Thomas Barth blickt auf eine erfolgreiche Karriere bei der Polizei zurück. Foto: Birgit Heinig

Nur noch wenige Tage, dann tritt Thomas Barth in den Ruhestand. Der 63-Jährige kann dann auf 46 Dienstjahre als Polizist und auf eine erfolgreiche Karriere im Polizeirevier Villingen zurückblicken.

Der gebürtige Bräunlinger blieb seiner Heimat immer treu. Hier ist er aufgewachsen, hier hat sich der Realschüler für den Polizeidienst entschieden, obwohl er damals, wie er zugibt, „noch nicht wirklich einen Plan“ hatte.

 

Als er 1978 seine Ausbildung begann, „war das noch ganz anders als heute“, erinnert er sich. Militärischer Drill stand im Vorder- und die Vorbereitung auf den Sicherheits- und Ordnungsdienst im Mittelpunkt.

Seither haben sich die Gesellschaft und ihre Werte sehr verändert und die Notwendigkeit angehenden Polizisten die geltenden Rechte, aber auch den Umgang mit der Medienvielfalt zu vermitteln, gewinnt mehr und mehr an Bedeutung.

Praxisjahr in Schwenningen

Als Thomas Barth seine Laufbahn begann, sorgte in Deutschland die Terrororganisation der RAF (Rote Armee Fraktion) mit ihren politischen Morden für Aufregung. In seinem Praxisjahr beim Polizeirevier Schwenningen war Thomas Barth unter anderem im Objektschutz in der Strafvollzugsanstalt Stammheim eingesetzt, wo auch die RAF-Köpfe Andreas Baader und Gudrun Ensslin einsaßen.

Mit dem „Sicherheitsplan II“ wurden damals neue Stellen geschaffen, um der Lage Herr zu werden. Diese Beamten gehen jetzt nach und nach in den Ruhestand. Zusammen mit der der aktuellen Sicherheitslage geschuldeten wachsenden Zahl an Polizeiaufgaben erkläre das den Personalmangel, den die Polizei derzeit zu bewältigen habe, sagt Barth. Auch das Polizeirevier Villingen könnte mehr Menschen einstellen und ist auf der Suche nach „gutem Nachwuchs“.

Stimme verschafft Respekt

Dabei erinnert sich Thomas Barth an seine eigene Bewerbung, die fast an seiner Körpergröße gescheitert wäre. Als seinerzeit aktiver Leichtathlet hatte er mit den sportlichen Prüfungen keine Probleme, auch die Theorie bewältigte er mühelos. Aber zur damals noch geltenden Mindestgröße fehlten eineinhalb Zentimeter. Zum Glück war der Amtsarzt der Meinung, dass der 17-Jährige noch wachse.

Und in der Tat: Mit Ausbildungsbeginn war das Thema erledigt. Zudem verschaffte er sich im Dienst mit seiner kräftigen Stimme und einer sich stetig entwickelnden Selbstsicherheit stets Respekt. Nach dem Abschluss auf der Landespolizeischule als Hauptwachtmeister im mittleren Dienst erwarb Thomas Barth 1988 nebenberuflich im Fernstudium die Fachhochschulreife, um hernach als erster Jahrgang im neuen Gebäude der Polizei-Hochschule in Schwenningen zu studieren.

Seit 1991 in Villingen

Als Polizeikommissar erhielt er im Mai 1991 die Stelle des Dienstgruppenleiters im Polizeirevier Villingen, das damals noch in der Bahnhofstraße angesiedelt war. 1998 zog man in das ehemals von der Firma Kienzle erbaute Gebäude in der Waldstraße, wo Thomas Barth bis zuletzt sein Büro hatte. 2000 übernahm er die Leitung des Bezirksdienstes, war nun Ermittler und für Sachbeschädigung, Diebstahl, Einbruch und Betrug zuständig.

Nachdem er von 2004 bis 2006 seine Vita um die Aufgaben im Führungs- und Einsatzstab erweitert hatte und darin für den Landkreis die Einsatz- und Personalplanung vornahm, kehrte er als stellvertretender Revierleiter an die „Front“ zurück, wo er drei Jahre später, also vor 15 Jahren, die Leitung übernahm.

Menschliche Tragödien belasten

Wenn sich Thomas Barth an eindrückliche Einsätze erinnert, dann drängt sich insbesondere das Busunglück bei Donaueschingen 1992 in sein Gedächtnis, wo er zwar keinen der vielen Toten zu Gesicht, im Funk- und Telefondienst aber die Tragweite der Katastrophe hautnah zu spüren bekam. Mitgenommen haben ihn immer wieder die menschlichen Tragödien, die er als Überbringer von Todesnachrichten auszuhalten hatte. Und er ist froh, dass es die Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) gibt. Zuletzt waren es die Einsätze bei den Pegida-Demonstrationen und bei den „Spaziergängen“ der Querdenker und Coronaleugner, bei denen auch ihn die generell beklagte Respektlosigkeit gegenüber Ordnungskräften erreichte.

Barth geht mit Wehmut

Trotz allem würde er diesen Beruf wiederergreifen, sagt der Vater zweier erwachsener Kinder, einen Beruf mit viel Abwechslung und „der ganzen Bandbreite an Gefühlen“, bei dem man zwar als Person des öffentlichen Lebens ständig unter Beobachtung stehe, damit umzugehen aber in einer inzwischen angepassten Ausbildung lerne.

„Deshalb gehe ich auch mit Wehmut“, sagt Thomas Barth, der ebenfalls 30 Jahre im Personalrat und das Ehrenamt im Kreisvorstand der Polizeigewerkschaft hinter sich lässt. Zu Hause in Bräunlingen warten seine Frau, das Fahrrad, die Joggingschuhe und heimatgeschichtliche Chroniken, die noch vor Ort nachzuerleben sind.