Die Entscheidung über einen möglichen Abschuss sorgt für heftige Debatten. Zwei Fachleute warnen vor einfachen Lösungen beim Umgang mit Wölfen im Schwarzwald.
In der emotional geführten Debatte um den geplanten, aber aktuell gestoppten Abschuss des Hornisgrinde-Wolfes melden sich Stimmen zu Wort, die bewusst auf Differenzierung setzen. Zuvor hatte es auch kritische Stimmen wie von den bekannten Tierfilmer Andreas Kieling gegeben.
Sowohl der Evolutionsbiologe Carsten Nowak vom Senckenberg Forschungsinstitut als auch der Feldberg-Ranger Achim Laber plädieren für Sachlichkeit – und für Vertrauen in fachliche Entscheidungen.
Nowak: „Fachlich richtig, dass auffällige Tiere entnommen werden“ Carsten Nowak, Leiter des Zentrums für Wildtiergenetik in Frankfurt, betont auf Anfrage unserer Redaktion zunächst die Grenzen seiner Einschätzung. Er kenne die konkrete Situation vor Ort nicht und könne sich daher nicht im Detail äußern.
„Wesentliche Grundlage des Wildtiermanagements“
Allgemein sei es jedoch fachlich richtig, dass laut Wolfsmanagementplan auffällige Tiere entnommen werden können. „Es ist eine wesentliche Grundlage des Wildtiermanagements, dass man die wenigen auffälligen Tiere entnimmt, um ein möglichst konfliktarmes Miteinander von Menschen und Großraubtieren dauerhaft zu ermöglichen“, so Nowak.
Experte lobt: „In Baden-Württemberg wird vorbildlich gearbeitet“ Ob dies im aktuellen Fall zutreffe, müssten die örtlichen Fachbehörden klären. Dabei hebt Nowak ausdrücklich hervor: „In Baden-Württemberg wird im Großraubtiermanagement sehr professionell und vorbildlich gearbeitet.“ Unabhängig von der Entscheidung sei jedoch mit Kritik zu rechnen. „Eine solche Entscheidung führt immer zu massiver Kritik aus Teilen der Bevölkerung, egal wie man sich entscheidet“, erklärt der Evolutionsbiologe. Umso wichtiger sei es, auf die Kompetenz der Fachleute zu vertrauen, „die in solchen Fällen sorgsam abwägen“.
Dass das Töten einzelner Tiere dem Schutz einer Art dienen könne, sei schwer vermittelbar, aber fachlich eindeutig. „Dass das Töten einzelner Tiere dem Schutz einer Art dienlich sein kann, ist verständlicherweise ein Gedanke, an den man sich erst gewöhnen muss; es ist jedoch in der Fachwelt unumstritten“, so Nowak.
Debatten um Bruno und die Giraffe im Zoo Kopenhagen
Er verweist dabei auf bekannte Fälle wie Bruno den Bären oder die im Zoo Kopenhagen getötete Giraffe. Die folgenden Debatten seien emotional aufgeladen gewesen, aus Sicht des Artenschutzes jedoch korrekt gewesen.
Feldberg-Ranger warnt vor Schwarz-Weiß-Debatte Ähnlich differenziert äußert sich Achim Laber, Naturschutzwart und als „Feldberg-Ranger“ bekannt, in einem Facebook-Beitrag. „Bei vielen Menschen gibt es beim Thema Wolf nur noch schwarz und weiß. Als alter grauer Mann beginnt man, die Grautöne zu lieben“, schreibt Laber zunächst. Entscheidungen über einen möglichen Abschuss seien nie einfach, führt er einem Video dann näher aus.
Er fragt die Besucher seiner Facebook-Seite: „Wollt ihr meine ehrliche Meinung hören? In dem Fall gibt es nur zwei Arten von Lösungen, eine schlechte oder eine schlechte.“ Man wisse, „dass Wölfe, die die Distanz zum Menschen nicht wahren, ein richtiges Problem darstellen können. Aber nicht immer“.
Labers Rat: Mehr Gelassenheit in überhitzten Zeiten Laber beschreibt das Dilemma klar: „Machst nichts und passiert was, dann ist das Wasser auf den Mühlen der Leute, die sagen: alle Wölfe raus.“ Umgekehrt gelte: „Wird der Abschuss jetzt verhindert und es passiert was, dann müssen sich die Leut sagen lassen, die es verhindert haben, wir sind schuld, dass es passiert ist.“ Für sich habe er daher eine klare Haltung gefunden: „Ich habe für mich beschlossen, dass ich solche Entscheidungen den Fachleuten überlasse, die sich mit solchen Sachen auskennen und hinterher den Kopf hinhalten müssen.“ Sein Appell zum Schluss: „Ein klein wenig mehr Gelassenheit in diesen überhitzten Zeiten. Auch bei unpopulären Maßnahmen.“