Die Biesmugga der Spielvereinigung Berneck/Zwerenberg nehmen nach gelungen gespielter Komödie den Applaus entgegen (von links): Corinna Kussack, Yvonne Kawka, Thorsten Herr, Susanne Haag, Robert Klaiss, Gaby Großhans, Horst Schaible, Florian Kussack und Helmut Wurster. Foto: Hans Schabert

Bisher hatten 450 Gäste ihren Spaß an der Komödie „Lass die Sau raus“. Wegen der großen Nachfrage gibt es am Samstag, 21. Februar, eine weitere Vorstellung im Bernecker Sportheim.

So radikal wie lautstark postulierend, „Schluss mit den Lebensmittelskandalen“ und „wir rufen auf zum Fleisch- und Wurstboykott“, stürmen die Protestlerinnen Karin Heppner, Lotte Reischel und Selma Sulzbach durch die Zuschauerreihen ins Biesmugga-Theater der Spielvereinigung Berneck/Zwerenberg und verteilen Flugblätter.

 

Was sich fast wie ein Überfall anhört und anfühlt, ist der Auftritt der professionell agierenden Laienspielerinnen Corinna Kussack, Gaby Großhans und Susanne Haag zu Beginn des Dreiakters, „Lass die Sau raus!“, von Andreas Wening in der schwäbischen Fassung von Regina Reichert.

Geschickt lässt die seit 50 Jahren das Sportheim temporär zum Theatertempel umwandelnde Truppe gelegentlich ein wenig Lokalkolorit einfließen.

Nächstes Jahr 50-faches Bühnenjubiläum

Hätten nicht 1977 ein Sportheimbrand Bauarbeiten anstatt Theaterspiel mit sich gebracht und Corona die alljährlich ein neues Stück einstudierenden leidenschaftlichen Schauspieler ein weiteres Mal zwangsweise aussetzen lassen, dann hätte Helmut Wurster als Opa Erwin Heppner jetzt sein 50-faches Bühnenjubiläum feiern können. So waren es eben „nur“ 49 Stücke für ihn. Aber was soll’s, im nächsten Jahr ist es dann so weit mit dem 50.

Dafür nahm die Tochter des Gaugenwälders, Corinna Kussack, aus der Hand von Vereinschef Martin Pietras das goldene „Oscärle“ von Dankesworten begleitet zum 30. Jubiläum entgegen.

Wer weiß, wie weit es diesbezüglich ihr Sohn im Stück wie im richtigen Leben, Mirco Heppner alias Florian Kussack, bringt, der wiederholt mitspielte.

Weitere Vorstellung kommt Ende Februar

Mit fünf ausverkauften Vorstellungen und rund 450 Zuschauern sind 2026 nicht alle Kartenwünsche befriedigt.

Unterbeschäftigten Souffleur

Deshalb legen die neun sportlichen Mimen zusammen mit Maskenbildnerin Martina Hammer und dem in seinem Kasten vor der Bühne so unsichtbaren wie ziemlich unterbeschäftigten Souffleur Hardy Kussack am Samstag, 21. Februar, ab 19.30 Uhr einen Zusatztermin nach.

Der Ablauf ist wie seit Jahren: Um 18 Uhr ist Saalöffnung. Wer möchte, kann sich für die nächsten Stunden stärken. Dafür sorgt seit 30 Jahren als Küchen- und Organisationschefin Waltraud Wurster mit einem Helferteam.

In den kurzen Pausen lassen sich die Gläser nachfüllen und bis zum nächsten Akt können sich die Lachmuskeln etwas erholen. Die werden auch im 50. Jahr, in dem die Theatergruppe des Sportvereins der Gaugenwalder, Zwerenberger und Bernecker einlädt, nicht geschont.

Das Schädliche in Nahrung wird zum Thema

Aufhänger des Geschehens sind die Schreckensmeldungen, was in Nahrungsmitteln an Schädlichem lauert, und dies lässt Karin Heppner und ihre Nachbarinnen Lotte und Selma aktiv werden.

Nur Vegetarisches auf dem Tisch

Um ihren Boykottaufruf gegen Wurst- und Fleischtheken zu untermauern, verkünden sie auch ihren Familien, dass von nun an lediglich Vegetarisches auf den Tisch kommt.

Die Begeisterung von Karins Ehemann Norbert (Thorsten Herr) und Sohn Mirco, hält sich da sehr in Grenzen. Karin stimmt nach einigem Hin und Her Norberts Idee zu, im alten Stall eine Sau namens Anita zu halten, wovon die naive Lotte und die militante Selma nichts wissen dürfen.

Als die beiden jedoch einen Streit zwischen den Heppners belauschen, vermuten sie fälschlicherweise, die Anita sei Norberts Geliebte.

Viele falsche Schlüsse – und viel Chaos

Nebenbei versuchen die Heppners zu vertuschen, dass ihr Bernhardiner Josef den Riesenrammler Rüdiger der Sulzbachs auf dem Gewissen hat.

Da jeder falsche Schlüsse zieht, überschlagen sich die Ereignisse: Metzger Hannes Wetzstein (Horst Schaible) wird als Auftragskiller eingestuft, die Psychologin Anita Amaryl (Yvonne Kawka) für Norberts Geliebte gehalten und Opa Erwin für tot erklärt.

Während Lotte und Opa mit Schweinebetäubungsmittel „erschossen“ werden, fürchtet Selmas naiver Gatte und Norberts bester Freund Schorsch (Robert Klaiss), den Verstand zu verlieren.

Die am Fenster lauschenden Nachbarinnen Selma (Susanne Haag) und Lotte (Gaby Großhans) ziehen aus dem belauschten Streit der Eheleute Karin (Corinna Kussack) und Norbert Heppner (Thorsten Herr) falsche Schlüsse und sorgen für Verwirrung. Foto: Hans Schabert

Sein Riesenrammler mutiert zum Zombie-Hasen. Wer die ganzen Irrungen einer locker-lustigen Geschichte noch nicht kennt und erfahren möchte, hat dazu beim Zusatztermin am Samstag, 21. Februar, Gelegenheit. Nur eines sei noch verraten: Bei so viel Verwirrung streikt schließlich sogar die Polizei.