Jetzt ist er allein: Einer der auf der St. Laurentius Kirche brütenden Störche ist tot. (Archivfoto) Foto: Schrader

Storchenglück in Wolfach findet jähes Ende. Vögel hatten bereits angefangen zu  brüten.

Wolfach - Noch vor ein paar Wochen freute sich ganz Wolfach über sein Storchenglück, das mit einem Pärchen, das auf dem Kirchturm mit dem Nestbau begonnen hatte, in das Städtchen eingezogen war. Die Vögel hatten Eier gelegt und angefangen zu brüten. Mit Spannung wurde Nachwuchs erwartet. Doch daraus wird nichts mehr: Aller Wahrscheinlichkeit nach ist einer der Störche tot.

Wie Kathrin Gebele vom Wolfacher Ordnungsamt auf Anfrage des Schwabo berichtet, erhielt sie am Dienstagvormittag einen Anruf einer Bürgerin, die einen verletzten Storch in der Nähe des Bike-Parks gesehen hatte. Gebele nahm daraufhin Kontakt mit dem Nabu auf. Rainer Allgaiger konnte selbst nicht nach Wolfach fahren und bat aus diesem Grund seinen Kollegen Gérard Mercier, das zu übernehmen. Dieser versprach, am Mittwoch nach dem Tier zu suchen.

Vogel kann nicht mehr kontrolliert fliegen

Gleich darauf erreichte Gebele schon der nächste Anruf. Dieses Mal war das verletzte Tier in der Oberwolfacher Straße gesichtet worden. Die Rathausmitarbeiterin machte sich an besagtem Ort selbst auf die Suche nach dem Storch, konnte ihn aber nicht mehr vorfinden.

Allgaier bekam derweil von einer Klinik-Mitarbeiterin gemeldet, dass sie den Storch unterhalb des Krankenhauses auf einer Wiese gesichtet habe. "Sie sagte, das Bein hinge nur noch abstehend dran", berichtet Allgaier dem Schwabo. Da sei ihm klar gewesen, dass es nicht gut für das Tier aussieht und es wahrscheinlich von seinem Leiden erlöst werden muss. "Mit einem Bein geht weder Futteraufnahme noch Vermehrung." Er sollte Recht behalten.Als der Vogel so geschwächt, war, dass er nicht mehr kontrolliert fliegen konnte, knallte er anscheinend gegen eine Hauswand bei der Schreinerei Geiger und konnte dort benommen eingefangen werden. Helfer brachten ihn zu Tierarzt Meinhard Sieder. Doch der konnte nichts mehr für ihn tun.

"Er hatte ein gebrochenes Bein, das schon infiziert war. Die Wunde war voller Sand und Dreck. Das Bein war fast abgerissen, der Unterlauf schon abgestorben", sagt der Tierarzt. "Wir konnten nur noch die Entscheidung treffen, ihn zu erlösen." Beinfrakturen dieser Art seien bei Störchen leider nicht selten, so der Veterinär.

"Dieses Jahr wird es nichts mehr mit der Brut"

Laut Allgaier ist es sehr wahrscheinlich, dass es sich bei dem eingeschläferten Storch um einen der auf dem Kirchturm brütenden handelt und um keinen vorbeiziehenden. Seit dem Tod des verletzt aufgefundenen Storchs war nämlich kein zweiter mehr auf dem Kirchturm gesehen worden. Allgaier geht davon aus, dass der Verbliebene die angefangene Brut nun unterbrechen muss, denn: "Die Störche wechseln sich bei der Futtersuche, dem Warmhalten und Beschützen der Jungen ab." Die Küken könnten gerade zur Anfangszeit und bei der derzeitigen Witterung nicht alleine gelassen werden. Sie würden erfrieren oder von anderen Vögeln gefressen werden. Kurzum: "Dieses Jahr wird es nichts mehr mit der Brut".

Denn selbst wenn der verwitwete Storch einen neuen Partner findet, wäre es nun zu spät im Jahr, um noch einmal von vorne anzufangen. Die Chance stünde aber nicht schlecht, dass der noch lebende Storch wieder kommt und es mit einem neuen Partner im kommenden Jahr wieder versucht.

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