Ob es mit der Sanierung der Siebentäler Therme weitergeht, entscheidet der Gemeinderat am Mittwoch, 22. Januar 2025. Foto: Thomas Fritsch

Am Ende der Bad Herrenalber Gemeinderatssitzung am Mittwochabend informierte Bürgermeister Klaus Hoffmann: Am 22. Januar 2025 wird es eine außerordentliche Sitzung im Kurhaus geben. Die Siebentäler Therme steht dann (wieder mal) im Mittelpunkt. Und die Stadträte müssen abstimmen.

Finanziell steht der Stadt Bad Herrenalb das Wasser bis zum Hals. Das Geld reicht hinten und vorne nicht. Die Sanierung und der Umbau der Siebentäler Therme sorgen deshalb immer mehr für Gesprächsstoff. Sprach sich doch der Gemeinderat im Juni 2021 bei sieben Ja- und fünf Neinstimmen dafür aus, dass die Siebentäler Therme für 13,4 Millionen Euro auf Vordermann gebracht werden soll.

 

Wie hoch die Kosten letztendlich werden – darüber wird viel spekuliert. Als es Ende vorigen Monats um Steuererhöhungen ging und der Vorschlag der Stadtverwaltung keine Mehrheit fand, meinte beispielsweise Dorothea Müller (GL Plus): „Angesichts großer Ausgaben im freiwilligen Aufgabenbereich ist diese erneute Erhöhung nicht vermittelbar. An dieser Stelle sei explizit die Revitalisierung der Therme genannt, die sich als Projekt derart weit von der bestehenden Beschlusslage hinweg entwickelt hat, dass die finanzielle Belastung, die auf die Bürger in den nächsten Jahren zukommt, nicht einmal annähernd beziffert werden kann.“

Interne Beratung

Was wäre, wenn? Offene Fragen sollen nun beantwortet werden. Das sei ja auch der Wunsch von Stadträten, so der Bürgermeister. Man werde sich auf die öffentliche Sitzung vorbereiten. Es werde über den aktuellen Stand berichtet, über Besucherzahlen sowie Ein- und Ausgaben. Genauso über: Was passiert, wenn die Siebentäler Therme geschlossen und nicht weitergebaut werde. Was wäre, wenn? Man könne die Entscheidung auch bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag hinausschieben. Am schlimmsten sei es, keine Entscheidung zu treffen, so der Rathauschef.

Wie üblich, sollen die Unterlagen eine Woche vor der Sitzung bereitstehen. So können die Fraktionen im Vorfeld intern beraten. Man versuche, die bestmögliche Basis für eine Entscheidung zu liefern. Das Stadtoberhaupt meinte unter anderem, er habe keine Lust mehr, sich als Lügner bezeichnen zu lassen.

Leitplanke-Beschluss

Schaden Es herrsche Einstimmigkeit beim Aufsichtsrat, das Ganze nicht länger zu dulden. So, wie über das Projekt gesprochen werde, schade das der Stadt, der Therme und den Stadtwerken.

Bürgermeister Hoffmann meinte zudem, jeder Zweite auf der Straße wolle wissen,was der Beschluss vom Oktober genau bedeute.Zur Erinnerung: Zehn Gremiumsmitglieder stimmten für folgenden Antrag, neun dagegen und zwei enthielten sich: „Der Gemeinderat möge beschließen, dass die Höhe des von der Stadt Bad Herrenalb jährlichen zu zahlenden Verlustes für den Betriebszweig Thermalbad an die Stadtwerke GmbH nach Wiedereröffnung des Thermalbades, spätestens für das Rechnungsjahr 2026, auf die Obergrenze von 500 000 Euro festgesetzt wird. Diese Zahl ist als Leitplanke gemäß Paragraf 104, Absatz 1, Satz 3, Gemeindeordnung Baden-Württemberg an die Vertreter der Stadt Bad Herrenalb in der Stadtwerke GmbH zu verstehen. Alle Entscheidungen des Aufsichtsrats zur Therme mit betriebswirtschaftlichen Auswirkungen auf den Verlust des Thermalbades haben sich an dieser Zahl zu orientieren.“

