Die Wandkeramiken schuf Karl-Heinz Feisst im Jahre 1988. Foto: Zoller

Der Majolika-Spezialist Manfred Zepf weiß, was es mit den Fliesen im Thermenhotel in Bad Liebenzell auf sich hat.

Bad Liebenzell - Bei den Recherchen zur Geschichte des "Thermenhotels" in Bad Liebenzell wurde in unserer Ausgabe vom 19. Mai auch die Frage zur Entstehung der eindrucksvollen Majolika Wandbilder erörtert, da zur Herkunft bislang keine konkreten Zeugnisse auffindbar waren.

Wie bereits berichtet, gibt es Recherchen von Waltraud Maas aus dem Stadtarchiv Bad Liebenzell. Maas wurde in der Kurzeitung der Stadt aus dem Jahr 1988 fündig, in der über die Ausstattung des Bades berichtet wird: "Daneben wurde – die Vergangenheit verpflichtet auch hier – eine kleine Fürstliche Badeabteilung, das Herzog-Friedrich-Bad, geschaffen..." Ob nun diese Ausstattung durch die Badewannen ergänzt, oder die Räumlichkeiten gänzlich neu geschaffen wurden, ist allerdings nicht dokumentiert.

Bislang wird über "Jugendstilfliesen" berichtet, die der Großherzoglichen Karlsruher Majolika-Manufaktur zugeordnet sind. Auf Nachfrage bei Joanna Flawia Figiel, Kuratorin Angewandte Kunst 1850-1945 im Badischen Landesmuseum in Karlsruhe, sind die Kunstwerke im "Thermenhotel" jedoch in keinem Bestandsverzeichnis der Karlsruher Majolika Manufaktur aufgelistet.

Künstler ausfindig gemacht

Doch nun hat sich ein Leser unserer Zeitung zu Wort gemeldet, der spannende Informationen dazu beizutragen hat. Manfred Zepf ist leidenschaftlicher Sammler und zudem Majolika-Spezialist. In seiner Mail an die Verfasserin des Berichtes schreibt er: "Die Fliesen stammen wie auf den ersten Blick erkennbar nicht aus der Jugendstilzeit. Sie stammen von Karl-Heinz Feisst."

Karl-Heinz Feisst (1925-2011) ist in Karlsruhe geboren und zählt zu den Künstlern der Karlsruher Majolika-Manufaktur. Wie aus seiner Vita zu entnehmen ist, hat er von 1940 bis 1943 die Ausbildung zum Keramik-Maler und Modelleur bei G. Heinkel an der Staatlichen Majolika-Manufaktur absolviert. Nach Kriegsdienst und Gefangenschaft kehrte er 1946 in die Manufaktur zurück und war dort bis 1968 angestellt. Danach war er als selbstständiger Künstler tätig und gestaltete seine Entwürfe im eigenen Atelier. Mit seinen Baukeramiken veredelte er nicht nur Öfen, Gartenplastiken, Brunnen und Bildfließen, sondern schuf darüber hinaus auch großformatige Wandgestaltungen, wie im "Führer durch das Museum in der Majolika" nachzulesen ist.

Konjunktur bei der Baukeramik

Der Wiederaufbau von Städten und Gemeinden nach dem Zweiten Weltkrieg bescherte der Baukeramik eine neue Konjunktur. Im 1970 erbauten Rathaus der Gemeinde Zaisenhausen wurde nach den Vorgaben des Künstlers und Keramikmeisters Feisst ein Wandrelief mit Wappen und markanten Bauwerken der Gemeinde aus eigens dafür gefertigten und bemalten Majolikafliesen gefertigt und noch 2005 hat der Künstler selbst in Karlsruhe an einem Bauwerk Hand angelegt. Am Fächergebäude vom Badischen Gemeinde-Versicherungs-Verband (BGV) gestaltete er als versierter Heraldiker der staatlichen Majolika eine keramische Wandfläche an der Durlacher Allee. Durch die Informationen von Manfred Zepf gibt es zudem Belege, die den Nachweis erbringen, dass Karl-Heinz Feisst 1988 auch der Schöpfer der Wandkeramiken im "Thermenhotel" ist. Gesucht werden muss dabei allerdings auf der Webseite der Majolika-Stiftung für Kunst und Kulturförderung Karlsruhe www.majolika-stiftung.de. Hier ist unter der Rubrik Majolika-Kunst-am-Bau-Werke überregional nicht nur der Ort Bad Liebenzell, sondern auch das Bauwerk "Thermenhotel" zu finden. Interessanterweise sind auf den Seiten nicht nur die Wandreliefs von Feisst, sondern zudem seine Künstlersignatur als Detailansicht zu sehen, was dazu führt, dass die Frage nach dem Künstler und der Datierung der Wandreliefs im Fürstenbad von Bad Liebenzell genügend beantwortet ist.