Vierbeiner mit Überhitzung sind im Kleintierzentrum Kinzigtal in diesem Sommer keine Seltenheit. Tierarzthelferin Nina Grummel gibt Tipps, wie Besitzer ihren Lieblingen Abkühlung verschaffen können und worauf sie besonders achten sollten.
Wenn die Temperaturen im Sommer das Thermometer hochklettern und die Sonne vom Himmel knallt, ist das nicht nur für uns Menschen unangenehm.
Was man tun kann, um den eigenen Vierbeinern im Sommer Erleichterung zu verschaffen und auf was man an heißen Tagen besonders achten sollte, verrät Nina Grummel, Tierarzthelferin im Kleintierzentrum Kinzigtal und selbstständige nebenberufliche Tierheilpraktikerin.
Frau Grummel, welche Tiere leiden besonders unter der Hitze?
Generell leiden alle Tiere unter Hitze. Für Kaninchen, Meerschweinchen, Hunde und Katzen ist es besonders schlimm, weil sie nicht schwitzen können. Sie haben keine Schweißdrüsen und können deshalb die Körpertemperatur nicht runter regulieren. Sie können also nur durch Hecheln die Wärme ausgleichen. Aber natürlich leiden auch Vögel, Reptilien und andere Tiere. Generell sind besonders alte Tiere betroffen und Tiere, die Probleme mit dem Herz oder dem Kreislauf haben.
Was kann man tun, umsie zu unterstützen?
Auf jeden Fall sollte man schattige Plätze zur Verfügung stellen. Gerade bei Kaninchen und Meerschweinchen, die ja oft draußen sind, sollte darauf geachtet werden, dass sie die Möglichkeit haben, in den Schatten zu gehen. Dabei muss auch beachtet werden, dass die Sonne wandert. Zudem ist es natürlich wichtig, viel Wasser bereitzustellen. Auch feuchtes Grünfutter, etwa feuchtes Gras, ist zu empfehlen. Man kann auch feuchte Handtücher am Käfig anbringen. Katzen suchen sich draußen natürlich selbst kühle Plätze aus, aber auch in der Wohnung sollten Besitzer kühle Orte anbieten. Es kann auch mit Ventilator oder Kühlmatten gearbeitet werden. Diese sollten aber immer nur angeboten werden.
Welche Probleme bringtdie Hitze noch mit sich?
Bei Kaninchen und Meerschweinchen gibt es oft Probleme mit Fliegenmaden. Da haben wir im Moment auch ganz viele Fälle in der Praxis. Die Fliegen werden bei der Hitze von den Tieren angelockt, legen ihre Eier im Fell ab und die Larven kriechen dann in das Tier hinein und fressen es von innen auf. Das ist sehr gefährlich, oft müssen die Tiere eingeschläfert werden. Um das zu verhindern, können Fliegennetze über den Käfig gelegt werden. Zudem sollte man seine Tiere ein bis zwei Mal täglich kontrollieren und absuchen.
Wie kann man Hunden an heißen Tagen helfen?
Hunde mit sehr langem und dichtem Fell kann man an bestimmten Stellen wie dem Bauch etwas scheren – allerdings nicht komplett, die Hunde brauchen ihr Fell. Rausgehen sollte man möglichst nur früh morgens und spät abends, wenn es kühler ist – und nicht mit dem Fahrrad. Besonders bei Hunden mit kurzen Nasen, für die die Hitze besonders schlimm ist, ist das wichtig. Hundebesitzer sollten zudem auf den heißen Asphalt achten.
Gibt es an besonders heißen Tagen im Kleintierzentrum mehr zu tun?
Ja auf jeden Fall. Viele übertreiben es mit ihrem Hund. Wir hatten einige Tiere mit Kreislaufproblemen – gerade bei Kurznasen. In Fällen von Überhitzung fangen die Tiere massiv an zu hecheln, sie sind verwirrt und fangen an zu schwanken. Irgendwann können sie dann in einen Schock kommen, der auch schnell zum Tod führt. Oder kürzlich hatten wir einen Fall, bei dem jemand seinem Hund mit einem Gartenschlauch Abkühlung verschaffen wollte. Der Schlauch lag aber zuvor in der Sonne, weshalb das Tier danach mit Verbrennungen zu uns kam.
Was ärgert Sie am Verhalten von Tierhaltern besonders?
Man sollte sich immer fragen, ob man selbst die Hitze noch verträgt. Wenn es für uns schon unangenehm ist, ist es für die Tiere noch schlimmer. Bei Hitze geht es direkt um Leben und Tod. Oft muss es erst so weit kommen, bis die Leute einsichtig werden.
Wie gehen Sie mit ihrer Hündin bei Hitze um?
Ich beachte die üblichen Tipps. Ich gehe gerne mit ihr in den Wald, wir haben einen Hundepool im Garten, den sie nutzen kann und ab und zu bekommt sie auch ein Hundeeis.
Zur Person
Nina Grummel arbeitet als Tierarzthelferin im Kleintierzentrum Kinzigtal in Haslach. Zudem ist sie nebenberuflich als selbstständige Tierheilpraktikerin tätig. Da bietet sie unter anderem Ernährungsberatung, Akupunktur, Homöopathie und Blutegel an. Weitere Infos gibt es auf ihrer Webseite oder unter Telefon 0151/44 95 49 53 sowie 07832/ 9 74 21 06.