Szene aus „X-Freunde“ Foto: Aldinger

Die Stuttgarter Autorin Felicia Zeller ist wieder zurück gekehrt ans Stuttgarter Theater Rampe. Marie Bues, eine der beiden Intendantinnen, hat ihr Stück „X-Freunde“ inszeniert.

Die Stuttgarter Autorin Felicia Zeller ist wieder zurück gekehrt ans Stuttgarter Theater Rampe. Marie Bues, eine der beiden Intendantinnen, hat ihr Stück „X-Freunde“ inszeniert.

Stuttgart - Man könnte ja mal Entspannungsgymnastik machen oder einfach mal ausruhen. Doch Niko Eleftheriadis als Bildhauer Peter Pilz, Alexander Jaschik als ehemaliger Caterer Holger Holz und Evamaria Salcher als Unternehmensberaterin Anne Holz befinden sich viel zu sehr in ihren Hamsterrädern der Kreativität, als ernsthaft zur Ruhe zu kommen.

Insofern sind sie das typische Personal der in Stuttgart geborenen und aufgewachsenen Dramatikerin Felicia Zeller. Doch in der Inszenierung ihres Stücks „X-Freunde“ am Theater Rampe durch die Mit-Intendantin Marie Bues bekommen sie eine so grandiose Spielwiese bereitgestellt, dass auch sie immer wieder mal etwas innehalten können.

Hier gibt es keine Trennung zwischen Publikum und Bühne , gespielt wird mitten im Publikum, das sich lose auf seinen Sitzen im Raum verteilt. Dabei bleibt es freilich nicht: Immer wieder werden Stellwände verschoben, um neue Raumsituationen zu schaffen. Auch das Publikum selbst muss sich immer wieder mal umsetzen, damit Platz für neue schauspielerische Aktionen entsteht. Trotz dieser Anspannung verbreiten die drei unentwegt gute Laune, machen so auch entsprechende Schnappschüsse mit einer Videokamera zusammen mit einigen Besuchern. So entsteht beispielsweise einmal eine Art Laufsteg, auf dem das neue Cateringkonzept Eat and Roll vorgestellt wird. Zur Bekräftigung saust Jaschik auf einem Skateboard an den Publikumsreihen vorbei, ein Tablett mit Erdnussflips balancierend, während die anderen beiden über vegane Häppchen debattieren.

Gibt einer von den Dreien einen Dialog wider, macht er dies per Stimmverzerrer, um die verschiedenen Positionen zu verdeutlichen. Auch die Kamera stellt sie immer wieder vor neue Herausforderungen und ermöglicht dem Zuschauer weitere Blickperspektiven.

Insbesondere Jaschik ist ein Dynamiker bis zum Anschlag, der auch mal mit verbundenen Augen durch die Stuhlreihen robbt. Eleftheriadis redet sich in einen wahren Schaffensrausch hinein, sodass er vor lauter reden erst gar nicht zum arbeiten kommt. Und Salcher beschmutzt und bekleckert sich, wenn sie von ihrer Firma Privat Aid spricht.

Arbeitswelt und banaler Alltag gehen nahtlos ineinander über: Hochfliegenden Plänen, etwa Ausstellungskurator werden oder einen Kochkrimi schreiben, stehen Erwähnungen des Putzens von Bad , Herd oder Boden gegenüber. Hier gibt es keine Hierarchie der Tätigkeiten, die eine wie die andere reißt die Handelnden in den Sog.

Eine Lösung, eine Beruhigung gar, ist am Ende in diesem kreativen Horrorszenario nicht in Sicht. Doch dafür unterhält die Dramatikerin Zeller bestens und Bues versteht es, auch die Zwischentöne dieses doch sehr dichten Textes hervorzuheben.

Weitere Aufführungen am 21. und 22., 26. bis 29. 3. Karten unter 07 11 / 6 20 09 09 15

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