Die Türen der „neuen“ Therme öffnen wohl erst Ende März 2026 und das Außenbecken steht wahrscheinlich erst Mitte 2026 bereit. Foto: Kugel

Die Siebentäler Therme hatte am 4. Mai zum letzten Mal geöffnet. Die Einrichtung wurde leergeräumt und die Abrissarbeiten begannen. Wird doch die Therme saniert und umgebaut. Immer wieder wird nun die Frage gestellt: Kann sich die finanziell klamme Stadt die Revitalisierung überhaupt leisten?

„Thermalbad Quo vadis“ – so lautet ein Dokument auf der Homepage der Unabhängigen Bürgervereinigung (UBV) Bad Herrenalb. Und es sorgt für Gesprächsstoff in der Stadt.

 

Verfasser ist Stadtrat Rüdiger König, der Vorsitzende der UBV-Fraktion im Gemeinderat. Bei seiner Zusammenfassung stellt er die Frage: „Kann sich die Stadt mit ihrem angespannten Haushalt dies überhaupt noch leisten?“ Zumal bei der Betrachtung die derzeitige gesamtwirtschaftliche Lage und Entwicklung noch gar nicht berücksichtigt sei.

Teilsanierung König erinnert zuerst mal an die Entscheidung des Gemeinderats im Jahr 2021, die Therme für „13,4 Millionen Euro (Schätzkosten)“ zu sanieren. Dabei erwähnt er die Förderzusage von circa fünf Millionen Euro. „Ziel der Sanierung: Reduzierung der Verluste von 1,0 – 1,3 Mio € auf 0,5 Mio €“, führt der Stadtrat aus.

Bei „Zwischenstand 2023/24“ ist zu lesen: Um die Kosten einzuhalten, gebe es eine Teilung der Sanierung in zwei Phasen. Phase eins: „Ohne Sanierung des Innenbeckens und ohne energetische Sanierung von Teilen der Fassade. Neue Kostenschätzung für Teilsanierung Phase 1: ca. 15 Mio. Risiko: Reduzierung der Förderzusage aufgrund der reduzierten Sanierung.“ Bei Phase zwei heißt es: „Innenbecken und restliche Fassaden innerhalb der nächste 5 Jahre für ca. 5 Mio € (unter Teilschließung der Therme). Gesamtkosten für die nunmehr 2 Teilsanierungen: 20 Mio €.“ Aktuell sehe es so aus: „Nach noch nicht bestätigten Informationen über aktuell ausgeschriebene Baumaßnahmen könnten sich die Baukosten für die Phase 1 auf ca. 18 Mio € belaufen.“ Daraus würden sich mögliche Gesamtkosten für die zwei Teilsanierungen von 23 Millionen Euro ergeben.

Verlust Die Annahmen der Geschäftsführung mit Blick auf die Gäste nach der Sanierung sehe so aus: 145 000 Besucher Thermalbad – davon 40 000 Sauna. König hierzu: „Zum Vergleich: 2023: 105 000 Besucher in das Thermalbad, davon 15 000 in die Sauna. 2023: Jahresverlust: 1,335 Mio €, dies bedeutet, dass wir für jeden Besucher der Therme 12,71 Euro aus dem Haushalt der Stadt bezahlen.“ Im Jahr 2019 seien es 108 000 Besucher (Referenzwert) gewesen – der Saunaanteil sei nicht genau bekannt.

Bei seiner Zusammenfassung schreibt der UBV-Fraktionsvorsitzende: „Geplant waren für die Sanierung 2021: Jahresverlust ca. 0,5 Mio € bei Kosten von 13,4 Mio € und erwartete 145 000 Besucher gesamt.“ Der Verlust ergebe sich aus der Abschreibung, die die Stadt an die Stadtwerke „cash“ zu bezahlen habe, sowie aus dem Ergebnis des operativen Betriebs der Therme, das in den vergangenen 20 Jahren immer im Minusbereich gewesen sei.

„Nach den bisher faktischen Hochrechnungen werden wir nach Wiedereröffnung des Thermalbades weiterhin mit mindestens 1 Mio Euro Verlust jährlich rechnen müssen. Und das bei der sehr optimistischen Besucheranzahl von 145 000“, stellt König fest. Jede Unterschreitung der Besucherzahl erhöhe den zu zahlenden Verlust.

Überzeugt Und was meint Bürgermeister Klaus Hoffmann, Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke Bad Herrenalb GmbH, zu dem „Thermalbad Quo vadis“-Dokument? Wie er auf Nachfrage unserer Redaktion sagte, könne er sich noch an die Kommunalwahl 2019 erinnern. Da habe sich die UBV für einen Erhalt der Therme – wirtschaftlich vernünftig – ausgesprochen. Und Ende Oktober dieses Jahres habe der Gemeinderat nun mehrheitlich beschlossen, „dass die Höhe des von der Stadt Bad Herrenalb jährlichen zu zahlenden Verlustes für den Betriebszweig Thermalbad an die Stadtwerke GmbH nach Wiedereröffnung des Thermalbades, spätestens für das Rechnungsjahr 2026, auf die Obergrenze von 500 000 Euro festgesetzt wird“. Somit sei doch alles geklärt. Im Übrigen hätten wohl nicht alle Mitglieder der UBV-Fraktion die gleiche Auffassung, wie man bei der Abstimmung gesehen habe. Diese Stadträte und auch welche aus anderen Fraktionen seien wie er überzeugt davon, dass sich nach der Revitalisierung der Siebentäler Therme das Ergebnis signifikant verbessere. Deshalb werde ja investiert.

Kein guter Stil

Kontraproduktiv Hoffmann erinnert daran, wie fragil die Wirtschaft sei. Er sei sich nicht sicher, ob allen bewusst sei, was passieren könne, wenn weiter mit Vehemenz gegen das Projekt geschossen werde. Schlechtreden sei unangebracht. Das komme mit Blick auf weitere Investitionen in der Stadt gar nicht gut an. Die Öffentlichkeit zu instrumentalisieren, wenn man mit einer Entscheidung nicht zufrieden sei, das sei kein guter Stil. Es sei nicht klug, ein Wirtschaftsunternehmen, das der Stadt gehört, so darzustellen. „Das ist kontraproduktiv“, so das Stadtoberhaupt.

Nur Schätzgrößen

Wie viele Millionen die Revitalisierung insgesamt kosten wird, könne „Stand jetzt“ nicht belastbar beantwortet werden. Die Kostenberechnung des Architekten für die jetzigen Baumaßnahmen liege bekanntlich bei knapp 15 Millionen Euro. Welche Kosten für einen späteren Bauabschnitt, in fünf oder sieben Jahren, anfallen werden, könne man noch nicht sagen. Aktuell gehe man von sechs bis sieben Millionen Euro aus, das seien bislang aber nur Schätzgrößen. Jetzt „definitive Zahlen“ zu nennen „ist nicht seriös, zumal man auch noch nicht sagen kann, in welcher Höhe der zweite Bauabschnitt gefördert werden wird“.

Besichtigung Auf die Frage, ob nicht eine Bürger-Info-Veranstaltung zum Thema Siebentäler Therme sinnvoll sei, erinnerte der Rathauschef daran, dass im Juli im Rahmen des Bürgerbeteiligungsprozesses eine öffentliche Besichtigung der Baustelle stattgefunden habe. Hier habe Geschäftsführerin Karina Herrmann Rede und Antwort gestanden, „was von den Teilnehmern sehr positiv bewertet wurde“. Hoffmann geht davon aus, dass dies nicht die letzte Informationsveranstaltung der Stadtwerke war.