Die zwölfjährige Samira (links) und Trapez-Künstlerin Sabrina (rechts) mit einigen ihrer Zirkustiere. Foto: Hoffmann

Der Zirkus trotzt auf dem Hechinger Festplatz dem Regen. Zirkusdirektorin Jacqueline Köllner berichtet vom Alltag als Zirkusfamilie und davon, was sie zu ihrem Job antreibt.

In leuchtenden Farben macht das große Zirkuszelt auf dem Hechinger Festplatz im Weiher auf sich aufmerksam, immer wieder ist ein hohes Wiehern zu hören. Allerdings macht der viele Regen dem Zirkus Mulan aktuell zu schaffen, das erzählt Zirkusdirektorin Jacqueline Köllner: „Wir sind wetterabhängig. Das ist eine Qual.“ So müsse die Zirkusfamilie jetzt alles wieder trockenlegen – der Schotterplatz erschwere dies enorm. Doch wie lebt es sich eigentlich in der Zirkusfamilie, die zum ersten Mal in Hechingen ihr Zelt aufgeschlagen hat?

 

So läuft ein Arbeitstag beim Zirkus Mulan ab:

Von 7 bis 23 Uhr ist man im Zirkus Mulan beschäftigt, wie Jacqueline Köllner erzählt. Die Show sei dabei nicht die Hauptaufgabe, schließlich müsse die Familie Einstreu holen, die Tiere versorgen, Flyer im Ort verteilen, für ihre Aufführungen proben und alles sauberhalten. Besonders anstrengend: die Stellplatzsuche. „Das ist ein 24-Stunden-Job“, verrät Köllner. Sie erzählt, dass es früher leichter gewesen sei, einen Stellplatz zu finden, heute müsse man sich regelrecht durchfragen und stehe dann überwiegend auf privaten Bauernwiesen statt – wie einst – auf dem einen großen Festplatz des Ortes oder der Stadt.

Das hat die Familie mit im Gepäck:

Zum Zirkus Mulan gehören zahlreiche Tiere und 15 Familienmitglieder, fast jedes hat seinen eigenen zimmerähnlichen Wohnwagen, wie die Direktorin berichtet. Mit 30 Fahrzeugen – darunter einem Küchenwagen, der auch als Aufenthaltsraum dient – reist die Familie durch ganz Baden-Württemberg.

In den Adern von Zirkusdirektorin Jacqueline Köllner fließt „Zirkusblut“. Foto: Hoffmann

Und wie lange bleibt der Zirkus an einem Ort, bevor die Familie weiterzieht? Ein bis zwei Wochen normalerweise, in Hechingen sogar drei, so Köllner. Ursprünglich hat der Zirkus ihrer Uroma gehört. Als ihr Uropa im Zweiten Weltkrieg gefallen war, seien seine Frau und die Kindern wie Gaukler auf der Straße aufgetreten – Äpfeljonglieren inklusive. „Er wird von Generation zu Generation weitergegeben“, resümiert Jaqueline Köllner die Geschichte ihres Zirkusses.

So sieht die finanzielle Lage des Zirkusses aus:

„Wir kommen über die Runden“, lautet das Fazit der Zirkusdirektorin. Aber: „Die Zeiten werden immer schwieriger.“ Grund dafür seien die großen Zirkusse, die den kleinen wie dem Zirkus Mulan das Publikum wegnehmen würden. Während die großen Zirkusse früher hauptsächlich in Großstädten zu Gast gewesen seien, kämen sie mittlerweile zunehmend in kleinere Ortschaften, erklärt Köllner.Auch deshalb könne man sich als Zirkusfamilie keinen Urlaub und keine Pause leisten. Auch in der Wintersaison – einst eine Zeit für das Winterquartier des Zirkusses – werde weitergearbeitet.

Wie die Kinder ins Zirkusleben eingebunden sind:

Schule ja, aber erst mithelfen. So helfen die Kinder der Familie jeden Morgen, noch vor Schulbeginn im Zirkus mit. Im Rahmen eines Fernlernunterrichts an einer Zirkusschule beschäftigen sie sich am Vormittag dann mit den Lerninhalten. Nachmittags übernehmen sie wieder Arbeiten im Zirkus, in der Show treten sie dann als Clowns oder Schlangenmenschen auf. Köllner: „Die müssen auch Verantwortung tragen.“

Warum die Tiere das alles mitmachen:

Schon von klein auf seien es die Hunde, Pferde, Maultiere, Kamele und das Lama Hansi gewohnt, mit der Familie zu reisen. „Für die ist das ein Abenteuer“, sagt Jaqueline Köllner und erzählt davon, wie sich die Tiere jedes Mal aufs Verladen freuen würden – schließlich dürften sie bald etwas Neues erleben. Erschrecken würden sie sich hingegen vor gar nichts.

Die Hunde- und Pferdedressuren und das Lamastreicheln seien große Bestandteile ihrer Show – das klappe je nach Laune der Tiere mal besser, mal schlechter, gibt Köllner zu.

Das macht den Zirkus Mulan besonders:

Die Zirkusdirektorin denkt nicht ans Aufhören. In ihr fließe „Zirkusblut“, und so lange sie noch fit sei, werde sie ihrem Traum und ihrer „Vorgebung“ folgen. Sie betont aber auch, dass ihr das Zirkusgeschäft und insbesondere die Arbeit mit Tieren großen Spaß macht. Und für die Vorstellungen warnt sie vor: „Wir sind Familie. Bei uns passieren Fehler. Das macht uns aus, weil wir menschlich sind.“

Zirkusaufführungen

Spielzeiten
 Noch bis Sonntag, 20. Oktober, findet täglich ab 16 Uhr eine Zirkusvorstellung auf dem Festplatz im Weiher statt. Sonntags ist Familientag; die Show beginnt dann bereits um 11 Uhr und Erwachsene zahlen Kinderpreise.

Kartenreservierung
 Der Vorverkauf findet ab Donnerstag am Kassenwagen auf dem Festplatz statt. Informationen erhalten Besucher unter Telefon 01634507086.

Programm
Besucher erwartet eine 90-minütige Vorstellung. Teil davon sind Tiershow-Einlagen, Akrobatik und Römisches Rola-Rola.