Stadttauben sollen zunehmend aus der Balinger Innenstadt verschwinden. Foto: Jessica Müller

Seit etwa eineinhalb Jahren wird das Balinger Taubenhaus von einem Tierschutzverein betreut, um die unkontrollierte Vermehrung einzudämmen. Ob das gelingt und ob weitere Maßnahmen geplant sind.

Seit etwa einem Jahr arbeitet die Stadt mit einem Tierschutzverein zusammen, um die Taubenpopulation in Balingen unter Kontrolle zu halten.

 

„Um die Stadttaubenpopulation zu begrenzen, arbeitet die Stadt Balingen seit etwas mehr als einem Jahr mit dem Verein Straßentauben und Stadtleben zusammen“, teilt Pressesprecher Dennis Schmidt mit.

„Durch das Anlegen und das Unterhalten von Taubenschlägen hat man direkten Zugriff auf die Gelege. Durch Austausch der Eier mit Gips-Eiern kann ein direkter Einfluss auf die zukünftige Taubenpopulation genommen werden“, erklärt er.

Im Zuge dieser Vorgehensweise seien im Jahr 2024 1039 Eier durch Gips-Eier ausgetauscht worden. Des Weiteren werde in den Taubenschlägen Futter ausgebracht, so dass die Tauben den Taubenschlag nur selten verlassen und somit die Innenstadt nicht belasten.

Weitere Taubenhäuser sind bereits in Planung

Damals wurden zwei städtische Taubenschläge eingerichtet, weitere waren nicht geplant. Der Taubenschlag in der Mediothek wurde in Zusammenarbeit mit dem Verein mittlerweile erweitert und ertüchtigt, so dass dieser den größten Teil der Taubenpopulation in der südlichen Innenstadt aufnehmen kann, berichtet Schmidt.

Für den nördlichen Teil der Innenstadt werde derzeit nach geeigneten Standorten für weitere Taubenschläge gesucht. Dies gelte auch für das Gewerbegebiet Auf Gehrn.

Dort wurden bereits mehrfach große Mengen an Futter entdeckt. „Auf Gehrn haben wir nach wie vor das Problem, dass Unbekannte nachts regelmäßig immense Mengen an Taubenfutter ausbringen und hierdurch die Ansiedlung und Vermehrung der Tauben befeuern“, erzählt Schmidt.

Immer wieder Futter auf Parkplätzen

Dieses Ausbringen von Futter geschehe regelmäßig auf privaten Parkplätzen, so dass hier die Besitzer aktiv werden müssen. Die kontinuierliche Reinigung der Futterstellen, die in letzter Zeit durchgeführt wurde, habe zur Folge, dass von den Unbekannten noch mehr Futter – nun aber breit verstreut über die ganzen Parkplätze – aufgebracht werde.

„Wir sind mit den Eigentümern im Gespräch, aber letztendlich bleibt den betroffenen Besitzern hier nur entsprechend Anzeige zu erstatten oder eine Parkraumüberwachung einzuführen“, so Schmidt. Ausdrücklich sei betont, dass eine solche Fütterung von Tauben nicht im Sinne des Wohls der Tiere ist.

Tauben füttern ordnungswidrig – Bußgeld droht

Die Stadt versuche vorausschauend die Taubenpopulation zu begrenzen und dabei tierwohlorientiert vorzugehen. Ein solches Vorgehen lebt jedoch auch davon, dass die Tauben nicht anderweitig gefüttert werden. „Wir appellieren daher ausdrücklich an alle, die Tauben in keinem Fall zu füttern und weisen darauf hin, dass dies ordnungswidrig ist und mit einem entsprechenden Bußgeld bestraft wird.“

Wie jüngst in einer Sitzung von Bürgermeister Ermilio Verrengia berichtet, werde Eigentümern von PV-Anlagen empfohlen, durch bauliche Maßnahmen das Ansiedeln von Tauben zu verhindern.

Barbara Rigutto, erste Vorsitzende des zuständigen Tierschutzvereins, sagt: „Innerhalb von eineinhalb Jahren, die wir für die Stadt Balingen die Schlagbetreuung zur Populationsreduzierung betreiben, konnten 150 Tauben in den eingerichteten Schlägen angesiedelt werden.“

„Freuen uns, dass wir in Balingen diese Möglichkeit umsetzen können“

Tauben, die vorher wild gebrütet und sich vermehrt haben, seien in relativ kurzer Zeit also unter Kontrolle. Das tierschutzkonforme Lösungsangebot nach dem Augsburger Modell funktioniere mit wenig finanziellem Aufwand und sei – wenn es sorgfältig betrieben werde – erfolgreich. „Wir freuen uns, dass wir in Balingen diese Möglichkeit umsetzen können“, so Rigutto. Die Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen der Stadt sei sehr kooperativ.