Ein Rotfuchs: Diese Gattung gilt als besonders empfänglich für Fuchsräude. Foto: Patrick Pleul/dpa

Im Wohngebiet Raiffeisenstraße in Haigerloch sind offenbar Füchse gesichtet worden, die an Räude erkrankt sind. Muss man sich jetzt Sorgen machen?

Vorsicht ist immer geboten, aber Panik braucht man nicht zu schieben: Die Fuchsräude ist für Menschen kein größeres Problem, wohl aber für Hunde oder Katzen.

 

Die Fuchsräude wird durch so genannte Sarcoptes-Milben übertragen, die entweder von Wirt zu Wirt – also von Fuchs zu Fuchs – springen oder von ihren Trägern auf den Boden fallen und dort wochenlang überleben können – so lange eben, bis sich ihnen ein neues Wirtstier nähert, auf dem sie sich dann anheften.

Für Menschen wenig gefährlich

Bei Füchsen lösen die Milben Hauterkrankungen aus, die starken Juckreiz, Haarausfall und Krusten verursachen. Befallene Tiere zeigen oft ein auffällig herabgesetztes Fluchtverhalten. Für Meister Reineke endet die Krankheit häufig innerhalb von drei Monaten mit dem Tod. Auch für Hunde und Katzen ist Fuchsräude hoch ansteckend und kann für unbehandelte Vierbeiner zu schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen führen und im schlimmsten Fall tödlich enden. Wird sie aber rechtzeitig vom Tierarzt diagnostiziert, ist sie gut heilbar.

Nicht ganz so gefährlich ist die Situation für Menschen. Laut dem Zentrum für Fisch- und Wildtiermedizin an der schweizerischen Universität Bern können Menschen von räudigen Tieren zwar infiziert werden, sie sind aber für die Milbe ein so genannter Fehlwirt. Deshalb dehnt sich die Krankheit auch nicht aus und heilt relativ schnell wieder ab. Die Hautveränderungen sind nicht so ausgeprägt wie bei den Tieren und treten vor allem auf dem Rumpf und auf den Armen auf. Der Juckreiz kann aber ganz schön heftig sein.

Tierschützerin hat Idee

Wie könnte man der Sache in Haigerloch indes Herr werden und eine Ausbreitung der Fuchsräude eindämmen? Das ist etwas schwierig. Laut Stadtverwaltung besteht derzeit eine Schonzeit für Füchse, da diese Nachwuchs haben und die männlichen und weiblichen Tiere gemeinsam den Nachwuchs versorgen. Ein Einfangen der Tiere mit Hilfe von Lebendfallen ist daher derzeit nicht möglich.

Katharina Reinecke vom Haigerlocher Tierschutzverein „Lebenswert“ hätte jedoch eine Idee, wie man die Situation lösen könnte. Hunde, die einmalig mit einer Tablette („Bravecto“) behandelt werden, zeigen schon nach einer Woche Besserung. Dasselbe könnte man mit den erkrankten Füchsen machen, erklärt Reinecke, die auch schon an einer „Fuchsschulung“ teilgenommen hat. Man müsste nur eine Wildtierkamera aufstellen, mit deren Aufnahmen sich feststellen lässt, wo ein Fuchs in der Abenddämmerung entlang läuft. Dann könnte man eine Futterstelle einrichten und mit dem Medikament versehen.​

Theoretisch denkbar, aber wiederum auch nicht so einfach in die Praxis umzusetzen, denn wer kümmert sich um Futterstelle und Medikament?

Deshalb bleibt wohl nur die Empfehlung des Sachgebietes Recht und Ordnung bei der Haigerlocher Stadtverwaltung an alle Bürger und insbesondere Hundehalter: Man sollte sich umsichtig verhalten und bei einer Begegnung mit Füchsen dem Tier einen Fluchtweg überlassen, denn Füchse sind nicht aggressiv und greifen Menschen nicht an.

Bitte beachten

Abstand halten
 Füttern oder berühren sollte man einen Fuchs unter keinen Umständen. Auch wenn das Tier krank wirkt, bleibt es ein Wildtier.​

Schutz für Haustiere
 Hunde und Katzen sind für die Sarcoptes-Milben empfänglich. Hundehalter sollten ihre Vierbeiner im betroffenen Gebiet konsequent an der Leine führen und den Kontakt zu Fuchsbauten oder Liegeplätzen meiden. Bei Verdacht auf eine Infektion (zu spüren ist starker Juckreiz) sollte man umgehend den Tierarzt kontaktieren.​

Hygiene im Garten
 Tierfutter sollte man nicht offen im Garten stehen lassen. Es lockt nicht nur kranke Wildtiere, sondern auch Ratten an. Das Amt für Recht und Ordnung weist auch darauf hin, im Kompost keine gekochten Essensreste liegenzulassen.