Das Lindenhof-Theater führte im Kurhaus das Stück „Der verkaufte Großvater“ auf.
Nur wenigen dürfte das elfte Gebot gegenwärtig sein. Es besagt: Du sollst deinen Großvater nicht verkaufen! Eben darum geht es in dem Mundartstück aus dem ländlich-österreichischen Milieu. Geschrieben wurde es 1939 von Anton Josef Hamik, erstmals verfilmt in 1942. Eine schwäbische Fassung stammt von Franz Xaver Ott.
Der Tübinger Regisseur Siegfried Bühr hat das Schauspiel in Szene gesetzt. Seine Handlung bewegt sich zwischen Geld- und Machtgier, Arm und Reich, Niedertracht und Gewitztheit, enttäuschten Erwartungen und verdienten Pleiten. Im Zentrum dieses Tohuwabohus agiert der 70-jährige Großvater auf dem finanziell sehr angeschlagenen Hof seines Schwiegersohns.
Der knitze Senior geht seiner Umgebung mit seinen Späßen mächtig auf die Nerven, und so kommt Bauer Kreithofer angesichts seiner misslichen Lage auf die Idee, den Großvater loszuwerden und möglichst einträglich zu verkaufen. In dem Rosshändler Haslinger findet sich ein potenzieller Interessent und so nimmt das Geschachere seinen Lauf.
Lindenhof-Urgestein verkörpert den Großvater
Haslinger hat in Erfahrung gebracht, dass der Großvater über beträchtliches Grundvermögen verfügen soll. Für einen beachtlichen Betrag wechselt der Alte den Eigentümer und bringt an neuer Stelle dessen Hofpersonal in Wallung. Haslinger leckt sich bereits die Finger nach dem zu erwartenden Testament zu seinen Gunsten.
Aber wie es in einer solchen Komödie zu erwarten ist, nehmen die Dinge einen anderen Verlauf. In die Verwicklungen sind, wie bei Volksschauspielen üblich, Liebeständeleien verwoben, die eines glücklichen Ausgangs harren. Milieu und Sprachgebrauch lassen deftige Kost erwarten, und der schwäbische Duktus ist bekanntlich mit unzweideutigen Benennungen reich gesegnet.
Das achtköpfige Ensemble mit Stefan Hallmayer, Luca Zahn, Berthold Biesinger, Anne-Julia Koller, Franz Xaver Ott, Carola Schwelien, Hannah Im Hof und Elias Popp jonglierte vergnüglich mit verbalen Attacken. Das Lindenhof-Urgestein Berthold Biesinger spielte den Großvater, Franz Xaver Ott den Bauern Haslinger.
Blinde können das Theater mit den Ohren erleben
Die Initiative Sehnixe, eine Selbsthilfegruppe für Blinde und Menschen mit Sehbehinderung, besuchte in Zusammenarbeit mit Petra Schnierle von der Freudenstadt Tourismus die Inszenierung. 33 Personen, Betroffene und Begleitpersonen, wurden vor dem eigentlichen Auftritt vom Theaterensemble in das Stück eingeführt.
So lernten sie vor allem die Stimmen der Darsteller kennen und konnten diese während der Aufführung zuordnen. Schnierle beschrieb den Betroffenen über Audiodeskription während der Sprechpausen, was auf der Bühne ablief.