Der Vorstand des Vereins Tourismus, Handel und Gewerbe will die Herausforderungen der Zukunft meistern. Auf dem Bild sind neben dem Vorsitzenden Christoph Eck (von links) Nikolaus Aatz (Schriftführer), Guido Sturm (Kassierer), Udo Bertsch (Sprecher Handel), Jürgen Wernecke (Sprecher Gewerbe) und Jürgen Seibold (Sprecher Tourismus) zu sehen. Foto: Biermayer

Verschiedene Branchen sind ganz unterschiedlich durch die Pandemie gekommen. So viel ist bei der Hauptversammlung des Vereins Tourismus, Handel und Gewerbe in Schömberg (THG) deutlich geworden. Während Gastronomie und Hotellerie Existenzsorgen plagen, kann sich das Handwerk vor Aufträge kaum retten. Im Einzelhandel zeigt sich ein durchwachsenes Bild.

Schömberg - Zwei Mal wollte der THG seine Hauptversammlung im vergangenen Jahr abhalten, zwei Mal wurde sie abgesagt. Und das fasst eigentlich ganz gut zusammen, wie die Lage für die Unternehmer im vergangenen Jahr war: nicht planbar. Die Gastronomie habe im vergangenen und in diesem Jahr fünf Monate schließen müssen, so der Vorsitzende des THG, Christoph Eck. Der Einzelhandel habe das lukrative Weihnachtsgeschäft im vergangenen Jahr abbrechen müssen.

"Katastrophal" sei diese Zeit gewesen, so Eck. Es habe Kurzarbeit, Entlassungen und die Abwanderung von Kräften in andere Branchen gegeben. Dazu sei die psychische Belastung für Unternehmer und Mitarbeiter gekommen. Zudem hätten viele Betriebe Schulden aufnehmen müssen, die sie noch 20 Jahre belasten würden. Corona-Hilfen des Staates seien keine Hilfen, war Eck wichtig, sondern "Kompensationszahlungen". Wenn der Staat Betriebe einfach schließe, müsse der Staat auch für die Ausfälle aufkommen.

"Satz mit X", zog Eck als Fazit für das Schnelltestzentrum in Schömberg. Dieses habe nach vier Tagen Betrieb wieder schließen müssen, weil es wegen neuer Regelungen nicht mehr wirtschaftlich war. Insgesamt meinte Eck, dass die Testpflicht Gäste aus Cafés und Restaurants fernhalte. Es sei zu viel Aufwand. Die Spontanität ginge verloren, die Luca-App funktioniere nicht und insgesamt sei alles sehr umständlich. Wenn sich Lage nicht bessere, drohten bald Geschäftsaufgaben.

Krisengewinner und -verlierer

Weniger dramatisch sei die Situation im Einzelhandel, so Udo Bertsch, der beim THG diesen Bereich betreut. Hier gebe es Krisengewinner und -verlierer. Für 50 Prozent, darunter Lebensmitteleinzelhändler oder Drogerien, seien es Goldgräberzeiten gewesen. Für die anderen, vor allem den Fachhandel, war die Pandemie jedoch eine große Herausforderung.

Man habe durch den Staat ein "Berufsverbot" bekommen. "Die Politik hat im letzten Jahr keinen guten Job gemacht", befand Bertsch. Hilfen seien schwer zu bekommen gewesen. Viele Regelungen seien unlogisch und nicht nachvollziehbar. Besonders erzürnt habe ihn eine Aussage von Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Dieser habe dem lokalen Einzelhandel vorgeworfen, er habe sich kein Online-Standbein aufgebaut und sei deshalb von der Krise so arg betroffen.

Der Versandhandel sei durch die vielen Pakete und Retouren weder umweltfreundlich noch nachhaltig. Außerdem sei die Fachberatung vor Ort für die Kunden sehr wertvoll. Diese würden es mit Treue zurückzahlen. Und vom Versandhandel würden nur die Großen wie Amazon durch Marktplatzgebühren profitieren. Zudem plädierte er für vereinfachte Regeln bezüglich verkaufsoffener Sonntage. Dies würde ohne viel Geldeinsatz den Einzelhändlern helfen.

Volle Auftragsbücher im Handwerk

Beim Handwerk sei die Lage gut, fast sogar zu gut, meinte der für den Bereich zuständige Michael Wernecke. Natürlich habe man auch hier Einschränkungen und Umstellungen durch die Pandemie gehabt. Allerdings seien die Auftragsbücher voll. Teilweise arbeite man sogar sechs Tage die Woche.

Dies führe jedoch zu einer starken Belastung der Mitarbeiter. Dies wiederum habe vermehrte Krankschreibenden zur Folge, was die Situation weiter verschärfe. Und auch der Mangel an Auszubildenden bereitete Wernecke Sorgen. Man brauche qualifizierte Leute. "Mit einem Studium kann man keine Häuser bauen", warb er dafür, einen Handwerksberuf zu ergreifen.

In die Zukunft blickte auch Eck. Als langfristige Gefahr für den Tourismusstandort sah der er die geplanten Windräder. Durch sie werde die Landschaft zerstört. Der Protest dagegen habe leider nichts gebracht. Er zeichnete ein düsteres Szenario davon, wie Schömberg und der Schwarzwald durch die geplanten 1000 Windräder an Attraktivität verliere.

