Das Theaterstück lebt von starken Szenen und der Schauspielkunst der Laienschauspieler. Foto: Fritsch

„Madonna mia“ – die Aufführung der Geschichte der Schutzfrau von Rottweil ist eine Geschichte dreier Wunder. Und wie diese zustande kamen, das erlebten die Gäste der restlos ausverkauften Premiere in der Predigerkirche.

Das erste Wunder: die Madonna von der Augenwende im Dreißigjährigen Krieg während der Belagerung Rottweils durch die Franzosen und deren Abwehr im Jahr 1643.

 

Das zweite Wunder: Ihre Überführung in das Heilig- Kreuz-Münster nach der Säkularisierung durch das Herzogtum Württemberg nach 1802. Und das dritte Wunder: ihre Rückkehr als Replik der Madonna von der Augenwende auf den Hochaltar der Predigerkirche im Jahr 2024.

Nach einer Textidee von Felix Huby wurde diese Zeitreise von Stefanie Siegmeier, Sabina Kratt und Stephan Drobny in einzelne Szenen umgesetzt und von den 40 Akteuren mit aufwendigen Kulissen und den jeweils historischen Kostümen und verstärkender Lichtregie beeindruckend aufgeführt.

Besondere Nähe

Dem Publikum gefällt’s. Foto: Fritsch

Die emotionale Verbundenheit wurde verstärkt durch die musikalische Szenenkommentierung des Chores , „der Ökumänner“ unter der Leitung von Patrick Mink.

Die Augenwende

Zu einer großen Szene entwickelten die Darsteller das erste Wunder, das der Augenwende der Madonna während der Belagerung Rottweils durch die Franzosen unter Marschall Guébriant und dessen Niederschlagung – bezeugt durch das Deckengemälde von Joseph Wannenmacher in der barockisierten Predigerkirche.

Stark die Szene der betenden Frauen und des Kaplans (Stephan Drobny), die die Tränen gesehen und später bezeugt haben, und die Wende durch den verwundeten Ausspäher (überzeugend Christoph Frank).

Die Säkularisation

Ebenfalls beeindruckend: die Szene der Säkularisation nach 1802, während derer die Rottweiler Geistlichkeit und der Rat der Stadt unter dem Machtgehabe des Abgesandten des Württembergischen Herzogs (Hans-Peter Broghammer) scheinbar nichts zu sagen hatten (Zunftmeister Joe Oberle und Stadtrat Hambacher alias Herman Breucha als deutliche Gegenpole), während auf Druck der rebellierenden Bürgersfrauen die Madonna aus der enteignet-geschlossenen Predigerkirche in das Heilig Kreuz Münster überführt und damit für die Rottweiler gerettet wurde.

Stefanie Siegmeier (links) und Sabina Kratt (rechts). Foto: Fritsch

Wie ein roter Faden zog sich der Glaubenskrieg zwischen Katholischen und Evangelischen, der Vertreibung der Evangelischen nach der Reformation 1512, ihrer Rückkehr und späteren Zusammenarbeit in sichtbarem Zeichen der Charta Ökumenika im Jahr 2006.

Die Rückführung

Stadtführerin (Ester Kuhn-Luz) und ein ehemaliger evangelischer Pfarrer (Andreas Güntter) reflektieren den ursprünglichen Platz der Madonna auf dem auf sie ausgerichteten Hochaltar der barockisierten Predigerkirche und leiten somit das dritte Wunder ein, die endgültige Rückführung der Madonna von der Augenwende als Replik im Jahr 2004.

Zwei Madonnen wurden gegenübergestellt (durch Monika Kustermann die Replik in der Predigerkirche und Stefanie Siegmeier die Madonna der Augenwende im Hl. Kreuz Münster), aber „eine“ Maria als Garantin der ökumenischen Verbundenheit.

Das Marienlied

Zum Dank sangen alle Besucher mit den Musikern, dem Chor und den Schauspielern das überlieferte Rottweiler Marienlied, und endeten mit stehendem Applaus für die wunderbar inszenierte Zeitreise zur "Madonna mia.“