Thomas Burkhardt in seinem Schuppen. Kranbahnen helfen ihm, die Stämme ohne Krafteinsatz zu bewegen. Foto: Günther

Thomas Burkhardt aus Wittendorf hat ein ungewöhnliches Hobby. Nach Feierabend – wenn andere lesen oder Krimis schauen – startet er die Blockbandsäge in seinem Schuppen und zerteilt die bereitliegenden Baumstämme in Bretter und Latten.

Loßburg-Wittendorf - Angefangen hat seine Begeisterung für Sägewerke bereits in seiner Kindheit, denn damals durfte er oft seinen Großvater ins Neunecker Sägewerk begleiten. Dort habe er, so berichtet Burkhardt mit leuchtenden Augen, immer am Sägegatter gestanden und fasziniert zugeschaut. Viele Jahre später wurde seine Faszination für Sägewerke aufs Neue entfacht. Denn immer mal wieder begleitet der engagierte Wittendorfer Hilfstransporte nach Rumänien. Und dabei habe ihn, so Burkhardt, "stets begeistert, was mit den primitiven Sägewerken dort alles gemacht wird".

Idee wurde aus Leidenschaft und Not geboren

Sein Grund, sich ein eigenes Sägewerk anzuschaffen, liegt jedoch einige Jahre zurück: "In unserer Gegend gab es kein Sägewerk mehr, in dem ich meine im Sturm angefallenen Stämme sägen lassen konnte", so der Waldbesitzer. In Glatten hatte die Schillinger-Säge geschlossen, die Bronner-Säge in Leinstetten ebenfalls und das Sägewerk Weisser, beziehungsweise "Leber und Frey", in Neuneck hatte ebenfalls ihren Betrieb aufgegeben. Und von den wenigen großen Sägewerken in der weiteren Region war keines bereit, kleine Holzmengen zu sägen.

Wie viele kleine Waldbesitzer in der Umgebung, hatte Burkhardt plötzlich keine Möglichkeit mehr, problemlos an Schnittware wie Balken, Bretter oder Rahmen zu kommen. Weshalb er sich damals entschloss, in den leer stehenden Schuppen hinter seinem landwirtschaftlichen Anwesen eine Säge einzubauen, begründet er ganz logisch: "Das war eine einfache Rechnung, die mich am Ende dazu bewogen hat, ein kleines Sägewerk – der korrekte Fachbegriff heißt Blockbandsäge – anzuschaffen: Meine letzte Schnittware kostete mich 500 Euro. Da habe ich nachgedacht. Wenn ich zehn Jahre lang säge und mir dazu noch hin- und wieder jemand einen kleinen Sägeauftrag gibt, hat sich meine Anschaffung schon bezahlt gemacht."

Dass neben dieser kalkulatorischen Entscheidung aber auch die Freude am Umgang mit Holz, Maschinen und Technik eine große Rolle gespielt hat, wird im Laufe des Gesprächs deutlich. So überrascht es auch nicht, dass Ehefrau Ingrid verrät, ihr Thomas gehe abends, anstatt Krimis zu schauen, lieber hinters Haus in sein Sägewerk. "Meist mache ich das eine bis 1,5 Stunden, wie ich Lust habe", ergänzt dieser.

Was er alles sägen kann, ist beachtlich: Stämme bis fünf Meter Länge versägt er zu Balken, Brettern, Schwarten – wie man die ungesäumten Bretter nennt –, Latten oder, so Burkhardt stolz, "wenn‘s sein muss auch zu Furnier". Das sind Blätter aus Holz, die nur 0,5 bis acht Millimeter dick sein dürfen. Auch was Holzarten anbelangt, ist er flexibel: Gesägt werden bei ihm alle Nadelhölzer, aber auch Nußbaum, Weide, Ahorn, Apfel-, Birnen und Kirschenbäume. Auch Eiche verarbeitet er viel.

Bretter und Dielen verwendet er für Arbeiten in seinem Haus

"Für mich ist das Hobby, und hin- und wieder säge ich auch einmal im Lohn. Ich mache nur so viel, wie ich Zeit und Lust habe." Im Durchschnitt braucht der Sägewerker aus Leidenschaft für einen Festmeter Holz etwa 1,5 Stunden, denn mit seinem einzelnen Sägeband macht er einen Schnitt nach dem anderen. In einem großen Sägewerk ist das in weniger als einer Minute erledigt, ergänzt er.

Stolz berichtet der gelernte Schreiner, der in einer Schreinerei im Nachbarort beschäftigt ist, was aus den vor dem Sägewerk gelagerten Stämmen wird: Aus dem großen Klotz entstehen Tische fürs Freie, aus dem kleineren Stamm sägt er Kanthölzer. Den Arbeitsablauf auf seiner kleinen Säge hat Burkhardt soweit wie möglich optimiert. Er versucht, auf seiner Säge "so wenig wie möglich körperlich zu schaffen". Wichtig sind deshalb seine zwei Kranbahnen, mit denen er die Stämme ohne Krafteinsatz bewegen kann. Letztes Jahr hat er sich eine Besäumungsanlage dazu gekauft. Mit dem Ablauf ist er aber noch nicht ganz zufrieden, weswegen er noch daran arbeitet.

Auf der letzten Wittendorfer Handwerkermesse hat der hauptberufliche Schreiner unter dem Motto "Vom Baum zum Brett" sein Sägewerk der Öffentlichkeit vorgestellt. Nebenberuflich betrieb Familie Burkhardt früher Landwirtschaft, die aber inzwischen verpachtet ist. Lediglich den eigenen Wald bewirtschaftet er noch selbst.

Viele seiner gesägten Bretter, Balken oder Dielen verwendet er für Arbeiten in Haus und Garten und erfreut sich danach sehr daran, seine eigenen Sägearbeiten stets vor Augen zu haben. Vor allem an seinem mit selbst gesägtem Holz verschalten Wohnhaus zeigt sich sein Können. Das Holz für die Fassade hat er selbst geschlagen, selbst gesägt, selbst gehobelt, selbst die Nuten eingefräst, die Unterkonstruktion gezimmert und zum Schluss alles noch selbst angestrichen. Liebevoll kommentiert Ehefrau Ingrid seine Leistung: "Du hast halt einfach Ahnung."

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