Ellen Weinmann und Florian Düsterwald arbeiten rund die Uhr, um Menschen einen würdevollen Abschied von ihren Tieren zu ermöglichen.
Sonnenlicht scheint durch die Buntglasfenster in den Kirchenraum. Die Lichtstrahlen treffen auf einen Baum. An den Zweigen hängen Holzherzen, auf jedem steht ein Name: Maya, Laika, Franzl. „Das ist unser Erinnerungsbaum“, erklärt Ellen Weinmann. Ihr gehört die kleine Kirche mitten in Pfeffingen. Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Florian Düsterwald bietet sie dort Tierbestattungen an. An der Wand im Altarbereich hängt ein großer Lebensbaum aus Eisen. Auf dem ehemaligen Altar liegt eine mit Glas abgedeckte Holzplatte. „Dort stellen wir immer die Urnen hin“, erklärt Weinmann.
Sie hat die Kirche 2023 gekauft. Weinmann war damals auf der Suche nach größeren Räumen für ihre Tierbestattungen. Zur gleichen Zeit entschied die evangelisch-methodistische Kirche, ihre Immobilie in Pfeffingen zu verkaufen. Weinmann bietet seit 2019 Tierbestattungen an. Gelernt hat sie Bürokauffrau, hat danach einige Jahre als technische Zeichnerin gearbeitet.
Die Gesetzeslage ist strikt
Die Gesetzeslage ist strikt: „Unter den Nutztieren dürfen nur Pferde kremiert werden“, erklärt Weinmann. Alle anderen Tiere müssen über den gleichen Weg wie Schlachtabfälle entsorgt werden. „Tote Tierkörper gelten als Gefahrengut“, erklärt Weinmann. Wegen des Verwesungsprozesses dürfen die Tiere nicht einfach überall vergraben werden. Ein weiteres Problem sind mögliche Krankheitserreger, die das Tier trägt. Eine Tierbeseitigungsanstalt kümmert sich in der Regel um die Entsorgung.
Die Renovierung der Kirche haben Weinmann und Düsterwald selbst übernommen. Am aufwendigsten sei es gewesen, den Erinnerungsbaum in der Kirche aufzustellen. „Wir mussten den Baum in mehrere Teile spalten und in der Kirche wieder zusammensetzen, weil wir ihn anders nicht durch die Türe bekommen hätten“, sagt Düsterwald.
Im Eingangsbereich steht ein kunstvoll designtes Regal, von Düsterwald gebaut. Im Regal werden verschiedene Urnenformen präsentiert. Auf dem Tisch neben dem Eingangsbereich liegen weitere Anschauungsstücke aus.
Die Kirche ist 2023 in einem Abschiedsgottesdienst entweiht worden, in dem Weinmann und Düsterwald offiziell den Schlüssel übergeben bekommen haben. Seitdem gab es tausende von Bestattungen. „Jede Trauerfeier läuft ganz individuell ab“, sagt Düsterwald.
Drei bis vier Aufträge pro Tag
Anfangs haben die beiden die Tierbestattungen nur als Nebenjob gemacht, mittlerweile liegen sie bei drei bis vier Aufträgen pro Tag. Aktuell arbeiten sie deswegen rund um die Uhr. Das Paar würde das Team gerne erweitern und ist auf der Suche nach einem Mitarbeiter.
„Es ist immer schmerzhaft, wenn eine geliebte Seele geht“, sagt Weinmann. „Wir wollen jeder Person den Abschied ermöglichen, den sie braucht.“ Im Gespräch fragen sie daher nach konkreten Wünschen und Vorstellungen. „Das erfordert viel Empathie.“
Die Preise richten sich nach dem Umfang der Bestattung. „Wir holen die Tiere mit einem speziellen Anhänger ab“, sagt Düsterwald. Die toten Körper werden in die Kirche gebracht, wo sie gekühlt werden. „Einmal pro Woche fahren wir nach Schwäbisch Hall. Dort ist das Krematorium, mit dem wir zusammenarbeiten“, erklärt Düsterwald.
Das Paar ist stets bemüht, das Angebot zu erweitern. Seit einiger Zeit bieten sie einen Podcast auf ihrer Internetseite an: „Gedanken aus Gold. Wenn Tiere unsere Seelen berühren.“ Darin spricht Ellen Weinmann über Verlust und Trauer. Aus Freiburg und Mannheim sind die Menschen schon gekommen, um ihre Tiere in der Schönhalde bestatten zu lassen.