An der Eyach wohnt seit drei Jahren ein Biber. Jetzt ist auch eine Nutria ans Ufer beim Zollernschloss gezogen. Die tierischen Nachbarn scheinen sich gut zu verstehen. Die Wasserratte hat Nachwuchs bekommen.
Ob der Biber einen Namen hat, Justin vielleicht, angelehnt an den Sänger Justin Bieber? Das weiß Steffen Maier nicht. Dafür hat der Sprecher des Landratsamtes Interessantes bei der Unteren Naturschutzbehörde für unsere Redaktion in Erfahrung gebracht.
Dass der Biber sich regelmäßig zeigt, ist erst seit diesem Frühjahr so. Erstmals wurde das Tier 2021 gesichtet. „Seitdem sind nur sporadische Sichtungen bekannt“, sagt Maier. Wegen oder während der Gartenschau umgesiedelt wurde der Biber nicht.
Biber und Nutria verstehen sich offenbar
Der Biber, den man durch seinen paddelförmigen Schwanz vom Nutria unterscheiden kann, ist ein reiner Pflanzenfresser. Am liebsten nagt das Tier an Laubbäumen und futtert die Zweige, Rinde und Blätter. Auf Blätter und Stängel steht auch die Nutria. Unser Leser Georg Wilkens hat beobachtet, dass die beiden Balinger Eyachbewohner friedlich nebeneinander sitzend gemampft haben.
Überhaupt scheinen Biber und Nutria sich in Balingen pudelwohl zu fühlen. Bei den Nutrias gab es sogar Nachwuchs. Ist der Biber der Papa?
Ausgeschlossen, meint Steffen Maier. Kreuzungen zwischen dem ein Meter großen Biber und der 65 Zentimeter großen Nutria sind der Behörde nicht bekannt. „Da es sich allerdings um zwei unterschiedliche Arten mit unterschiedlichen Chromosomensätzen handelt, wären eventuelle Kreuzungen entweder nicht lebensfähig oder als Hybride steril“, hat der Sprecher in Erfahrung gebracht. „Eine neue Art kann so nicht entstehen.“
Die Nutriakinder buddeln fleißig Löcher
Schäden durch Verbiss oder gefällte Bäume? Bislang gibt es keine, die gemeldet wurden. Sollte der wasseraffine Nager doch zu viel abholzen, können die Baumstämme mit sogenannten „Drahthosen“ gesichert werden, erklärt Maier. Möglich sei auch, den Nager mit Elektrozäunen in Schach zu halten oder Schutzmatten anzubringen gegen das Graben an Böschungen. Apropos Böschung: Wilkens hat beobachtet, dass die Nutria-Kinder fleißig Löcher buddeln. „Das Ufer ist schon beschädigt“, meint der Fotograf. Dass ein Nutria gerne Löcher gräbt, ist auch bei den Behörden bekannt. „Sie können die Vegetation schädigen und die Lebensraumstruktur durch das Graben verändern.“
Anders als der Biber steht die Nutria nicht unter Schutz
Hinzu kämen ökologische Auswirkungen wie Fraßspuren und Ufersicherungen. Belastbare Daten zu Zerstörungen durch Nutria liegen Maier nicht vor.
Fell für Pelzmäntel begehrt
Biber galten lange Zeit als vom Aussterben bedroht. Ihr dichtes Fell war als Pelz sehr begehrt. Das Gleiche gilt für die Nutria. In so manchem Haushalt dürfte sich noch der Nutria-Mantel der Großmutter finden. Das Fleisch der Bisamratte galt sogar als Delikatesse.
Sichtungen von Bibern sind eher selten, weiß Maier. Die Tiere sind eigentlich erst ab der Dämmerung aktiv. Beim Balinger Biber scheinen die Uhren anders zu ticken. Anders als der Biber steht die Nutria nicht unter Schutz.
Deswegen beobachte die Untere Naturschutzbehörde die auch Bisamratten genannten Tiere nicht. Sie unterliegen dem Jagdrecht und damit dem Jagdamt.