Der ehemalige Profifußballer beim SC Freiburg besuchte die vierten Klassen der Grundschule Friesenheim-Schuttern.
„Bunte Hände gegen Rassismus“ – so heißt ein Thema, mit dem sich die Kinder in der vierten Klasse auseinandersetzen. „Wir sind eine sehr bunte Schule“, sagte Rektor Oliver Bensch. Und auch wenn in Friesenheim alles harmonisch sei, werde das Thema Rassismus in der Grundschule behandelt. Leichter erfahrbar wird das Thema mit einem für die Kinder „sehr hohen Besuch“: Der frühere Profifußballspieler beim SC Freiburg Karim Guédé wurde von Rektor Bensch eingeladen und der heutige Scout beim SC Freiburg hat sofort zugesagt. Guédé hat togoischen Wurzeln und war mehr als sechs Jahre beim SC Freiburg aktiv. Zuvor war er jahrelang für die slowakische Nationalmannschaft im Einsatz.
Beim Besuch waren die Kinder ganz aus dem Häuschen. Ein paar Schüler haben sich extra ein Trikot vom SC Freiburg angezogen. Darauf sollte nach der Stunde Guédé sein Autogramm hinterlassen. Aber nicht nur dort. Bilder wurden gemalt und von ihm signiert. Dann lud Klassenlehrerin Madeleine Oelze zur Stille und Konzentration ein und schon saßen alle im Kreis. Ruhig und und voller Empathie sprach der 40-Jährige zu den Kindern.
Guédé ermunterte die Kinder, Träume zu haben und daran festzuhalten
Zuerst wollten die Kinder wissen, wie er überhaupt zum Fußball gekommen ist. Mit seiner Familie hat er in Hamburg gelebt. Gegenüber des Hochhauses, in dem er lebte, war ein Fußballplatz. Nichts wollte er lieber als Fußballspielen – aber auch nie habe er in der Schule gefehlt. Wenn er gefehlt hätte, wäre das Fußballspielen ausgefallen. „Schule ist sehr wichtig“, sagte er ernst und schaute in die Gesichter der Kinder. „Ihr müsst immer fleißig sein und gut lernen und eure Hausaufgaben machen.“
Selten sei es in seiner Kindheit und Jugend vorgekommen, dass er wegen seiner Hautfarbe ausgegrenzt oder geärgert wurde. Später im Profisport kam es schon mal vor, dass die Konkurrenz, die auf dem Spielfeld verloren hatte, ihn in der ersten Enttäuschung gekränkt habe. Dass es nicht gegen ihn persönlich ging oder ein rassistischer Hintergrund zu erkennen gewesen wäre, betonte er.
Kurzum fragte er die Kinder nach ihren Träumen und betonte: „Es ist wichtig, einen Traum zu haben und daran festzuhalten.“ Und die Kinder erzählten: während ein paar Mädchen von einer Musikerkarriere träumten, sahen sich einige Jungs ebenfalls im Profifußball oder -handball. Als ein Kind sagte: „Ich habe keinen Traum“, wurde es still in der Klasse. Guédé ermunterte: „Versuche an dich und deine Kraft zu glauben.“ Und auch der Rektor der Grundschule erzählte von seiner Liebe zum Fußball, aber er sei doch viel lieber Lehrer geworden.
Vielfalt in den Klassen
Die Vielfalt der Klasse offenbarte sich, als die Kinder erzählten woher ihre Eltern kommen: Syrien, Türkei, Slowenien, Ukraine, Russland, Polen, Kasachstan, Rumänien oder Kirgistan. In der Kabine habe Guédé stets die multikulturelle Vielfalt erfahren. Deutlich erkennbar sei jedoch: „Die Welt ist im Umbruch. Es beschäftigt mich und ich merke, wie Menschen nicht aggressiv, aber ignorant sind gegenüber anderen Menschen. Das macht mich traurig. Für mich ist es das A und O, wenn Kinder verstehen, wie schön es ist von anderen Kulturen zu lernen, sich ihnen nicht verschließen.“ So richtete er sich zum Schluss nochmals an die Kinder und sagte: „Bleibt offen für diese Welt, hört zu und versucht wirklich jeden Menschen so zu nehmen, wie er ist.“ Nach 40 Minuten war Guédé für die vielen Autogramme bereit. Danach brach er nach Schuttern auf, wo er bereits sehnsüchtig von der dritten und vierten Klasse erwartet wurde.
Zur Person
Karim Guédé ist ein ehemaliger deutscher Profifußballspieler, der auch die slowakische und die togoische Staatsangehörigkeit besitzt. Mit dem SC Freiburg feierte er 2016 den Aufstieg in die Bundesliga.