Andrea Broghammer (links) überzeugte die Besucher als Meta Blümchen und Luitgard Aust als Gieschen Spatz. Foto: Anton

Hier hatten zwei die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn am Ende ging der Schuss nach hinten los.

Das erlebten die Theaterbesucher der Komödie „Eine Sprachbox namens Alessa“ von Beate Irmisch. Die Schauspieler des Mandolinen-Orchesters Hardt legten in der Arthur-Bantle-Halle eine Aufführung hin, die für die Besucher zum echten Hochgenuss wurde.

 

Die neue KI-Sprachbox der Hoppenstedts, gedacht für schwierige Aufgaben und gekauft zur Anhebung des Renommee, entwickelte sich zur moralischen Instanz, die mit negativen Titulierungen und Enthüllungen für Irrungen und Wirrungen sorgte und am Ende die Fäden in der Hand hatte.

Die beiden Einbrecher Alexander Schlau und Bubi Dümmlich hatten sich darauf spezialisiert, in Häuser einzubrechen, deren Bewohner in Ferien sind. Bei den betuchten Hoppenstedts – der Mann ist Bankdirektor der Hardter Bank und die Wohnung verriet einen gehobenen Standard – vermuteten sie, Kohle zu machen.

KI mit Eigenleben

Beide konnten nicht ahnen, dass sich sowohl Elmar als auch Edith Hoppenstedt, unabhängig voneinander, mit ihren jungen Liebschaften zu einer Liebeswoche im Haus der der Hoppenstedts verabredet hatten. Offiziell machten sie Urlaub, allerdings getrennt. Aber in Wirklichkeit fuhren sie gar nicht weg. Eine wichtige Rolle spielte Elmars neugierige Tante Gieschen, die nur allzu gern nach dem Rechten schaute und als Verstärkung meist ihre Freundin Meta im Schlepptau hatte.

Da keiner vom Aufenthalt des anderen im Hause Hoppenstedt wusste, entwickelte sich ein unheimliches Gespinst. Hinter den Kulissen agierte Alessa, Elmars neumodische KI-Sprachbox, die immer mehr Eigenleben entwickelte und Spaß daran bekam, ins Geschehen einzugreifen. Das brachte alle Beteiligten in Bredouille.

Die Regie – diesmal ein Leitungsteam (Luitgard Auber, Andrea Broghammer und Anton Haberstroh) – hätte die Rollen nicht passender verteilen können. Jochen Broghammer, im Spiel ein renommierter Bankchef, agierte gekonnt als Gigolo, der mitten in seiner Midlife Crisis steckte.

Vom Jugendwahn getrieben

Sonja Fichter mimte die gepflegte Millionärsgattin, andererseits aber die von Lebensgier und Jugendwahn Getriebene, die glaubte, ihr Alter dadurch zu verjüngen, dass sie sich mit einem jungen Playboy umgab. Sie überzeugte sowohl als geschmeichelte Lady als auch in peinlichen Schrecksituationen.

Maxi Broghammer, der ihren Lover spielte, begeisterte bei seinem ersten Auftritt. Er traf als oberflächlicher Sunnyboy sofort den richtigen Ton. Sarah Ginter, mittlerweile zum Stammpersonal gehörend, vermochte als Elmars Liebschaft einerseits das süße Liebchen, andererseits auch die schmollende vorwurfsvolle Ex-Freundin zu spielen.

Die Rolle der wunderfitzigen Tante Gieschen Spatz war der langjährig zum Schauspielteam gehörenden Luitgard Aust auf den Leib geschneidert. Ob als moralinsaure Verwandte oder neugierige Tante, mit ihren funkelnden Augen und ihrem unnachahmlichen Gang, brachte sie das Publikum zum Weinen vor Lachen und erntete viel Szenenapplaus.

Originelles Gauner-Duo

Andrea als ihre Freundin und Gesinnungsgenossin stand ihr in nichts nach, denn auch sie schöpfte alle Nuancen ihrer Rolle aus.

Originell war auch das Gauner-Duo mit Uli Leusmann als Alexander Schlau und Wolfgang Bernhardt als Bubi Dümmlich, dessen Rolle als Stotterer ihm sprachlich viel abverlangte. Während Uli den überlegenen Kapo spielte, der sich allen Problemen gewachsen zeigte, schaffte es Wolfgang Bernhardt als sein Kompagnon, ebenso meisterhaft die Rolle des geistig Minderbemittelten rüberzubringen.

Sprachbox stottert

Gerhard Storz, ebenfalls ein altgedienter Schauspieler, überzeugte als Amtsperson. Der Sprachbox Alessa lieh Isabel Klausmann die Stimme, die sogar stottern konnte, wenn sie mit Bubi Dümmlich sprach. Mit jeder Antwort rief sie einen Sturm der Heiterkeit hervor, was für kräftigen Applaus sorgte. Als Aufpasserin plauderte sie schonungslos aus, was sich im Hause Hoppenstedt ereignete und brachte dadurch das Ehepaar in Kalamitäten.

Die „Rolle“ der Souffleuse übernahm zuverlässig Luitgard Auber, die auch in der Regie mitarbeitete. Für Ton und Technik sorgte Regiemitglied Anton Haberstroh. In den Pausen wurde Gebrauch gemacht von Getränken und Speisen und im Nu waren alle Lose der reichhaltigen Tombola verkauft. Der zweite Theaterabend findet am Samstag, 29. November, statt.