammen und suchen gemeinsam nach Futter. Foto: Eberwein

Die drei Weilheimer Jungstörche sind ausgeflogen; die beiden Altstörche bleiben wohl noch bis Mitte September im Nest auf dem Kirchdach. Dabei hatte man im Vorjahr noch befürchtet, dass das Storchenmännchen beim Sturm gestorben sei.

Das Sturmereignis rund um Hechingen vom 28. August jährt sich bald zum ersten Mal. Neben umgeknickten Bäumen hatte man zunächst auch vermutet, dass das Storchenmännchen in Weilheim sein Leben lassen musste. Gerd Eberwein, Storchenbetreuer im Zollernalbkreis, hatte das Tier wenig später zur Begutachtung nach Mössingen gebracht. „Da hat man mir gesagt, dass es das Storchenmännchen sei, welches gestorben ist.“

 

Ankunft des männlichen Storchs am 8. Februar

Die Kehrtwende kam dann am 8. Februar diesen Jahres: Der männliche Storch war wieder in Weilheim gelandet. Wenige Tage später bestätigte dies auch Ute Reinhard, die Storchenbeauftragte des Landes. Ein Nummernabgleich habe ergeben, dass doch das Weibchen dem Sturm zum Opfer gefallen sei. Für die Fortpflanzung war nun aber ein Weibchen nötig.

Auch dieses Problem schien sich umgehend zu lösen, überflog doch wenig später eine Storchengruppe Hechingens Stadtteil. Und ein Storch blieb tatsächlich in Weilheim und versuchte in das Nest zu kommen, wie Eberwein berichtet.

Am 24. Februar wurde das Weibchen akzeptiert

Doch: „Zuerst gab es Kämpfe mit dem Männchen und es war noch gar nicht klar, ob es überhaupt ein Weibchen ist“, erläutert Eberwein. Denn: Störche gehen auch gleichgeschlechtliche Partnerschaften ein. So viel sei aber verraten: Es war tatsächlich ein Weibchen. Und am 24. Februar hat das Männchen dieses auch akzeptiert. Die beiden Störchen saßen fortan gemeinsam im Nest auf dem Weilheimer Kirchdach.

Anfang Mai wurde das erste Küken gesichtet

Dass es Nachwuchs gibt, war dann Anfang April klar: „Die Störche haben sich immer wieder hingesetzt“, schildert Eberwein seine Beobachtungen. Ein eindeutiges Indiz, dass die beiden Tiere Eier ausbrüten. Am 2. Mai hat Eberwein zum ersten Mal ein Küken zu Gesicht bekommen. Prädestiniert für seine Beobachtungen sei dabei die Storchenstation der Hutzeltour. Am 8. Mai hat Eberwein mit dem Fernglas sogar drei Storchenjunge gezählt.

Am 24. Februar haben die Störche erstmals ihr Nest geteilt. Foto: Eberwein

Besonders erfreulich: Alle drei haben das nass-kalte Frühjahr überstanden. Rund acht Wochen hat der Nachwuchs nach dem Schlüpfen Zeit, um „flugfähig“ zu werden. Während dieser Phase – Eberwein nennt es auch „Flugschule“ – absolvieren die Jungstörche ein Flugtraining. Dabei bauen sie Muskelkraft auf, hüpfen auf and ab, während die Eltern ordentlich Futter herbeifliegen, um die Jungstörche zu versorgen.

Ende Juli sind die Jungstörche ausgezogen

In dieser Phase der Flugschule sei das Wachstum der Störche enorm. „Mitte Juni waren sie dann schon fast ausgewachsen und der Platz im Nest wurde eng.“ Die Folge: Anfang Juli ist der erste Jungstorch bereits ausgeflogen, wenig später taten es die beiden weiteren „Storchenkinder“ ihm nach. „Bis Ende Juli waren die Jungstörche dann tagsüber immer unterwegs, haben dabei das Segeln geübt“, informiert Eberwein. Ende Juli seien sie dann endgültig ausgezogen. Derzeit erholen sich die Altstörche von den Strapazen der Futteranlieferung und bleiben – so sei es üblich – bis Mitte September im Nest, ehe es in wärmere Gefilde gehe.

Im September geht es in wärmere Gefilde

Wohin genau? Das ist laut Eberwein unterschiedlich. Mal gehe es nach Spanien oder gar Marokko, andere ziehe es ins näher gelegene Elsass oder einfach nur an den Bodensee. Spätestens im Februar kommen die Altstörche dann aber wieder nach Weilheim.

„Störche sind auf ihr Nest programmiert“, weiß Eberwein. Temperaturen bis 20 Grad Celsius unter dem Gefrierpunkt halten die Tiere schon aus, wenn diese extreme Kälte nicht lange andauere. Die Jungstörche blieben wiederum erstmal über mehrere Jahre in der Ferne, ehe es sie nach der Pubertät in Richtung ihrer Geburtsstätte zieht.

„Das muss dann nicht Weilheim sein, aber doch eine Region in Baden-Württemberg“, erklärt Eberwein. Seit 2017 gibt es in Weilheim ununterbrochen wieder Störche. Das Storchendorf heißt aber nicht umsonst so. Denn: Schon bis Mitte der 1950er-Jahre gab es im Hechinger Stadtteil Störche. Das Nest wurde damals aber auch von einem Sturm getroffen.

Störche dieses Jahr auch in Rangendingen

Auch in Rangendingen gibt es in diesem Jahr ein Paar, welches sich mit dem Nachwuchs aber länger Zeit gelassen hat. „Die Rangendinger Jungstörche sind in ihrer Entwicklung vier bis sechs Wochen hintendran.“ Das könne zum Problem werden, gerade die heißen Temperaturen machen das Flugtraining anstrengend. Der Temperaturausgleich im Körper durch einen weit aufgerissenen Schnabel koste viel Energie. Doch: Während des Gesprächs mit unserer Redaktion verlässt erstmals ein Storch sein Nest. Die Hoffnung auf ein Happy End besteht.