Das Theater Eurodistrict Baden Alsace zeigte in seiner Komödie „D’fàmeli Strumpfmann“ viel Humor, sowie das Verhältnis der Elsässer zu ihren Nachbarn auf der anderen Rheinseite.
Zum zweiten Mal im Jubiläumsjahr der Gemeinde war das Theater Baden Alsace am Samstag in der Festhalle zu Gast. „D’fàmeli Strumpfmann“ hieß das Stück des im Elsass geborenen Johann-Peter-Hebel-Preisträgers Pierre Kretz. Allein der Titel ließ eine Klamotte befürchten. Weit gefehlt. Eine chaotisch-liebenswerte Familienkomödie voller Missverständnisse, Überraschungen und jeder Menge Lacher, hieß es in der Ankündigung.
Aber was Regisseur Edzard Schoppmann , durchgängig in schönem Elsässisch, auf die Bühne brachte, war ein mit komödiantischem Slapstick gewürztes Stück von historischer Tiefe. Es widmete sich, neben familiärem Trubel, der Zeitgeschichte einer Region, die über Jahrhunderte als Spielball zwischen Deutschland und Frankreich diente. So wurden 130 000 Elsässer in die Wehrmacht zwangsrekrutiert, darunter auch Alois Strumpfmann; fast ein Drittel kehrte nicht lebend zurück.
Ein schwieriges Thema unterhaltsam verpackt
Das Stück spielt in den späten 1950er-Jahren. Das Elsass ist wieder französisch. Die zwangsrekrutierten Überlebenden wurden von den Franzosen oft als „Verräter“ gebrandmarkt, hatten sie doch für die „Schwobe“ (elsässisch für Deutsche) gekämpft.
All das will der Gemeindeholzhauer Alois Strumpfmann (überzeugend: Luc Fontaine) seiner Frau Anna (resolut: Rachel Bernardinis) verständlich machen sowie seinen ganz auf Konsum und eigene Liebschaften ausgerichteten Töchtern Marie Thérése, Marie-Jeanne und Marie-France (herrlich unbeschwert: Henrietta Teipel, Ela Güldüren und Lena Sophie Knapp).
In der Familie geht einiges schief. Vater Alois verstößt seine von einem „Schwob“ schwangere Tochter und gerät darüber mit Anna in Streit – zum Glück mit schöner Versöhnung. Auch die anderen Töchter sind zunehmend unzufrieden mit der Ablehnung des Vaters gegenüber den Menschen jenseits des Rheins.
Zufrieden trotz belasteter Vergangenheit
Irgendwann kommt General de Gaulle nach Erstein und wird begeistert von den Ersteinern, darunter auch Alois, gefeiert. Bei einer Fernsehübertragung vom Treffen des Generals mit Bundeskanzler Adenauer zur Unterzeichnung des Elysée-Vertrags zeigt sich die Familie einhellig zufrieden – trotz belasteter Vergangenheit. Fazit: Auf einige Comedy-Einlagen wie die heißen Liebesträume der Töchter oder die verzaubernde Ankunft eines Kühlschranks – Zugeständnisse an die Besucherzahl – hätte man verzichten können. Aber auch so: Eine geglückte Inszenierung mit ausgezeichneten Schauspielern.
Binationales Theater
Seit 2005 betreibt das Theater Eurodistrict Baden Alsace einen grenzüberschreitenden binationalen Theaterbetrieb. Das Theater ist in der gesamten Region des Oberrheins mit Gastspielen unterwegs. Seit 2019 gibt es auch das Amphitheater im Europäischen Forum am Rhein als permanente Spielstätte an markanter Stelle genau auf der Grenzlinie.