Dass Mathews Pouthur aus Indien Christ ist und Theologie studiert, kann auf die Missionstätigkeit des Heiligen Thomas zurückgeführt werden. Foto: Heimpel

Die Seelsorgeeinheit Bregtal hat Verstärkung bekommen: Theologiestudent Mathews Pouthur aus Südindien absolviert sein Praxissemester im oberen Bregtal.

Furtwangen - Durch die Mitarbeit in den Pfarrgemeinden soll er Einblicke in die praktische Seelsorge erhalten. Mathews Pouthur ist 29 Jahre alt und kam vor fünf Jahren nach Deutschland. Er kam allerdings nicht, um Theologie zu studieren, sein Ziel war vielmehr ein Studium der Ingenieurswissenschaften. Während seiner Vorbereitung auf dieses Studium, unter anderem mit Sprachkursen, lernte er die katholische Kirche in Deutschland kennen. Und bei diesen Kursen in Radolfzell wuchs in ihm der Wunsch, Theologie zu studieren und Priester zu werden.

"Thomaschristen" blicken auf 2000 Jahre alte Tradition

Mathews Pouthur stammt aus Kerala in Südindien, wo das Christentum nach der Missionierung durch den Apostel Thomas im ersten Jahrhundert nach Christus eine große Rolle spielte. Die "Thomaschristen" blicken dort auf eine 2000-jährige christliche Tradition zurück. Er selbst gehört der syro-malabarischen Kirche an, die zu den mit Rom vereinigten Ostkirchen gehört. Schon in Jugendjahren war er in der Pfarrgemeinde aktiv, unter anderem als Ministrant.

Abitur aus Indien nicht anerkannt

Er wandte sich dann mit seinem Wunsch an das Priesterseminar in Freiburg und nach einer längeren Bedenkzeit entschied er sich dann endgültig, 2016 ins Priesterseminar in Freiburg, das Collegium Borromaeum, einzutreten. Hier begannen die Vorbereitungen für das Theologiestudium. Unter anderem brauchte er einen anerkannten Schulabschluss, nachdem sein Abitur aus Indien nicht anerkannt wurde. Hier gab es entsprechende Studien in Heidelberg. Außerdem absolvierte er die Vorbereitungen für das Theologie-Studium, wozu ein Sozialpraktikum in einem Altenheim gehörte ebenso wie ein intensiver Bibelkurs, unter anderem in Israel. 2018 begann offiziell sein Theologiestudium an der Universität Freiburg.

Im dritten Jahr geht’s in die Studentenbude

Das dritte Studienjahr wird in der Theologie traditionell als "Externitas", also als Studium außerhalb absolviert. Hier ging Mathews Pouthur 2020 für zwei Semester an die Universität Würzburg. Während er in Freiburg im Priesterseminar zusammen mit den anderen Priesteramtskandidaten lebte und studierte, wohnen die Studenten in der Externitas in einer üblichen "Studentenbude" in der Hochschulstadt.

Für Mathews Pouthur war dieser Abschnitt vor allem auch die Gelegenheit, einmal andere Professoren und damit auch andere Denkweisen und Meinungen kennenzulernen. Diesen Sommer kam er nun aus Würzburg zurück und absolviert nun den nächsten Abschnitt im oberen Bregtal: das Praxissemester.

Während dieses Semesters geht es darum, Leben, Verwaltung und Führung zu erleben und in der konkreten Seelsorge vor Ort aktiv zu werden. Mathews Pouthur freut sich, dass er dieses Praxissemester im oberen Bregtal absolvieren kann. Nicht zuletzt kennt er den Leiter der Seelsorgeeinheit Pfarrer Harald Bethäuser schon länger, denn Bethäuser war bis zu seinem Amtsantritt in Furtwangen im vergangenen Herbst in der Priesterausbildung der Erzdiözese engagiert.

Begeisterter Rennradfahrer wie Pfarrer Bethäuser

Und noch etwas verbindet Mathews Pouthur mit Pfarrer Bethäuser: Er ist begeisterter Rennradfahrer und in der Region schon unterwegs gewesen. Er freut sich auch, in den nächsten Tagen den zweiten Seelsorger der Seelsorgeeinheit, Pfarrer Martin Schäuble, kennenzulernen. Im nächsten halben Jahr wird er in allen Pfarrgemeinden der Seelsorgeeinheit immer wieder aktiv sein.

Er ist gespannt, das konkrete Gemeindeleben mitzuerleben, wie er sagt. Das beginnt beim Religionsunterricht in der Schule. Auch die Vorbereitung von Gottesdiensten wird zu seinen Aufgaben gehören. Nicht zuletzt hat er sich vorgenommen, verschiedene Projekte zu realisieren. Dazu gehören Besuche im Kindergarten genauso wie ein Seniorenabend. Ebenso interessiert ihn das Thema Seelsorgeeinheit, wenn nur zwei Priester gleich mehrere Pfarreien versorgen müssen. In Kerala hat noch jede kleinste Pfarrei ihre eigenen Priester. Aber auch der eigentliche Ablauf der Liturgie im Gottesdienst ist für ihn von besonderem Interesse, denn in Kerala wird der syro-malabarische Ritus praktiziert. Die syro-malabarische Kirche hat einen besonders reichen Ritus mit Gesten und Bräuchen bewahrt, zu der auch folkloristische Tänze gehören (Magram Kali), die die Evangelisierungsgeschichte darstellen.