Die Häftlinge Marlene von Heinrichs (Massimo Oppermann, von links), Bad-Boy Jerome (Winfried Matt) und Kalle (Simon Hansmann, rechts) kümmern sich um die Rentner Irmgard (Viktoria Buchholz) und Hermann (Bernd Burger). Foto: Wölfle

Mit der amüsanten Komödie „Residenz Schloss und Riegel“ von Winnie Abel haben die acht Laienschauspieler der Mühlenbacher Kolpingfamilie einen Volltreffer gelandet. Von den Zuschauern in der Gemeindehalle gab es viel Applaus.

Was tun, wenn durch eine Verkettung unglücklicher Umstände zwei Rentner nach der Reha nicht in ihrer neuen Seniorenresidenz, sondern im Knast landen? Genau das passiert dem Rentnerehepaar Irmgard und Hermann Krause in „Residenz Schloss und Riegel“, einer Komödie in drei Akten von Winnie Abel, die die Mühlenbacher Kolpingfamilie in der Gemeindehalle auf die Bühne brachte.

 

Bei der gut zweistündigen Aufführung des Theaterstücks schlüpften die Schauspieler in die Rollen von Psychologin Sandra Reschke (Sonja Bührer), des Rentnerehepaars Irmgard (Viktoria Buchholz) und Hermann (Bernd Burger), mehrerer Häftlinge wie des gutmütigen Pechvogels Kalle (Simon Hansmann), des mit Rapper-Ambitionen behafteten Bad-Boy Jerome (Winfried Matt), des Rockerbanden-Mitglied Boris Brandner (Alexander Himmelsbach), des Transvestiten Marlene von Heinrichs (Massimo Oppermann) sowie des strengen Justizvollzugsbeamten Herr Kunz (Ludwig Buchholz).

Situationskomik sorgt für viele Lacher beim Publikum

Die Schauspieler nahmen ihr Publikum immer wieder in „Lach-Haft“ und ließen es ein unvergessliches Abenteuer hinter Gitter erleben. Dazu trug auch die Handlung bei: Durch ein dummes Missverständnis landet das Rentnerehepaar Irmgard und Hermann hinter schwedischen Gardinen und bezieht, ohne es zu bemerken, eine Gefängniszelle im Gefängnis. Eine Chance für Bad Boy Jerome, der sich in seiner Fantasie gleich Haftvorteile ausmalt und seinen Gefängniskumpel Kalle dazu überredet, sich mit ihm um die beiden Alten zu kümmern.

Mit komischen Folgen: „Sicherheit ist uns schon wichtig“, betont der tüdelige Hermann, der sich aber dann doch ein bisschen über die Gitterstäbe an den Fenstern und die unkomfortablen Stockbetten wundert. „Und da ist ja gar keine Tür vor der Toilette“, beschwert sich seine Frau Irmgard, deren lautes, schnarchendes Gelächter immer wieder durch das Gebäude hallte und bei der Aufführung für wahre Lachsalven im Publikum sorgte.

Ebenso viel Lachen gab später, als die Knastis die Reklamationen der Rentner überzeugend auf die Sicherheitsvorkehrungen in der Seniorenresidenz schieben, auch während der ungehobelte Justizvollzugsbeamte Kunz abends deren „Zelle“ abschließt.

„Da geht was nicht mit rechten Dingen zu“, sagen die inneren Stimmen der beiden Rentner, die sich die letzte Station des Lebens nun doch etwas komfortabler vorgestellt hatten. Angsteinflößend ist für sie Rocker-„Knacki“ Brandner, der aggressiv mit Schlägen droht. „Ich werde meine Finger in eurem Dreckszimmer nicht dreckig machen“, widerspricht der pingelige Transvestit Marlene von Heinrichs der Bitte das Zimmer zu säubern, die Irmgard an den vermeintlichen Zimmerservice heranträgt.

Durch das Belauschen eines Gesprächs erfährt die Rentnerin dann voller Schrecken und Wut, dass sie in der JVA gelandet ist und sinnt mit ihrem Gatten mittels Pflege-Tests, auf Rache. Zum Kaputtlachen war es, als dann Hermann seine Füße mit der Feile des ausflippenden Transvestiten die Hornhaut an seinen Füßen abhobelt. Von Bad-Boy Jerome hingegen verlangt er unter anderem sein Gebiss herauszunehmen und eine Darmspülung vorzunehmen. „Schwör! Ey, ich pack das nicht ey“, jault dieser überfordert und enttarnt.

Die Rentner schlagen gewieft zurück

Das Ehepaar Krause will dann später den weinenden Kalle, der unschuldig im Gefängnis sitzt, im Koffer aus der Haft schmuggeln, doch deren Nichte, die überforderte Psychologin Reschke, enttarnt das verfemte Vorhaben. Doch Ende gut, alles gut! „Wir gehen wieder in unser altes Zuhause zurück“, bestimmte die Rentnerin, die dafür entzückt das lang ersehnte „Ich liebe dich“ von ihrem Hermann ergattert. Kalle, der auf Bewährung entlassen wurde ging mit, und resümierte bevor der Vorhang endgültig fiel: „Ich pflege jetzt alte Knacker!“ Das grandios komische Chaos hat also Gott sei Dank ein Happy End.

Tosender und nicht enden wollender Applaus belohnte die Laienschauspieler für ihre grandiose Leistung. Alle hatten ihre Rollen mit hervorragender Gestik und ausdrucksstarker Mimik in Szene gesetzt und so für ausgelassene Stimmung und beste Unterhaltung gesorgt.

Vorsitzender Simon Neumaier, der bei der Begrüßung allen ein gutes Neues Jahr gewünscht hatte, überraschte die seit Ende September probenden Akteure, als kleines Dankeschön für ihre großartige Leistung, nach der Aufführung mit einem kleinen Präsent.

Neumaiers großer Dank galt auch dem Bewirtungsteam und allen, die im Hintergrund an der Theateraufführung mitgearbeitet haben. Regie führte Markus Uhl, als Souffleuse fungierte Sabrina Burger. Für die Maske waren Elke Hoch und ihre Assistentin Tabea Grießbaum zuständig.

Die Kolpingfamilie

Die Mühlenbacher Kolpingfamilie ist Teil des Kolpingwerkes Deutschland. Dabei handelt es sich um einen katholischen Sozialverband mit Sitz in Köln. Insgesamt hat der Kolpingwerk-Verband rund 230.000 Mitglieder. Die Kolpingfamilie selbst ist laut ihrem Onlineauftritt ein soziales Netzwerk und versteht sich als Weg-, Glaubens-, Bildungs- und Aktionsgemeinschaft, die das Gemeindebild mitgestaltet.