Mittendrin: Redaktionsvolontär Thomas Rahmann wagt sich mit Hilfe von Trainerin Birgit Quinzio das erste Mal auf ein großes Pferd – und berichtet von interessanten Infos der Therapie-Trainerin und der eigenen Erfahrung.
„Wir bilden die Pferde alle selbst aus“, sagt Birgit Quinzio, Betreiberin des Nagolder Bleichhofs. Ihre Töchter gewöhnen die Pferde daran auch dann ruhig zu bleiben, wenn sie rufen und klatschen oder schief auf ihnen sitzen. Wie sitzt es sich auf einem Pferd? Auf einem ihrer Therapiepferde scheint ein Selbstversuch sicher zu sein: Das erste Mal auf einem großen Pferd zu sitzen.
Dementsprechend bin ich einigermaßen aufgeregt, als ich mich schließlich auf das große weiße Pferd schwingen soll. Seitlich vom Pferd steht ein kleines Treppchen. Ich halte mich an beiden Sattelgriffen, ziehe mich mit Quinzios Hilfe hoch, so dass ich bäuchlings quer über dem Pferderücken liege. Ich drehe mich, positioniere ein Bein rechts und eines links vom Pferd – und sitze.
Quinzio geht in die Mitte des Platzes, hält das Pferd an einer langen Leine und dirigiert es: Das nenne man Voltigieren, sagt sie. Dadurch, dass sie das Pferd beim Voltigieren führe, muss ich auf dem Pferd nicht die Kontrolle übernehmen und könne mich so auf meinen eigenen Körper und die Bewegungen konzentrieren.
Die liegende Acht
Zunächst kommt es darauf an, in der Mitte zu sitzen, sagt Quinzio. Ich schließe kurz die Augen, um die Bewegungen des Pferdes besser wahrzunehmen und mich ihnen anzupassen. Nach rechts und links bewegt mich das Pferd wenig, eher vor und zurück. Das sei sehr verschieden von Pferd zu Pferd, erklärt Quinzio.
Jedes Kind, dem sie das Reiten und Voltigieren nahe bringt, brauche eine andere Bewegung des Pferdes – und somit auch das passende Pferd. Grundsätzlich zeichne die Hüfte beim Sitzen auf dem sich bewegenden Pferd aber quasi eine liegende Acht in die Luft.
Das Zählen im Takt
Ich fühle mich sicher auf dem breiten Pferderücken. Quinzio sagt mir, ich soll 7er-Reihen zählen, vor und zurück. „Sieben, 14, 21, 28,...“ Die Gedanken, die sich gerade noch um die Frage drehten, ob ich alles richtig mache, sind nun aufs Zählen konzentriert. Zählen habe außerdem viel mit Rhythmus-Gefühl zu tun, sagt Quinzio. Ich soll im Takt des Pferdeschritts zählen. Hier kommt die promovierte Diplompsychologin zum Vorschein.
Schulterkreisen auf Pferderücken
Die Haltung meines Rückens und der Schulter sei typisch für meinen Beruf, bei dem ich viel am Computer sitze, gibt mir Quinzio als Rückmeldung und rät mir zum Schulterkreisen. Diese Übung auf einem Pferd zu machen, ist etwas komisch, aber angenehm. Etwas irritiert es mich, dass das Pferd immer noch so langsam läuft wie am Anfang. Ohne, dass ich den Gedanken ausgesprochen hätte, sagt Quinzio das Pferd melde ihr als Voltigier-Führerin, wie es dem Reiter auf dem Tier geht. Ich bin noch etwas unsicher – daher laufe es langsam.
Galoppsimulator
Das erste Mal Galoppieren üben viele ihrer Schüler auch gar nicht direkt auf dem Pferd, sagt Quinzio. Sie besitze einen elektronischen Galopp-Simulator – das sei für Reiter und Pferd erstmal angenehmer.
Ich kann abschließend auch noch eine Runde rückwärts auf dem Pferd sitzen, was meine Bewegungen auf dem Pferd wiederum verändert.
Pferde sind kein Sportgerät
Normalerweise gehört zum Reiten oder Voltigieren auch dazu, das Pferd erst entspannt zu putzen und fertig zu machen. Mir wird bewusst, wie wichtig es ist, das Tier auf diese Weise zunächst etwas kennenzulernen. Das hatte mir, denke ich, etwas gefehlt – ich habe mich schließlich gleich auf das Pferd geschwungen.
Abgang über den Po
Quinzio schlägt mir vor, mich auf den Po des Pferds zu setzen und dann abzuspringen. Ich denke, ein nicht speziell dafür trainiertes Pferd, würde das wahrscheinlich nicht dulden und bewundere die Ruhe des Tiers, als ich halb an ihm herunterrutsche und halb springe. Meine Beine fühlen sich schließlich an, wie nach dem Schwimmen von zehn 50 Meter-Bahnen – und ich merke, dass das Sitzen auf einem Pferd ganz viel mit Bewegung zu tun hat.
Zur Serie
Es wird Zeit für einen Selbstversuch. Ob ganz alltäglich oder doch außergewöhnlich, ob schweißtreibend-sportlich oder musisch-entspannt – unsere Reporter geben in der Serie „Mittendrin“ alles. Sie schwitzen mit beim Sport, wagen sich in den Boxring oder versuchen sich als Tierpfleger.