Die Theatersport-Truppe verquickt Schlagfertigkeit mit Schauspielkunst zu hoher Kompetenz in Improvisation. Das Publikum hat Freude an den Interaktionsspielen im Kurtheater.
Lange ist es her, dass in Freudenstadt das Tübinger Markenzeichen Theatersport auf die Bühne gekommen ist. Mehrere hundert Besucher belegten jetzt, dass das durchaus nicht aus der Mode gekommen ist.
Vielen Gästen war das Format in Kooperation mit dem Landestheater Tübingen vertraut, andere ließen sich erstmals auf das ungewöhnliche Mitmachspektakel ein. Spielleiter und Moderator Jakob Nacken wies fürsorglich darauf hin, dass niemand auf die Bühne genötigt würde. Die Besucher könnten sich also entspannt zurücklehnen, solange ihr Votum nicht gefragt war.
Mit Entspannung jedoch war es nicht weit her, denn was sich auf der Bühne abspielte, wurde vom Parkett und den Balkonen lauthals beklatscht und kommentiert. Dies war erwünscht und entsprach den Spielprinzipien.
Theatersport hat sich einen Namen gemacht
Theatersport geht zurück auf Ideen und Improvisationstechniken des Regisseurs und Dramatikers Keith Johnstone. Das ungewöhnliche Spiel wurde 1990 vom Leiter des Kinder- und Jugendtheaters beim Landestheater Tübingen Volker Quandt eingeführt und hat sich mit unzähligen Aufführungen als eigenständige, publikumswirksame Form einen Namen gemacht. Das Prinzip ist kurz gesagt ein Wettstreit zwischen zwei Gruppen, den Teams Coole Rampe in Rot und Fortuna Faust in Blau gewandet. Eine wesentliche Rolle kommt dabei dem Publikum zu: Es gibt den Darstellern Stil und Thema der Darbietungen vor. Sein Votum entscheidet letztlich über den Abendsieger.
In Freudenstadt traten für „Coole Rampe“ Johann Theisen, Tobias Rockenfeld und Felixa Dollinger an; für „Fortuna Faust“ legten sich Mirjam Woggon, Udo Zepezauer und Mbayo Bona ins Zeug. Jakob Nacken überwachte Zeitvorgaben und sanktionierte Verstöße der Protagonisten gegen die Regeln mit einer gelben oder roten Karte. Bei der Punktvergabe wurde er von Flynn Take unterstützt. Das Publikum stimmte mit dem Zeigen einer Karte mit rotem beziehungsweise blauem Druck ab.
Entzücken der Besucher
Musiker Klaus Rother spielte am Keyboard Melodien und Lieder ein, sporadisch ergänzt von Schlagzeugern. Viel Einsatz demonstrierte Jakob Nacken mit seinem „Warm Up“, mit dem er die Gäste auf Touren brachte. Eine vorgegebene Theatersporthymne mit allem, was dazu gehört, versetzte sie in keineswegs ernst gemeinte Andacht.
Schließlich fiel der Startschuss für das über zweistündige Unternehmen, das zum Entzücken der Besucher neben allerlei improvisiertem Klamauk mit Körpereinsatz ein Höchstmaß an Improvisationsvermögen und Kenntnisreichtum offenbarte. Vorgaben des Publikums für auch lokal angesiedelte Geschichten, Krimis, musikalische oder dramatische Einlagen lauteten beispielsweise „Energiekrise“, „Am Mummelsee“, „Rosamunde Pilcher“, „Spätzlesbrett“, „toller Marktplatz“ oder „kostenpflichtige Parkplätze“.
Gefühlsausbrüche wie Wut oder Verlangen
Besondere Lacherfolge erzielten die friedlichen Wettstreiter mit vorgegebenen Gefühlsausbrüchen wie Wut oder Verlangen. Selbst Franz Kafkas Liebesleben ging in die Improvisationen mit ein.
Zum Schluss hatte das Team Coole Rampe die meisten Punkte gesammelt und wurde zum Abendsieger gekürt. Das jedoch blieb im Rahmen des Gesamtkonzepts lediglich eine Marginalie. Das Entscheidende war der Spaß, den das Publikum an der Aufführung hatte.