Berthold Biesinger und Bernhard Hurm hatten mit ihrem Programm "Spätzle mit Soß" die Lacher auf ihrer Seite.   Foto: Becker

Theaterreihe: Berthold Biesinger und Bernhard Hurm bieten "Spätzle mit Soß"

Nagold. "Du musch do hanne diebe dobe num oder au do driebe obe num" – so könnte die Wegbeschreibung eines Schwaben lauten, doch Berthold Biesinger und Bernhard Hurm ernteten nicht nur mit leichten Seitenhieben auf die aktuelle Nagolder Verkehrssituation bereits erste Lacher, sondern ebenso im unmittelbarem Kontakt zum Publikum: "Wie heisch du? Und wieso kommsch jetzt erscht? Häsch dei Frisur net in Ordnung brocht?"

90-minütiger "Nachschlag"

Die philosophisch-humorige Schwabenkunde "Spätzle mit Soß" des Lindenhof- Theaters Melchingen wurde wegen des großen Erfolges nach der Premiere 2015 nun auch in Nagold als rund 90-minütiger "Nachschlag" (so die Theatermacher zur Neuauflage) gezeigt – ein echter Aufmacher für die diesjährige Nagolder Theatersaison. "Ihr kennet nach vorn komma, weil mir do oba schaffet des älles alloi", meinten der knallgrün gewandete Joseph alias Berthold Biesinger und sein Kollege Robert (Bernhard Hurm, Urgestein des Melchinger Theaters, in pinkfarbenen Anzug) mit Blick auf die Zuschauer der hinteren Reihen. Denn jeder durfte sich gemeint oder mit angesprochen fühlen, "weil es gibt Halbtags-, Ganztags-, Spätzles-, Feierabend- ,Exil- und …. Schwaben", die – so die beiden Akteure – eben eines gemein haben: "Mir schwätzed net viel." Also: Sprachlicher Überfluss wird tunlichst vermieden, denn die geistige Potenz kommt sowieso ohne "Drummenum" aus.

In zahlreichen kleinen Szenen, Liedern, Dia- und Monologen ergründen "Joseph" und "Robert" Lebens- und Gemütslagen, Eigenheiten und Spitzfindigkeiten des Schwaben, teilweise begleitet von Ukulele und Miniklavier, sehr zur Erheiterung des Publikums. Da galoppiert der Schimmelreiter schwungvoll übers Träublesfeld, bis er bei der Yogahaltung "Baum" fast vom Hocker kippt (Bernhard Hurm), da verrät der Heimatdichter, wie er, angefangen vom Besingen einzelner Bäume, bis hin zur umfassenden Lyrik "Am Rande des Spielfeldes" oder jene über neun Quadratkilometer Mischwald poetisch reifte. Bei "Moscht musch möga" bruddeln die beiden Schwabologen über den unsinnigen Import von Fremdwörtern und neumodischen Essgewohnheiten, beziehen immer wieder einzelne Zuschauer ein - und ernten herzliche Lacher. Die von Gerd Plankenhorn inszenierte szenische Reise durchs Schwabenland schlägt in der Hommage an Heimatdichter von Christian Daniel Schubart über Josef Eberle alias Sebastian Blau bis hin zu Helmut Pfisterer und Manfred Hepperle auch ernstere Töne an, balanciert aber immer gekonnt über einem heiteren Grundton.

Nicht nur "Pfennigfuchser"

Herrlich sind auch das mit gespitzten Lippen auf Hochdeutsch artikulierte "Es wäre vonnöten, dass sich in den Beeten die roten Beeten röten" (Bernhard Hurm) oder ganz praktisch vorgeführte Tipps zum Sparen: "Wer größere Schritt macht, kaa am Absatz spara – siehsch?". Dass das Schwabenland nicht nur die sprichwörtlichen Pfennigfuchser hervorgebracht hat, sondern ebenso zahlreiche Tüftler oder woher der Name Friedrichshafen kommen könnte, vermittelten die zwei Akteure in ihrer vergnüglich tiefschürfenden Schwabenkunde, wobei sie dazwischen mit absichtlichen Texthängern den Ernst ihrer Schaffigkeit auf der Bühne markierten. Mit "Fahr du net ieber mei Äckerle nei" im Walzertakt oder "Mer muss au faulenza kenne" verabschiedeten die beiden das begeisterte Nagolder Publikum, das sich erst nach zwei Zugaben zufrieden geben mochte.