René Pollesch, Dramatiker und Theaterregisseur, arbeitet nun für die Volksbühne Berlin. Foto: Daniel Karmann/dpa Foto: dpa

Die Berliner Volksbühne hat schwierige Jahre hinter sich. Jetzt übernimmt der Dramatiker René Pollesch das Theater. Ein Neustart inklusive Störaktion.

Berlin - Proteste, Besetzung, #MeToo-Vorwürfe. Die Berliner Volksbühne stand in den vergangenen Jahren so stark unter Beobachtung wie kaum ein anderes Theater in Deutschland. Nun hat der neue Intendant René Pollesch das Haus übernommen.

Seine erste Spielzeit eröffnete er am Donnerstagabend mit der Uraufführung von "Aufstieg und Fall eines Vorhangs und sein Leben dazwischen".

Vor dem Gebäude steht derzeit ein Zirkuszelt, im Theater selbst schwebte ein orangefarbener Vorhang über die Bühne. Mit Pollesch sind unter anderem der Schauspieler Martin Wuttke ("Tatort") und die Schauspielerin Kathrin Angerer an das Theater zurückgekehrt. Pollesch hat mit ihnen und anderen sein neues Stück entwickelt.

Darin geht es um arbeitende Roboter und den Schriftsteller Leo Tolstoi, ums Rauchen und um Theoriefähigkeit, um Kapitalismus und eigene Erwartungen, vor allem ans Theater. "Es gibt ja so die Erwartungen, wenn ein Vorhang aufgeht: Wann passiert endlich mal wieder was Krasses", heißt es an einer Stelle. Ach so, ein weißes Kaninchen taucht auch noch auf.

Die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz hat turbulente Jahre hinter sich. Rund ein Vierteljahrhundert leitete Frank Castorf das Haus. Seinem Nachfolger Chris Dercon schlug viel Protest entgegen, nach nicht mal einem Jahr gab er wieder auf. Dann sollte Klaus Dörr das Haus vorübergehend leiten, nach Vorwürfen mehrerer Frauen gab er den Posten in diesem Jahr früher ab als geplant.

Nun übernimmt - wie seit Längerem geplant - René Pollesch. Der 58-Jährige hat früher selbst an der Volksbühne gearbeitet, zuletzt inszenierte er für das Deutsche Theater in Berlin. Im neuen Stück kommen Technomusik und Kate Bush ("Running Up That Hill") vor, schnelle Texte und ein Bühnenbild von Leonard Neumann.

In Polleschs Stücken gibt es oft weder geradlinige Handlungen noch klassische Figuren. Diese "Ölspur einer kohärenten Figur, auf der man dann so Schlitten fährt im Repräsentationstheater", langweile die meisten Schauspielenden, sagte Pollesch der Wochenzeitung "Die Zeit". "Bei uns muss niemand anderthalb Stunden lang eine einigermaßen logische und kohärente emotionale Darstellung zeigen. Das schafft man ja selbst im Leben kaum."

Am Rande des Spielzeitauftakts gab es eine Störaktion. Die Polizei ermittelt wegen Körperverletzung. Ein 27-Jähriger habe am Donnerstagabend einen Mitarbeiter des Theaters attackiert, sagte ein Polizeisprecher am Freitag. Außerdem werde wegen Verstößen gegen das Infektionsschutzgesetz und einer nicht angemeldeten Versammlung ermittelt. Sechs Personen hätten lautstark vor dem Theater protestiert und vier von fünf Türen der Bühne mit Ketten und Fahrradschlössern verriegelt. Die Demonstranten waren laut dem Polizeisprecher der Querdenker-Szene zuzurechnen. Es seien Platzverweise erteilt worden.

Die Störaktion habe Flucht und Rettungswege behindert, deswegen habe man die Polizei gerufen, sagte Volksbühnen-Sprecherin Lena Fuchs. Mitarbeiter hätten die Schlösser entfernt. Die Vorstellung sei planmäßig über die Bühne gegangen. Laut Polizei wurde der Theatermitarbeiter nach einem Streit mit dem 27-Jährigen von diesem gegen die Brust gestoßen, so dass er stürzte und sich leicht verletzte.

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