Eine Frau aus Lahr hat in einem drei mal drei Meter großen Raum in ihrer Wohnung Dutzende Seidenhühner gehalten. Durch einen Klinikaufenthalt kam dies ans Licht. Die Tierretter aus Ichenheim suchen nun ein artgerechtes Zuhause für das Federvieh.
Wirklich schocken kann die Tierretter aus Ichenheim nichts mehr. Seit Jahrzehnten werden sie immer wieder damit konfrontiert, dass Menschen meist zum Leidwesen von Tieren falsche Entscheidungen treffen – sei es bei vermeintlichen Rettungsaktionen, bei denen Wildtiere teils tagelang zu Hause als Haustiere gehalten werden oder aber bei nicht artgerechter Haltung.
Mit Letzterem hatte die Neurieder Tierhilfs- und Rettungsorganisation wieder einmal vergangene Woche zu tun: „Wir mussten aus einer Wohnung in Lahr insgesamt 49 Hühner befreien. Die Tiere lebten in nur einem Zimmer, welches stark verkotet war“, sagt Monika Ehrlacher, stellvertretende Vorsitzende der Organisation, gegenüber unserer Zeitung.
Während bei vielen Beschlagnahmungen auch Ärger mit den Besitzern wartet, die ihre „Schützlinge“ nicht ohne weiteres hergeben wollen, war dies hier aber nicht der Fall. Die Mutter der Hühner-Besitzerin habe die Ichenheimer Tierretter eigens kontaktiert, nachdem die Besitzerin ins Krankenhaus musste.
Mutter der Besitzerin hat eigens die Retter in Ichenheim kontaktiert
„Die Frau hat sogar zwischen ihren Hühnern geschlafen“, sagt Ehrlacher. Ob der Krankenhausaufenthalt mit dem engen Zusammenleben mit den Tieren zu tun hat, wisse sie aber nicht. Vorsitzender Karlheinz Meier spricht gegenüber unserer Redaktion von „falsch verstandener Tierliebe“. Unaufgeregt erklärt er, dass es den Seidenhühnern keinesfalls schlecht gegangen sei – „da gibt es hier in Deutschland durchaus schlimmere Haltungsformen – Stichwort Legemaschinen“. Aber die Haltung von 49 Hühnern in einem Zimmer, das drei mal drei Meter groß ist, „geht natürlich nicht und ist alles andere als artgerecht“, betont Meier. Warum sich die Frau so viele Hühner in diesem Zimmer gehalten hat, wisse man nicht. Das sei für die Ichenheimer Retter aber auch zweitrangig, schließlich liege der Fokus auf den Tieren, nicht auf den Hintergründen der Menschen.
Auch nach dem Krankenhausaufenthalt würden die Hühner nicht mehr zurück zur Besitzerin kommen. Seit der Beschlagnahmung sind sie auf dem Hof der Organisation untergebracht und werden dort versorgt. Dies soll aber nicht die Endstation sein. „Wir werden sie an geeignete Halter vermitteln“, so Meier. Dringend werde bis dahin Hühnerfutter benötigt: „Wir sind froh über jede Futterspende“.
Seidenhühner werden nicht per Facebook vermittelt
Auf den Hinweis, dass sich bei dem Facebook-Beitrag zu den Hühnern bereits einige Menschen gemeldet haben, Hühner übernehmen zu können, winkt Ehrlacher ab: „Wer sich ernsthaft für ein Tier interessiert, der ruft bei uns an oder kommt vorbei.“
Unterstützung
Wer den Tierrettern unter die Arme greifen will, kann dies in Form von Futterspenden oder aber einer Mitgliedschaft des Vereins tun. Weitere Infos unter Telefon 07807/94 91 81 oder unter www.tierhilfs-und-rettungsorganisation.de.