Malena Große gelingt am Landestheater Tübingen eine Inszenierung des Stückes „Doping“, welche die Pointen und Wendungen treffend herausarbeitet.
Es wirkt alles wie in einem Comic: grell und bunt, gegen den Strich gebürstet, gewürzt mit viel enthusiastischer Energie und mutiger Überzeichnung, grenzwertig, übertrieben und effektvoll echauffiert. Das Tempo im Stück „Doping“ von Nora Abdel-Maksoud, in dem das Leben ein sportlicher Wettkampf ist, weiß Regisseurin Malena Große bei ihrem Debüt am Landestheater Tübingen (LTT) geschickt aufzunehmen und in Spielfreude der Protagonisten umzusetzen.
Witzige Details, pointierter Klamauk und passende Musik
Im passenden in Grau gehaltenem Ambiente auf der Bühne der LTT-Werkstatt – Katharina Oleksinska schafft mit ihrem Bühnenbild Räume und verschiedene Ebenen – entwickelt sich ein Geschehen voller witziger Details, pointiertem Klamauk und angereichert mit der Musik von Hans Könnecke, die zusätzlich für Farbe sorgt in der Tübinger Inszenierung.
Gesellschaftliche relevante Fragen im Blickfeld der Tübinger Inszenierung
Die Regisseurin lässt die Figuren von ihren Beziehungen und inneren Beweggründen berichten, lässt sie über die gesellschaftlichen Fragen zum Thema Sozialsystem, Turbokapitalismus und Krankheit über die Geschlechterzugehörigkeit hinaus verhandeln und hat deshalb, um dies zu unterstreichen und frei zu interpretieren, die Rollen gender- und altersuntypisch besetzt, quer zum Mainstream, männlich für weiblich und umgekehrt. Die Besetzung korrespondiert damit plakativ mit den humorvollen Grenzüberschreitungen des Textes.
Das alles ist übertrieben dargestellt, flott, mit skurrilen Gags angereichert, affektiert und effektvoll: eine interessante theatralische Mischung. Und immer wieder gespickt mit Anspielungen. Hinter allem körperbetonten Spiel, aller eruptiver Körperlichkeit, allen witzigen Bildern bleibt die Ernsthaftigkeit der Probleme greifbar: Gering verdienende Menschen werden öfter krank, wer leistet bei den Kranken, Alten und Kindern die nötige Care-Arbeit, wie funktioniert Gesellschaft jenseits von Ausbeutung und wo erhält das Leben eine Chance jenseits von Leistungsmaximierung und dem Begreifen des Körpers als ökonomische Ressource.
Die Regiearbeit zeigt Mut, verstört bisweilen und trifft den Nerv des Stückes
Die Tübinger Inszenierung scheut sich dabei nicht, auch mit Slapstick und Comedy zu arbeiten, mit synchroner Gymnastik, double take, mit absurder Choreographie, wenn auch zwischendurch vielleicht ein wenig die Ideen aus- und verloren zu gehen drohen. Es bleibt stark, in den Monologen, im Gesang, akzentuiert und treffend artikuliert, auch dann, wenn alles im Chaos versinkt, wenn es auch mal kindisch wirkt, wenn es allzu derb und fäkal wird. In einer atmosphärischen Dichte gelingt der Regisseurin eine intensive Inszenierung, die mitunter verstörend ist – aber das ist gewollt und trifft den Nerv des Stückes.