Mitglieder der Jubiläumshospizgruppen Baiersbronn, Loßburg, Seewald und Dornstetten traten nach der Theateraufführung mit Moderator Michael Paulus (Zweiter von rechts) auf die Bühne im Kinzighaus Loßburg. Foto: Gerhard Keck

Zum Jubiläum von vier ambulanten Hospizgruppen im Kreis Freudenstadt hatte die Ulmer Theatergruppe Teatro International im Kinzighaus Loßburg einen eindrucksvollen Auftritt. Das zahlreiche Publikum dankte den Akteuren mit größter Wertschätzung.

Mit ihrer Szenenfolge „Endlich – ein Spiel mit dem Tod in acht Akten“ griff die preisgekrönte Truppe voll hinein ins Dasein, das vielerorts von einem unmäßigen Hedonismus gekennzeichnet ist. Dass der Tod allgegenwärtig ist, wird dabei ausgeblendet. Dessen Unberechenbarkeit ins Bewusstsein zu rufen, ist die Absicht der international besetzten Amateur-Theatergruppe.

 

Ihre ausdrucksstarke, größtenteils pantomimische Darbietung soll nach eigenem Bekenntnis dazu dienen, Gesprächen über das gern verdrängte Thema den Boden zu bereiten.

Pastoralreferent Michael Paulus moderierte als Leiter der Arbeitsgruppe Hospiz die Veranstaltung. Sein Gruß galt dem unerwartet großen Publikum und vor allem den acht Hospizgruppen im Landkreis.

Vier Jubiläen galt es bei dieser Gelegenheit zu feiern: Die Gruppe Dornstetten begleitet sterbende Menschen und trauernde Angehörige seit 30 Jahren, Loßburg und Seewald seit 20 Jahren, und Baiersbronn hat sich vor 15 Jahren gegründet.

Auch Loßburgs Bürgermeister Christoph Enderle hob auf die „segensreiche Arbeit der Hospizgruppen“ ab. Es sei gut, wenn „man eine Adresse hat“, die in bedrängenden Situationen aushelfe. Er sprach aus eigener familiärer Erfahrung.

Von Erfahrungen im Hospiz, im Krematorium und auf dem Friedhof inspiriert

Das „Teatro International“ Ulm unter der Regie von Claudia Schoeppl ließ sich für die Konzeption seines Stücks, entstanden aus einem Gemeinschaftsprojekt, von Erfahrungen im Hospiz, im Krematorium und auf dem Friedhof inspirieren. Was das Ensemble rund eineinhalb Stunden lang auf die Bühne bringt, hat demzufolge einen authentischen Anstrich.

Für ihre Interpretation ist kein aufwendiges Bühnenbild nötig. Sparsame Requisiten – unter anderem kurze Videosequenzen – versinnbildlichen und visualisieren ihre Aussageabsicht: Die Menschen sind ganz in Weiß gekleidet, tragen situationsbedingt Masken, nur der Tod fällt im Habitus aus dem Rahmen.

Die Gruppe Teatro International aus Ulm bespielte eindrucksvoll mit ihrem Stück „Endlich – ein Spiel mit dem Tod in acht Akten“ die Bühne im Kinzighaus Loßburg. Foto: Gerhard Keck

Viel Bewegung ist auf der Bühne. Hier genießen die Menschen das Leben in Unbeschwertheit und ohne Gedanken an ihre Endlichkeit, dort bringt der Tod unbarmherzig seine Ernte ein. Es heißt, das Leben sei ein Theaterstück ohne Theaterprobe. Mit Anleihen bei der griechischen Mythologie (Prometheus, Pandora, Orpheus und Eurydike) und bei der Popkultur kreist die Truppe um den Zusammenhang zwischen Leben und Sterben.

Am Grab stellt sich den Überlebenden die Frage, was man alles versäumt hat. Selbst an diesem Ort spielen sich private und geschäftliche Termine in den Vordergrund als Ausfluss eines Verdrängungsmechanismus.

Trotz allem war es nicht Aufgabe der Aufführung, das Leben insgesamt schwarzzumalen. Im Gegenteil: Selbst im Angesicht des unausweichlichen Todes gelte: „Lebe jeden Moment deines Lebens!“

Sachlich informieren, Ängste abbauen und Spekulationen entgegenwirken

Außergewöhnlich der Auftritt des erfahrenen Krematoriumtechnikers Oliver Mohr-Ege aus Ulm: Seine Beschreibung des Einäscherungsvorgangs, zwischen zweieinhalb und vier Stunden bei 850 Grad Celsius, war von der Absicht getragen, sachlich zu informieren, Ängste abzubauen und Spekulationen jeder Art entgegenzuwirken. Der Experte sieht es als Ehre an, den Beruf ausüben zu dürfen. Im Austausch mit dem Publikum gab die Theatergruppe abschließend bereitwillig Auskunft über ihre mit Leidenschaft ausgeübte Kunst.

Die Gäste waren am Schluss eingeladen, sich bei einem kleinen Umtrunk, organisiert von den acht Hospizgruppen im Landkreis, über das Gesehene und Gehörte auszutauschen.

Weitere Informationen gibt es beim Ambulanten Hospizdienst im Landkreis Freudenstadt, Kirchplatz 3, Freudenstadt, unter Telefon 07441/91 72 16 oder per E-Mail an michael.paulus@drs.de.