Thomas Bareiß ist aus Israel zurück. Kürzlich war er in Balingen für ein Redaktionsgespräch. Foto: Eyckeler

Thomas Bareiß war knapp sieben Wochen in Israel, um eine Auszeit zu nehmen. Nun ist er wieder zurück und berichtet von seinen Erlebnissen. Zeit für sich und Zeit, um wieder Kraft zu tanken hat er gefunden. Dafür war der brodelnde Nahostkonflikt und die Ängste der Menschen vor Ort um so näher.

Seit einigen Wochen hat der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Bareiß seine Arbeit wieder aufgenommen. Zuvor war er knapp sieben Wochen in Israel – für eine Auszeit. Nun äußerte er sich in einem Redaktionsgespräch zu dieser Zeit, welche Konsequenzen er gezogen hat und wie es politisch für ihn weitergeht.

 

Politische Entwicklungen, das immer härter werdende Klima, die sich ändernde Parteienlandschaft, Anfeindungen sowie gezielte Kampagnen gegen ihn hätten den Abgeordneten für den Wahlkreis Zollernalb-Sigmaringen letztlich so geschafft, „dass ich Kraft und Lust verloren habe“, sagt Bareiß zu seiner damaligen Entscheidung. „Ich habe gemerkt, dass ich den Job nicht mehr so weiter machen konnte. Ich musste einen Weg für mich finden und habe auch das Gespräch mit Psychologen gesucht“, erzählt der 49-Jährige.

Reaktionen haben Bareiß positiv überrascht

Es habe letztlich viel Überwindung gekostet, den Weg der Auszeit zu gehen – und diesen so nach außen zu kommunizieren. „Die Politik ist eben auch ein Showgeschäft, in dem es nicht einfach ist, Schwäche zu zeigen“, sagt der in Albstadt-Ebingen geborene CDU-Mann.

Die überwiegende Reaktion auf die Nachricht habe ihn dann jedoch positiv überrascht. „Häufig schrieben mir Menschen und ermutigten mich, zeigten Verständnis. Viele berichteten sogar von ähnlichen Erfahrungen“, erzählt Bareiß.

Der innere Seelenfrieden wurde wieder hergestellt

Am Ende der Auszeit kann der Politiker sagen: Die Pause habe sich gelohnt, der innere Seelenfrieden wurde wieder hergestellt. Seine Auszeit verbrachte er bei der Dormitio Abtei in Jerusalem. Das Benediktinerkloster auf dem Zionsberg in der Altstadt von Jerusalem wurde vor mehr als 100 Jahren von den Beuroner Mönchen gegründet.

Präsenz bei X (Twitter) fährt Bareiß runter

Was tut Bareiß nun, um den Seelenfrieden auch künftig zu erhalten? Eine Konsequenz: keine Präsenz mehr bei X (Twitter). Zwar nutze er noch weiterhin die sozialen Medien in Form von Instagram und Facebook. Aber die Kommunikation auf X scheint ihm nicht förderlich – im Gegenteil: „Manchmal frage ich mich wirklich, was die Menschen dort mit ihren Kommentaren bezwecken wollen oder ob das sowieso nur Bots aus Russland sind.“

Zusätzlich möchte sich Bareiß mehr auf seinen Wahlkreis konzentrieren. In Berlin gibt er den Posten des Beisitzers im CDU-Bundesvorstand ab. Bezirksvorsitzender der CDU-Württemberg-Hohenzollern hingegen möchte er bleiben.

Bareiß selbst will ebenfalls auf seine Kommunikation achten: „Ich stehe immer für klare Positionen. Wenn rote Linien überschritten werden und mich das aufregt, dann muss man das auch mal rauslassen“, stellt er klar. Dennoch möchte der CDU-Politiker darauf achten, mit seiner Kommunikation nicht zu polarisieren, wieder mehr die vermittelnde Rolle einzunehmen.

Menschen in Israel haben Angst

Während seiner Zeit in Israel konnte Bareiß zwar eigene Probleme in Angriff nehmen und Abstand gewinnen. Die aktuell brodelnde Lage im Nahost-Konflikt lenkte dagegen seinen Fokus auf die Probleme und Sorgen der Menschen vor Ort. Wenige Monate vor seiner Anreise suchte eine schwere Terrorattacke der Hamas Israel heim. Seitdem herrschen Krieg und Elend in vielen Teilen des Nahen Ostens. Mittlerweile kommt es zudem zu Kriegshandlungen zwischen dem Iran und Israel.

Zwei-Staaten-Lösung ist in weite Ferne gerückt

„Da wird einem erst wieder klar, welche Ängste und Sorgen die Menschen in anderen Gegenden der Welt beschäftigen“, sagt Bareiß. Eine zeitnahe Entspannung, gar eine Lösung des schon ewig schwelenden Konflikts sehe er nicht. „Da fehlt es auf beiden Seiten der Konfliktparteien sowie im Rest der Welt an Vermittlern“, meint Bareiß. Eine Zwei-Staaten-Lösung ist seines Erachtens in der jüngsten Vergangenheit eher wieder in weite Ferne gerückt.

Entscheidung über Zukunft nach Pfingsten

Nicht in allzu großer Ferne liegt in Deutschland die nächste Bundestagswahl. Im kommenden Jahr ist es schon wieder soweit. Wird der 49-Jährige wieder kandidieren? Diese Frage bleibt vorerst unbeantwortet.

„Ich bin nicht amtsmüde, aber durch mein abgeschlossenes Studium und zehn Jahre Berufserfahrung in der Wirtschaft weiß ich, dass ich nicht nur Politik kann“, sagt Bareiß, der längere Zeit in einem mittelständischen Textilunternehmen tätig war. Die Entscheidung über seine politische Zukunft wird Bareiß nach Pfingsten fällen und veröffentlichen.