An vier Abenden zeichnet das Theater Musikgeschichte nach in allen Farben. Foto:  

Das Züricher Theater Rigiblick bringt im Stuttgarter Theaterhaus die letzten vier Alben der Beatles mit großem Einsatz auf die Bühne.

Die Beatles machten Popmusik, mit großen Schritten. Vor mehr als 50 Jahren ließ die Band aus Liverpool ein Meisterwerk auf das andere folgen. Ihre Alben entwickelten enormen Einfluss, werden bis heute mit Begeisterung gehört, sind unvergessen. Einer, der sich genau an alles erinnert, ist Daniel Rohr vom Theater Rigiblick. Rohr, Jahrgang 1960, ist selbst ein großer Fan der Fab Four – „Die Beatles“, sagt er, „haben mich und viele andere Menschen mit ihrer Musik durch das Leben begleitet. Ich bin ein Kind des Vierviertel-Taktes. Ich liebe den Rock’n’Roll.“

 

Jeder Abend hat eine eigene Dramaturgie und Besetzung

Unter Daniel Rohrs Leitung hat sich das Züricher Theater darauf spezialisiert, die populäre Musikgeschichte auf die Bühne zu bringen als Verbindung von Text und Konzertperformance. Es spielt Tribute-Abende mit einer großen theatralen Aura, die Zeit und Lebensgefühl ihres Gegenstandes aufleben lässt. Es ließ das Woodstock-Festival wieder auferstehen und Regen auf die Bühne fallen; es spielte „The Dark Side of the Moon“ und verband die Musik von Pink Floyd mit einer Geschichte des Science-Fiction-Autors Ray Bradbury; es feierte Miles Davis‘ „Sketches of Spain“ und war bei den Stuttgarter Jazztagen 2024 zu Gast mit einem Ausflug in die Welt Ennio Morricones. Nun ist es zurück, mit vier Beatles-Shows der Superlative. An vier Tagen in Folge wird das Theater Rigiblick die letzten vier großen Alben der Beatles auf die Bühne bringen. In Zürich erlebten die Abende zu „Sgt. Pepper‘s Lonely Hearts Club Band“, dem „Weißen Album“ und „Abbey Road“ ihre Premiere jeweils im Jahr des Jubiläums der Veröffentlichung der Alben – 2017, 2018, 2019. Lediglich „Let It Be“ wurde erst im Jahr 2021 aufgeführt – „2020 feierten wir den 80. Geburtstag von John Lennon“, sagt Daniel Rohr. Jeder Abend verfügt über eine eigene Dramaturgie, Besetzung. Stets mit dabei sind Daniel Rohr und der Münchner Schauspieler Silvester von Hößlin. Sie schildern die Geschichte der Beatles aus unterschiedlichen Perspektiven.

Daniel Rohr im Einsatz. Foto: Francesca Pfeffer

Daniel Rohr fand Erzählfiguren, die den persönlichen und zeitgeschichtlichen Kosmos aufschließen, in dem die Musiker sich bewegten. Von „Sgt. Pepper“, dem Album des „LSD-Jahres“ 1967, berichtet er aus der Perspektive von Brian Epstein, dem Manager der Beatles. Derek Taylor, Pressesprecher der Band, stellt das „Weiße Album“ vor. Regisseur Peter Jackson, der Jahrzehnte später Zugang zu den Archiven erhalten sollte, kommt zu Wort, ebenso wie Yannis Alexis Mardas, bekannt als „Magic Alex“, ein griechischer Elektrotechniker, der von den Beatles zum Chef ihres desaströsen Subunternehmens Apple Electronics ernannt wurde, blinkende Gadgets erfand, auf die berauschte Musiker stundenlang starrten, und die Häuser der Beatles mit einem farbigen Kraftfeld schützen wollte. „Damals glaubten alle daran, dass, was sich in einem LSD-Traum zeigte, sich auch in Wirklichkeit machen ließe“, meint Daniel Rohr.

„Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band“ war das erste Album der Popmusik, das die Möglichkeiten eines Aufnahmestudios ganz ausschöpfte. Eine Live-Präsentation war niemals geplant. Nun erklingt jeder Ton, der auf dem Album zu hören ist, live auf der Bühne. Komplexe Arrangements werden vor einem Publikum umgesetzt – Harfenklang, Soundeffekte, auch das berühmte Crescendo, das George Martin für „A Day in the Life“ aufnahm. Ein vielköpfiges Orchester, Dutzende von Musikern wirken mit. Beim „Weißen Album“ steht ein verkleinertes Orchester auf der Bühne, bei „Abbey Road“ sind es Streicher. „Let It Be“ schließlich wird von einer kompakten Rock-Band gespielt. Immer ist das Ziel, ein Klangbild zu erschaffen, das dem Original in Detailreichtum, Energie und Atmosphäre möglichst nahe kommt.

Einblick in die Show. Foto: Theater Rigiblick

Viele Songs, die zur Zeit der Aufnahmen entstanden, aber keinen Platz auf den vier Alben fanden, sind ebenfalls zu hören – ob „Penny Lane“ oder George Harrisons „All Things must pass“, ein Stück, das bei den Sessions zu „Let it be“ ausführlich geprobt wurde. Daniel Rohr hat den Anspruch, seinem Publikum auf unterhaltsame Weise eine große Menge an Wissen über die Beatles zu vermitteln. Er leuchtet die Rolle aus, die George Harrison als Songwriter in der Band spielte, und zeigt, wie die Beziehung zwischen John Lennon und Yoko Ono sich entwickelte. Er sagt: „Ich möchte Theater machen, das die Menschen berührt, ich möchte Geschichten erzählen, die sie packen. Musik ist ein unglaublich starker Schlüssel dazu. Die Beatles waren nicht nur eine Band, sie waren Freunde. Wir wollen eine Ahnung davon geben, was durch die Freundschaft dieser unglaublich jungen Menschen entstehen konnte.“

Vier Abende, vier Alben

Meisterwerke
 „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ wurde veröffentlicht am 26. Mai 1967. „The Beatles“, bekannt auch als „White Album“/„Weißes Album“, erschien am 22. November 1968. „Abbey Road“ erschien am 26. September 1969. „Let it be“ wurde aufgenommen im Januar und Februar 1968 und am 8. May 1970 veröffentlicht, rund einen Monat nach der offiziellen Auflösung der Band am 10. April 1970. Jedes der Alben erreichte weltweit die Nummer 1 der Musikcharts.

Spieler
Das Theater Rigiblick besteht seit 1980 in Zürich, es wird von einem Verein getragen und ist spezialisiert auf Musiktheater. Seit 2004 wird es geleitet von Daniel Rohr.

Termine
„Tribute to the Beatles“ am Theaterhaus Stuttgart: Freitag, 6. Juni, „Sgt Pepper’s Lonely Hearts Club Band“. Samstag, 7. Juni: „The White Album“. Sonntag, 8. Juni: „Abbey Road“.Montag, 9. Juni: „Let It Be“. Jeweils um 20 Uhr in Halle T1. Karten unter 0711/4020720 und online unter www.theaterhaus.com