Die Theatergruppe des MGV Schuttertal brachte das Drama „Graf Diebold“ auf die Bühne. Es entführte die Zuschauer in die düstere Zeit des Aberglaubens.
Die Geschichte von Horst Helfrich sei reine Fiktion, wie Sebastian Singler vom Vorstandsteam bei der Begrüßung des Publikums betonte. Im Zentrum steht die heimliche Liebesbeziehung zwischen Graf Diebold (Paul Himmelsbach) und der Bürgerlichen Deike Matthis (Romy Lehmann), obwohl Diebold der machtbewussten Gräfin Carla (Lisa Himmelsbach) die Ehe versprochen hat.
Als Deike ein Kind von ihm erwartet, gerät sie in große Gefahr. Zunächst ist nur Amme Jula (Michaela Volk) eingeweiht, doch auch Junker Meinrad (Simon Schwab), der intrigante Vetter des Grafen, erfährt von der Schwangerschaft. Aus verletzter Eitelkeit treibt er die Situation voran und schürt gemeinsam mit Vasco (Michael Himmelsbach) Gerüchte im Dorf. Bald wird aus Dorftratsch offene Anklage: „Satansbraut! Hexerei!“, schreit das Volk. Meinrad denunziert die junge Frau beim Grafen, der, innerlich zerrissen, schließlich den Hexenprozess billigt.
Der Amtmann kennt keine Gnade
Vor dem Halsgericht in Lahr erstickt Amtmann Nicol (David Schätzle) jede Verteidigung brutal: „So haltet Eure Gosch, bis Ihr an der Reihe seid!“ und „Was fällt dir ein, du Satansbraut, so mit mir zu reden?“. Das Todesurteil durch Feuer scheint unausweichlich, bis Deike kurz vor der Vollstreckung entführt wird. Im emotionalen Finale wird enthüllt, dass Amme Jula ihre Mutter ist und die Rettung mutig geplant hat.
Wie vom Verein angekündigt, entfaltete sich ein Drama voller Intrigen, großer Gefühle und überraschender Wendungen, getragen vom Spannungsfeld zwischen Pflicht, Leidenschaft, Aberglauben und dem Kampf um Gerechtigkeit. Mit großer Spielfreude brachte die über 30-köpfige Theatergruppe unter der Leitung von Ludwig Griesbaum die Geschichte auf die Bühne.
Die Mitwirkenden erhielten viel Beifall
Auch die mitwirkende Kinderschar (die Schwestern Paula und Sofia Schillinger, Justus Volk und Johann Himmelsbach) bereicherte das Spiel sichtbar und belebte das Bühnenbild. Die zahlreichen markanten Figuren in Haupt- und Nebenrollen sowie der Moritatensänger (Martin Wölfle) sorgten für ein lebendiges Theaterspiel.
Aufwendige Kostüme und ein stimmiges Bühnenbild rundete die Aufführung ab und setzten die lange Theatertradition des MGV eindrucksvoll fort. „Graf Diebold“ überzeugte dabei nicht nur als packendes Bühnendrama, sondern auch als eindringliche Mahnung, denn das Stück machte spürbar, wohin Vorurteile, Denunziantentum, Aberglaube und unkontrollierter Machtmissbrauch führen können, eine Botschaft, die nichts von ihrer Aktualität verloren hat. Lang anhaltender Applaus belohnte die Mitwirkenden. Viele Helfer des Vereins sorgten bei den drei Aufführungen für das leibliche Wohl der Theaterbesucher.