Nur zwei Anbieter

Verzögerung Ende Oktober war im Therme-Zwischenbericht zu erfahren: Die Abrissarbeiten würden wie geplant laufen. Bei der Ausschreibung Erd- und Rohbau sowie Betonsanierung hätten sich lediglich zwei Anbieter beteiligt – mit Angeboten von 60 Prozent über den Plankosten. „Darauf wurde die Ausschreibung aufgehoben und in kleinere Ausschreibungspakete aufgeteilt, mit geringerem Umfang“. Man erwarte dadurch einen größeren Bieterkreis, auch lokale Rohbaufirmen. Das Baugrundgutachten sei nachgebessert worden, dadurch gebe es eine größere Sicherheit bei der Kalkulation. Zudem wurde informiert: „Vorgabe, Besichtigung der Baustelle in der Angebotsphase, besseres Verständnis der Baumaßnahme sowie größere Sicherheit bei der Kalkulation.“ Die Ausschreibung erfolge in der Kalenderwoche 43.

Durch die Verzögerung der Ausschreibung Erd- und Rohbau sowie Betonsanierung „verschiebt sich der Öffnungszeitpunkt auf Ende März 2026, die Öffnung des Außenbeckens auf Mitte August 2026“. Bis dahin hieß es, wenn alles wie geplant über die Bühne gehe, solle die Therme Ende 2025 wieder ihre Türen öffnen.

Des Weiteren wurde mitgeteilt: Fachplaner und Bauherrenvertreter arbeiteten daran, die Gewerke so zu koordinieren, dass „die Öffnungszeitpunkte früher ermöglicht werden können“. Dies sei jedoch noch nicht zu beziffern.

Knapp 15 Millionen Vorigen Monat meinte das Stadtoberhaupt, das Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke Bad Herrenalb GmbH ist, im Gespräch mit unserer Redaktion: Wie viele Millionen die Revitalisierung insgesamt kosten wird, könne „Stand jetzt“ nicht belastbar beantwortet werden. Die Kostenberechnung des Architekten für die jetzigen Baumaßnahmen liege bekanntlich bei knapp 15 Millionen Euro. Welche Kosten für einen späteren Bauabschnitt, in fünf oder sieben Jahren, anfallen werden, könne man noch nicht sagen. Aktuell gehe man von sechs bis sieben Millionen Euro aus, das seien bislang aber nur Schätzgrößen. Jetzt „definitive Zahlen“ zu nennen „ist nicht seriös, zumal man auch noch nicht sagen kann, in welcher Höhe der zweite Bauabschnitt gefördert werden wird“.

Positive Grundstimmung

Farbe bekennen Am Donnerstag machte das Stadtoberhaupt noch mal auf Nachfrage unserer Redaktion deutlich, dass es am 22. Januar eine Abstimmung gibt. Alles werde aufgearbeitet und der Gemeinderat müsse sich entscheiden: ob es mit der begonnenen Sanierung mit aller Kraft weitergeht, oder ob es einen Sanierungsstopp gibt – die Therme also geschlossen wird.

In den vergangenen Wochen sei vehement verwaltungsintern über die aktuell Situation gesprochen worden. Man brauche Klarheit – in die eine oder andere Richtung. Schaden müsse abgewendet werden. In dem Wirtschaftsbetrieb komme es auch auf eine positive Grundstimmung an. Die Stadträte müssten jetzt Farbe bekennen. Es gebe keine Ausreden. Ein Bürgerentscheid würde im Übrigen zu viel Zeit in Anspruch nehmen.

Bis zum Beschluss 2021 habe es zehn Jahre lang keine klare Entscheidung gegeben. Es gehe jetzt um das Für und Wider einer Revitalisierung. Der Bürgermeister hofft, dass es nach der Aufarbeitung am 22. Januar ein deutliches Ergebnis gibt.

Mit der Ausschreibung der Erd- und Rohbauarbeiten wird nun übrigens gewartet, bis die Stadträte abgestimmt haben. Falls es dann mit der Revitalisierung weitergehen sollte, wird sich deshalb vermutlich der Eröffnungstermin weiter nach hinten verschieben.