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Wasserlieferungen von der Feuerwehr notwendig / Sommer zu trocken und zu heiß

Erschreckende Szenarien in Sachen Wasserversorgung hörte man in den vergangenen Jahren der heißen und trockenen Sommer immer wieder. Speziell Wasser-Selbstversorger in der Landwirtschaft waren in vielen Orten des Schwarzwalds, auch in Schonach, auf Wasserlieferungen der Feuerwehren angewiesen.

Schonach. "Geht unserem Wald das Wasser aus?" Mit dieser provokanten Frage beschäftigten sich die Mitglieder des Ortsverbands Schonach von Bündnis 90/Die Grünen bei einem Themenabend im Haus des Gastes vor rund 50 Besuchern. Welche Auswirkungen hat der Klimawandel auf die Wald- und Wassersituation rund um Schonach?.

Geladen waren dazu der Geschäftsführer der Firma aquavilla, die unter anderem mittlerweile auch in Schonach für die Versorgung mit Trinkwasser zuständig ist, Johannes von Stemm, der dazu die Seite des Forstes vertrat.

Die aquavilla ist ein interkommunaler Zusammenschluss im Bereich der Wasserversorgung, zuständig für die Daseinsfürsorge sei aber nach wie vor jede Gemeinde selbst. Zwar habe der diesjährige Sommer dazu geführt, dass sich die Grundwassersituation deutlich verbessert habe, betonte Dold in seinem Vortrag – allerdings sei man längst nicht auf der sicheren Seite. In sieben Kommunen und 20 Ortsteilen sei die aquavilla beauftragt, die Wasserversorgung zu gewährleisten dazu kämen derzeit etwa 400 Eigenversorger, 2,1 Millionen Kubikmeter Wasser betrage dabei die jährliche Wasserabgabe. Schonach gehöre dem Verbund seit 2015 an.

In den vergangenen Jahren sei die Versorgungssituation in etlichen Gemeinden an die Kapazitätsgrenze gekommen, direkt betroffen waren unter anderem Schönwald und Schonach, aber auch Vöhrenbach. 2017 habe man eine interkommunale Wasserversorgung in Zusammenarbeit mit Furtwangen in die Wege geleitet, die gerade rechtzeitig fertig geworden sei. "Die Jahre zwischen 2018 und 2020 wären in Schönwald und Schonach ansonsten kritisch geworden", betonte Dold.

Netzverlust dramatisch

Dabei speisen 30 eigene Quellen das Wassernetz des Dorfs, die 205 000 Kubik geschüttet hätten, davon seien rund 149 000 Kubik verkauft worden – der Verbrauch liege deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Dramatisch sei gerade in Schonach der Netzverlust, der auch nach eingehenden Reparaturen noch immer bei knapp 25 (2019 lag der Wert jenseits der 45) Prozent liege – mithin gingen auch 2020 rund ein Viertel der geförderten Trinkwassermengen "den Bach runter". Nach wie vor gelte die Devise: "Wasser verwenden, nicht verschwenden."

Ob denn Furtwangen mit seinen beiden Tiefbrunnen es sich leisten könne, die drei genannten Gemeinden mit zu versorgen, lautete eine der Fragen, die der Wassermanager beantworten durfte. Dahin gehend habe er keine Sorge, so Dold, Untersuchungen namhafter Institute hätten den beiden Tiefbrunnen enorme Leistung bescheinigt. Trinkwasser, so beantwortete er eine weitere Frage, sei das wohl am stärksten kontrollierte Lebensmittel in Deutschland und habe eine ausgezeichnete Qualität.

Johannes von Stemm zeigte in seinem Vortrag auf, dass der Wald um Schonach vor rund 250 Jahren nur etwa 38 Prozent der damaligen Fläche beansprucht habe, heute liege der Waldanteil bei etwa 66 Prozent. Die dabei zugrunde liegende Waldstruktur mit einem enormen Anteil an Fichte sehe nicht nur er eher kritisch. Er stellte mehrere Szenarien des Klimawandels vor, mit dem Ergebnis, dass die Fichte wohl in den nächsten Jahren immer stärker abnehmen werde, da die flach wurzelnden Bäume nur das Oberflächenwasser abschöpfen könnten – was durch eine zunehmende Bodenverdichtung gar nicht eindringen könne, speziell bei Starkregen fließe es oberflächlich ab. Daher gerieten die Fichten zunehmend in "Trockenstress". Zwar seien fast alle Baumarten ebenfalls betroffen, viele jedoch deutlich weniger.

Resistente Bäume pflanzen

Auf Dauer gesehen müsse der Wald daher dahingehend umgebaut werden, dass resistentere Bäume gepflanzt werden müssten, wo die Fichte weiche. "Das Problem dabei ist, dass wir im Wald nicht in Jahren, sondern eher in Jahrhunderten rechnen müssen", machte der Forstmann deutlich. Wo weniger Wald stehe, fließe das Wasser schneller ab, zeigte er ein Dilemma auf. Fragen über den Naturpark Nordschwarzwald sah er aus einem anderen Blickwinkel als die "normal" genutzten Wälder – die Zielsetzung sei eine andere. Landtagsabgeordnete Martina Braun meinte, wo früher Grünland gewesen sei, könne doch heute wieder Grünland entstehen – auch dieses sei schließlich Kohlendioxid-Speicher – der Wald allerdings speichere deutlich mehr und bei einer Kaskadennutzung bleibe dieses lange gespeichert.