Den Feinden der Demokratie entgegenstehen, so lautet der Appell von Ex-Minister Theo Waigel.
Zum Festakt zum Tag der deutschen Einheit des CDU-Kreisverbandes Zollernalb und des CDU-Stadtverbandes Albstadt hatte Bundestagsabgeordneter Thomas Bareiß den früheren Bundesminister Theodor Waigel als Redner gewonnen.
Waigel habe die Wiedervereinigung und Europa mitgestaltet, sagte Bareiß. Auf die Frage, was ihn bewegt habe, den Termin im Zollernalbkreis zuzusagen, antwortete der Bundesminister lächelnd, dass es nicht mehr viele Zeitzeugen gebe. „Ich habe zwar keine Geschichte studiert, aber ich war dabei.“ Zum Leidwesen seiner Frau sei er immer noch gerne unterwegs, um Vorträge und Reden zu halten, gerne würde er auch mal Leserbriefe schreiben, um seinen Missmut kund zu tun.
In der Politik gilt es, besonnen zu agieren
Waigel ist bekannt dafür, zu mahnen, in der Politik nicht den Verlockungen des Populismus zu erliegen, sondern besonnen zu agieren. Die Frage, ob der Opportunismus seit seiner Zeit im deutschen Bundestag zugenommen habe, beantwortete er mit einem Ja. Es sei schriller geworden. Zu seiner Zeit habe die Politik mehr Tiefgang gehabt. Politik müsse jedoch hart sein, und man müsse auch manches schlucken, meinte er. Der Streit müsse aber um die Sache gehen, und der Respekt gegenüber den Anderen sei Grundlage.
Waigel erzählte in diesem Zusammenhang, dass er mit dem SPD-Bundeskanzler Helmut Schmidt befreundet gewesen sei und dieser ihm kurz vor dessen Tod geschrieben habe, um Waigel zu sagen, dass er in ihm einen Freund habe. Wichtig ist es Waigel, dass alle gemeinsam den Feinden der Demokratie entgegenstehen. Wer die Demokratie missbrauche, sei ein Feind der Demokratie.
Ein Parteiverbot der AfD „ist nicht sinnvoll“
Zu den jüngsten Wahlergebnissen erklärte Thoma Bareiß, dass man die Ängste der Menschen ernstnehmen müsse, um die Menschen von der AfD fernzuhalten. Ein Parteiverbot halten er und Waigel für nicht sinnvoll, da es die AfD nur stärken würde. Waigel befürwortet, auch gegen Leute aus den hinteren Reihen der AfD juristisch vorzugehen. Er erkennt einen Trend zum Extremismus allgemein in Europa. Um diesen Trend nach rechts aufzuhalten, sei viel Aufklärung durch die Politik nötig.
Der promovierte Jurist, der mit 20 Jahren in die CSU eintrat, wurde früh persönlicher Referent bei bayrischen Ministern. 1972 zog er erstmals in den Bundestag ein und blieb bis 2002 Abgeordneter. Unter Franz Josef Strauß wurde er 1973 Vorsitzender der CSU-Grundsatzkommission. Als 1982 Helmut Kohl als Bundeskanzler die Regierung übernahm, wurde Waigel Landesgruppenchef im Bundestag und nach dem Tode von Strauß 1988 CSU-Chef. Von 1989 bis 1998 fungierte Waigel als Bundesfinanzminister. Als „Mr. Euro“ wird er heute noch bezeichnet, da er der Namensgeber der europäischen Gemeinschaftswährung ist.