Der THG sei mit seinen knapp 100 Mitgliedern gut aufgestellt. Eck bedauerte jedoch, dass vor allem jüngere Unternehmer sich nicht im Verein anmeldeten oder engagierten. Den Jahresbeitrag von 70 Euro sah er als gering und gerechtfertigt.

Allerdings bereiteten Eck die sinkenden Übernachtungszahlen Sorgen. Von knapp 240 000 Übernachtungen vor 20 Jahren waren 2020 noch gut 160 000 übrig, so Eck. Selbst 2019, also noch vor der Pandemie, seien es nur noch 195 000 Übernachtungen gewesen. Ein Großteil dieser Übernachtungen entfalle hierbei auf die Kliniken in Schömberg. Hier seien die Zahlen, wenn man den Pandemie-Effekt herausrechne, sogar relativ stabil.

Anders sehe es beim freien Tourismus aus. Hier waren es 2004 noch etwa 75 000 Übernachtungen, 2019 nur noch knapp 36 000 und 2020 lediglich knapp 21 000. Die Pandemie beiseitegelassen, könne er sich diesen Trend nicht ganz erklären. Man wolle aber auf jede Fall gegensteuern.

Es zeige jedoch, wie wichtig die Kliniken für Schömberg seien. Deshalb müsse man bei allen Maßnahmen auch stets an diese Einrichtungen denken. Bei der Tourismus-Intensität, hier werden Umsätze und Nettowertschöpfung ins Verhältnis gesetzt, sehen die Zahlen schon etwas besser aus. Trotz Corona befand sich 2020 hier auf dem Niveau von 2018. Der Aufwärtstrend der sich 2019 andeutete, wurde jedoch vorerst gestoppt. Allerdings hat die Pandemie Arbeitsplätze gekostet. Waren 2019 noch etwa 4200 Jobs direkt oder indirekt abhängig vom Tourismus, waren es im vergangenen Jahr nur noch 3200.

Es gibt sie aber auch, die guten Nachrichten. Eck präsentierte stolz die Übernachtungen pro 1000 Einwohner. Hier sei man im vergangenen Jahr um das 4,8-fache über dem Schwarzwalddurchschnitt und sogar um das 6,5-fache über dem Landesschnitt gewesen. Er führte dies auf die gute Zusammenarbeit zwischen THG, Verwaltung und den Kliniken zurück. Auch das Marketing mache eine gute Arbeit. Und die werde immer wichtiger, seit man sich die Rehakliniken frei aussuchen könne. Themen wie der Heilwald, der Turm oder die Seilrutschbahnen seien hier Zugpferde.

Und hier setzte er auch viel Hoffnung rein. Der Turm erfreue sich jetzt schon als Fotomotiv höchster Beliebtheit. Er freue sich auf die Eröffnung in der kommenden Woche. Man müsse jedoch noch verstärkt passgenaue Angebote für Busreisende schaffen. Auch die Flying-Fox- und Fly- Line-Anlage werde ein voller Erfolg, prognostizierte Eck.

Lasertaghalle ist jetzt geöffnet

Zudem sei die Parksituation in Schömberg durch die neuen Plätze auf dem ehemaligen Gelände des Recyclinghofes sehr verbessert worden. Die Parkgebühren könne man sich in THG-Geschäften zum Teil sogar erstatten lassen. Und Maryline Meiler habe einen "Glücks-Guide" erarbeitet. Auf dieser Karte sind alle Geschäfte mit Öffnungszeiten und Kontaktdaten vermerkt. Es gibt sie in Papierform. Zudem soll sie an den Attraktionen im Großformat platziert werden.

Und die Lasertag-Halle in Schömberg ist jetzt geöffnet, wie Betreiber Armin Manus in einer kurzen Präsentation zeigte. Es sei ein Angebot für die Jugendlichen vor Ort, aber auch für Familien. Außerdem sei man mit mehr als 1000 Quadratmetern Spielfläche eine der größten Hallen in der Region. Eck Lobte Manus’ Initiative sowie Geschäftssinn und freute sich über das weitere Angebot.

Auch Bürgermeister Matthias Leyn blickte in seinem Grußwort positiv in die Zukunft. Er freue sich, dass die Investoren für Großprojekte aus dem eigenen Ort kämen. Der Turm sei ein Impulsprojekt. Dadurch könnten noch weitere Investitionen folgen. Aber auch Leyn erkannte, dass Tourismus und Einzelhandel durch die Pandemie am härtesten getroffen wurden. Er hoffe, dass sich in der Bevölkerung das regionale Bewusstsein durchsetze und man die lokalen Geschäfte unterstütze.

Bei den abschließenden Wahlen gab es wenig Überraschendes. Eck blieb Vorsitzender, Jürgen Seibold, Udo Bertsch und Michael Wernecke seine Stellvertreter. Guido Sturm ist neuer Kassenwart. Nikolas Aatz bleibt Schriftführer.

Erika und Otto Mitschele gaben zudem ihre Ämter ab. Erika Mitschele war seit 1997 Beirätin für Oberlengenhardt. Zudem hat sie den THG auf zahlreichen Messen vertreten. Ihr Mann Otto war seit 2002 Kassenwart. Als Dank und Anerkennung für ihre Leistungen überreichte Eck den beiden die Ehrenmitgliedschaft des THG.

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