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Mit gezinkten Karten ist am Samstag in Obernheim gespielt worden. Dort hat die Theatergruppe des Sportvereins das Lustspiel "Dem Himmel sei Dank" von Bernd Gombold zu einem himmlischen Ereignis gemacht.

Obernheim - Nach einem kurzen Vorspiel im Pfarrhaus hieß Bruno Weckenmann vom TSV Obernheim zahlreiche Gäste in der Mehrzweckhalle willkommen, wo die Theatergruppe in die Welt des Klerus geführt hat. Dass es hinter Kirchenmauern nicht immer ganz brav zu- und hergehen muss, bewiesen die Akteur mit ihrem lustigen und ironischen Spiel.

Kampf mit der Maus in der Keksdose

Im Stück "Dem Himmel sei Dank" von Bernd Gombold herrschen ungewöhnliche Zustände, denn Pfarrer Alfons wendet außergewöhnliche Mitteln an, um das Geld zu sammeln, das für die Kirchenrenovierung nötig ist. Walter Henne glänzte in der Rolle des Pfarrers, der um seine Strafversetzung nach Nusplingen bangen muss. Haushälterin Hermine (Carmen Steger) passt nicht nur kostümtechnisch trefflich in die Pfarrstube. Sie hat alle Hände voll zu tun, um die Situation im Pfarrhaus einigermaßen im Griff zu behalten. Dabei glänzt sie in ihrer Führungsrolle und brilliert im heiteren Verwirrspiel um Domkapitular Dr. Jüngling (Bruno Moser) und die Mieter im Haus. Moser überzeugte dabei nicht nur mit perfektem Minenspiel, sondern auch mit stimmlicher Präsenz. Zunächst hat Hermine freilich mit des Mesners Maus in der Keksdose zu kämpfen. Mesner Johannes Höll (Hans Moser) spielt ihr überhaupt so manchen Streich.

Der Erzengel auf dem Tisch

Doch nicht nur Hermine hat Angst vor Mäusen: Den Erzengel, wie Pfarrgemeinderatsvorsitzende Engel (Sabine Mayer) liebevoll genannt wird, treibt der schlitzohrige Johannes mit der Maus in der Keksdose sogar auf den Tisch. Sabine Mayer zeigte einmal mehr ihr schauspielerisches Talent – mal als emanzipierte Vorsitzende, mal als scheinheilige Tante, die sich durch Spenden das Wohlwollen des Bischofs für ihre Nichte Uschi (Michaela Braun) erkaufen will, denn alleine der Sitz der Kommastelle auf dem Scheck scheint ausschlaggebend für deren Aufstieg zu sein.

Franzbranntwein für Hochwürden

Siggi Bischoff (Patrick Weckenmann), Uschis heimlicher Freund, bringt es vom Liebhaber über den Pastoralreferenten zum Domkapitular und versetzte sich spielerisch geschickt in seine jeweilige Rolle. Lachsalven ernteten immer wieder die Szenen mit dem Mesner und seiner Frau Emma (Andrea Moser), die den Pfarrer mit Franzbranntwein, Marmelade und frischem Holundersaft verwöhnt. Der Wechsel von der erregten Ehefrau zur untertänigen, scheinheiligen Gläubigen gelang Andrea Moser hervorragend, was das Publikum mit viel Szenenapplaus belohnte.

Sportliches Bühnendebüt

Claudia Moser gab als Aerobic-Lehrerin Heidi Blum ein sportliches Bühnendebüt mit dem schweren Domkapitular Dr. Jüngling auf dem Rücken, der Bruno Moser auf den Leib geschneidert war. Er wird mal mit dem Pfarrer, mal mit dem Bischof verwechselt, ganz schwach bei seiner Leibspeise, geröstete Leber, und betet artig: "Herr segne dieses Mahl", während seine Haushälterin ergänzt: "auch das Küchenpersonal".

Weil das Sportheim geschlossen und im Adler das Bier zu teuer ist, wird im Pfarrhaus Karten gespielt und Hermine schmälert die Gewinnchancen des Geistlichen mit Beerenwein. Dass es im Pfarrhaus nie langweilig wird, dafür sorgen zudem die eingemieteten Gäste: die verklemmte Handarbeitslehrerin Heidemarie (Christa Henne), der das alles "sooo peinlich" ist, und der altledige Heiratswillige Hans Meßmer (Martin Moser), der sich mit wenig Text, jedoch mit grandioser Mimik, passender Gestik und der perfekten Kleidung in die Herzen der Besucher spielte.

Der Domkapitular auf der Flucht

Seine letzte Predigt – im Video dokumentiert – zwingt den Domkapitular schließlich in die Knie: Er fleht seinen Mitbruder an, still zu schweigen, reist ab, überweist einen großen Zuschuss für die Kirchenrenovierung und verschwindet auf Nimmerwiedersehen, während Pfarrgemeinderatsvorsitzende Engel in die Gemeindepolitik wechselt: "Dem Himmel sei Dank!"

Mit viel Applaus belohnte das Publikum die Akteure, die den Zuschauern mit viel Herzblut und großer Bühnenpräsenz, unterstützt von Souffleuse Ellen Moser, einen unvergesslichen Abend beschert hatten.  Nochmals aufgeführt wird das Theater am 11. Und 12. November. Einlass ist ab 18 Uhr, Beginn um 19 Uhr.