Die Tarifeinigung im Öffentlichen Dienst soll bei den „Fahrpreisbetrachtungen für 2015 eine Rolle spielen“, sagt Roland Bauer, Vorstandschef der Stuttgarter Straßenbahnen.
Stuttgart - Die Tarifeinigung im Öffentlichen Dienst, die jedem Beschäftigten brutto mindestens 90 Euro mehr auf dem Lohnzettel bringt, wird sich zum 1. Januar 2015 auf die Fahrpreise in Bussen und Bahnen auswirken.
„Wir hatten mit einer Lohnerhöhung von zwei Prozent gerechnet“, sagte Roland Bauer, Vorstandssprecher der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) am Mittwoch. Die Gewerkschaft Verdi hat drei Prozent Erhöhung rückwirkend zum 1. März und weitere 2,4 Prozent ab März 2015, mindestens aber 90 Euro, erreicht. „Derartig hohe Raten hatte bei uns niemand auf dem Schirm“, sagte Bauer. Die Gehaltserhöhungen „müssen bei der Fahrpreisbetrachtung für 2015 eine Rolle spielen“, so der Vorstandschef: „Wir müssten die Fahrpreise allein deshalb um ein Prozent erhöhen.“
Beim Nahverkehrsbetrieb SSB mit seinen 3000 Beschäftigten erreichen die Personalkosten einen Anteil von rund 50 Prozent. Weil viele Kräfte unter 3000 Euro brutto erhalten, wirke sich die Mindesterhöhung von 90 Euro überproportional aus. Damit würden „bei uns 3,4 bis 3,5 Prozent erreicht“, so der Personalvorstand Bauer. Der Nahverkehrsbetrieb habe in diesem Jahr zudem Kostensteigerungen von drei bis vier Prozent zu verkraften, die Tarifeinigung reiße jetzt ein Loch von zwei Millionen in den Wirtschaftsplan, 2015 fehlten zusätzlich gegenüber der Planung 0,5 Millionen Euro.
Die SSB sind der bestimmende Partner im Verkehrsverbund Stuttgart (VVS). Dem Verbund gehören aber auch viele private Busunternehmen an, bei denen der Tarifvertrag Ende Mai ausläuft. „Ich bin gespannt, was dort passiert“, so Bauer. Zufrieden zeigt sich Bauer darüber, dass die Verhandlungsführer aus dem Kommunen und dem Bund die Zusatzforderung nach einem Sockelbetrag von 70 Euro für den kommunalen Nahverkehr abwehren konnten. Bauer: „Die 70 Euro zusätzlich wären fatal gewesen.“ Für die SSB hätten sie nochmals 2,5 Millionen Euro Mehrkosten bedeutet.
Bei der Landeshauptstadt wird der Abschluss mit insgesamt 28,5 Millionen Euro zu Buche schlagen. Eingeplant waren im Doppelhaushalt 20,4 Millionen Euro für je zwei Prozent Lohnsteigerung 2014 und 2015. Daneben gibt es eine „Deckungsreserve“ für Notfälle. Der Topf ist mit 10,05 Millionen Euro gefüllt. „Deswegen sind die Mehrkosten aus dem Abschluss im Stadthaushalt finanziert“, sagt Volker Schaible, der Leiter der Stadtkämmerei.
„Gerade die Mitarbeiter der unteren Lohngruppen erhalten eine wichtige Anerkennung für die harte, verantwortungsvolle Arbeit“, kommentiert Verwaltungsbürgermeister Werner Wölfle (Grüne) die Einigung. Von den 8400 Beschäftigten – ohne Klinikum und Eigenbetriebe – werden rund 4500 den Mindestbetrag erhalten. Probleme sieht Wölfle für das Klinikum, das etwa zwei Millionen Euro Zusatzkosten verkraften müsse. Die Spirale „höheres Defizit oder Leistungsverdichtung“ werde damit in Gang gehalten.
Durch die 90 Euro Mindesterhöhung werde „die Spreizung in den Entgelttabellen zwischen oberer und unterer Hälfte nivelliert“, erläutert Holger Holzwart, Leiter der Abteilung Personalservice im Personalamt. Das sei nur logisch, den Verdi sei „ in den unteren Lohngruppen besser organisiert als in den oberen“.